Jugendstudie: Zwischen Weltoffenheit und Populismusaffinität

Klima- und Umweltschutz bewegt junge Menschen in Deutschland am meisten, besagt eine aktuelle Studie. Gleichzeitig wächst die Empfänglichkeit für rechtspopulistische Positionen.

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Umweltschutz und Klimawandel bewegen junge Menschen in Deutschland momentan am meisten. Foto: Luizmedeirosph / Pexels | CC0

Eine Generation meldet sich zu Wort lautet der Titel der 18. Jugendstudie des Energiekonzerns Shell, die heute in Berlin vorgestellt wurde. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass junge Leute in Deutschland wieder anspruchsvoller sind, wenn es um die Gestaltung der eigenen Zukunft geht. Damit einher gehen konkrete Handlungsaufforderungen an die Politik, wie sie beispielsweise von den Umweltbewegungen Extinction Rebellion und Fridays for Future vorgetragen werden. Zwei Drittel der Befragten fühlen sich nicht hinreichend miteinbezogen, wenn es um gesellschaftpolitische Fragen geht.

Junge Menschen zwischen zwölf und 25 Jahren sorgen sich am meisten um die Zerstörung der Umwelt. Die Studie zeigt gleichzeitig, dass die Empfänglichkeit für rechtspopulistische Positionen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen steigt.

Junge Menschen möchten mitreden

Umwelt und Klima sind überhaupt die Themen, die junge Menschen zur Zeit am stärksten bewegen – besagen auch die Umfragen der Studie. 71 Prozent der Befragten ist der Schutz der Umwelt demnach wichtiger als ein eigener hoher Lebensstandard (63 Prozent). Drei von vier gaben zudem an, dass die Umweltverschmutzung ihnen am meisten Angst mache. Bei der Studie im Jahr 2015 war es noch die Angst vor Terroranschlägen, die Jugendliche vorrangig beschäftigte. Diese rangiert nur mehr auf Platz zwei mit 66 Prozent, dicht gefolgt von den Sorgen, wenn es um den Klimawandel geht (65 Prozent).

Signifikant ist auch, dass über die Hälfte der Befragten (56 Prozent) Angst vor wachsender Feindlichkeit zwischen Menschen verschiedener Meinungen hat. Insgesamt steigt die Zahl (68 Prozent) junger Menschen, die das Gefühl haben, sich nicht frei äußern zu können: „In Deutschland darf man nichts Schlechtes über Ausländer sagen, ohne gleich als Rassist beschimpft zu werden.“ Was genau die Macher*innen der Studie darunter verstehen, schlecht über Menschen ohne deutschen Pass zu sprechen, wird nicht klar. Das subjektive Empfinden, nicht gehört und ernstgenommen zu werden, scheint jedenfalls für die wachsende Empfänglichkeit von populistischen Positionen zu sprechen. Laut Studie nimmt rund ein Drittel derartige Positionen ein – neun Prozent stimmen rechtspopulistischen Aussagen sogar vollständig zu.

Dennoch bleibe der Großteil der Jugend in Deutschland weiterhin tolerant und weltoffen. So schätzen vier von fünf der Befragten etwa die EU für ihre kulturelle Vielfalt. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) bewertet es außerdem positiv, dass Deutschland viele Geflüchtete aufgenommen hat.