Jugendliche zündeten Obdachlosen an – jetzt stellten sie sich

An Weihnachten haben sieben Jugendliche einen schlafenden Obdachlosen in einem Berliner U-Bahnhof angezündet. Nachdem die Polizei Fahndungsfotos veröffentlichte, stellten sich nun alle.

Drei der sieben Verdächtigen. Quelle: Polizei Berlin

Die Jugendlichen zwischen 15 und 21 Jahren hatten in der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag die Kleidung und Papier, mit dem sich der Mann offenbar vor der Kälte schützen wollte, in Brand gesteckt. Anschließend fuhren sie mit der U-Bahn davon. Sein Leben verdankt der Mann vorbeikommenden Passant*innen und einem U-Bahnfahrer, der mit einem Feuerlöscher zur Hilfe kam.

Am Montag veröffentlichte die Polizei Fahndungsbilder und ein Video der mutmaßlichen Täter. Nun stellten sich alle Jugendlichen bei verschiedenen Polizeidienststellen. Sie würden nun von einer Mordkommission vernommen – die Polizei wirft allen sieben Jugendlichen versuchten Mord vor. Der Zeugenaufruf ist inzwischen wieder offline.

In Berlin gibt es immer mehr Obdachlose

Es gibt keine exakten Zahlen darüber, wie viele Menschen in Berlin ohne festen Wohnsitz leben. Der scheidende Sozialsenator Mario Czaja sprach im Mai 2016 von knapp 17.000 Wohnungslosen – etwa 7000 mehr als Ende 2014. Laut Welt steigt diese Zahl aus verschiedenen Gründen stetig an: Zum einen gebe es in der Stadt eine große Zahl Harz-IV-Empfänger*innen, die in Verbindung mit rasant steigenden Mieten ihre Wohnung zu verlieren drohen. Zum anderen sei Berlin ein Magnet für die sozial schwächsten Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet und ganz Osteuropa.

Zahlreiche Projekte greifen dem Berliner Sozialsystem unter die Arme, damit Menschen ohne Wohnung überleben können. Es gibt zahlreiche medizinische Hilfeeinrichtungen oder den Kältebus, der Obdachlose mit heißen Getränken und Schlafsäcken unterstützt. Auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) öffnen im Winter nachts traditionell einige U-Bahnhöfe für Schutz- und Wärmesuchende.