Kämpfe in Bergkarabach: Was hinter dem ältesten postsowjetischen Konflikt im Kaukasus steckt

Wieder gibt es bewaffnete Auseinandersetzungen mit Toten zwischen Armenien und Aserbaidschan. Wir erklären die Hintergründe des Konflikts in der Region Bergkarabach.

Life In The Nagorno-Karabakh State Conflict
Archivbild zweier Jungen aus dem Jahr 2015 in der Region Bergkarabach. Sie spielen neben einem Gebäude, das 20 Jahre zuvor in einem Krieg zerstört wurde. Foto: © Brendan Hoffman / Getty Images

Was ist los in Bergkarabach?

Aserbaidschan und Armenien werfen sich gegenseitig vor, am Sonntag mit Kämpfen in der Region Bergkarabach begonnen zu haben. Nach Angaben der proarmenischen Regionalregierung in Bergkarabach hat die aserbaidschanische Armee Ziele in der Region bombardiert. Es gab Tote und Verletzte. Beide Länder haben den Kriegszustand ausgerufen.

Wo liegt das überhaupt?

Berg-Karabach (wörtlich: Schwarzer Garten) ist eine Region im Südkaukasus, die zwischen Armenien und Aserbaidschan liegt. Auf einer Fläche, die fünfmal so groß wie Berlin ist, leben etwa 145.000 Menschen.

Empfohlener Inhalt

An dieser Stelle findest du einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Du kannst dir hier alle externen Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.(Datenschutzerklärung)

Was ist das Problem?

Dass sowohl Armenien als auch Aserbaidschan die Region für sich beanspruchen. Völkerrechtlich gehört sie zu Aserbaidschan, der armenische Bevölkerungsanteil beträgt einem Beitrag der Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb) zufolge jedoch 99,7 Prozent.

Hab ich nicht schon einmal von dem Konflikt gehört?

Gut möglich. Den Konflikt um die Region bezeichnet die bpb als „ältesten postsowjetischen Sezessionskonflikt im Südkaukasus“. Dabei liegen die Ursprünge des Konflikts lange vor der Zeit des Zusammenbruchs der Sowjetunion Ende 1991.

Die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung in der Region war über Jahrhunderte im Fluss. Die vorwiegend christliche Bevölkerung aus Armenien prägte das Gebiet ebenso wie die vorwiegend muslimische aus Aserbaidschan. 1918 erklärten sich Armenien und Aserbaidschan für unabhängig und erhoben beide Anspruch auf Bergkarabach. Nach Kämpfen teilte die Zentralregierung in Moskau Bergkarabach Aserbaidschan zu. Die dort lebenden Armenier*innen sollten jedoch kulturell und administrativ autonom sein.

Mit dem Ende der Sowjetunion brach der Konflikt wieder offen hervor. Im folgenden Krieg mit geschätzt 30.000 Toten verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Proarmenische Kämpfer*innen brachten das Gebiet unter ihre Kontrolle. 1991 erklärte Bergkarabach sich zur unabhängigen Republik. Die Region wird allerdings international von keinem Mitgliedstaat der Vereinten Nationen anerkannt – nicht mal von Armenien. Seitdem gilt eine brüchige Waffenruhe. Der Konflikt ist für beide Seiten mittlerweile Bestandteil des Nationalbewusstseins. Immer wieder kommt es zu Kämpfen in der Region – so wie jetzt am vergangenen Sonntag.

AZERBAIJAN-ARMENIA-KARABAKH-UNREST
Stepanakert, Hauptstadt von Bergkarabach, das von keinem Staat der Vereinten Nationen anerkannt wird. Foto: © Karen Minasyan / AFP via Getty Images

Was sagen Politiker*innen aus Armenien und Aserbaidschan?

Erwartbares. „Wir werden niemals die Gründung eines zweiten sogenannten armenischen Staates auf aserbaidschanischem Boden zulassen“, sagt der Präsident von Aserbaidschan, Ilham Aliyev. Das Land würde 20 Prozent seines Staatsgebietes verlieren. Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan sagte im armenischen Fernsehen: „Aserbaidschans autoritäres Regime hat dem armenischen Volk erneut den Krieg erklärt. Wir stehen vor einem umfassenden Krieg im Südkaukasus.“

Wie geht es weiter?

Das ist unklar. Wie meistens werfen sich beide Seiten vor, für die aktuelle Situation verantwortlich zu sein. Die UN, die USA und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) riefen beide Seiten auf, die Kämpfe einzustellen und zu verhandeln. Seit 2007 liegen von der OSZE erarbeitete Pläne für eine Lösung des Konflikts bereit, diese werden aber von beiden Seiten abgelehnt. Hinzu kommt, dass ähnlich wie in Syrien oder im Jemen im Hintergrund mächtigere Staaten beteiligt sind. Armenien hat Russland als Schutzmacht, Aserbaidschan die Türkei.