Kaffee und Kekse am Grenzzaun: So erhält ein deutsch-dänisches Paar seine Beziehung aufrecht

Berührungen verboten – Pläneschmieden erlaubt. Wegen der Corona-Krise führen diese beiden Rentner*innen eine besondere Beziehung.

Seniorenpaar trifft sich an der Grenze
Karsten Tüchsen Hansen und Inga Rasmussen sitzen am deutsch-dänischen Grenzübergang, näher dürfen sie sich zurzeit nicht kommen. Foto: © Frank Molter/dpa

Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen in Deutschland und in Dänemark steigt nach wie vor täglich. Um die Ausbreitung des Virus einzuschränken, hat es Dänemark vielen anderen Ländern gleichgetan und Mitte März seine Grenzen geschlossen und einen Einreisestopp verhängt. „Das gilt für alle Einreisen nach Dänemark, für die keine wichtigen Gründe vorliegen“, berichtet die Deutsche Botschaft in Kopenhagen. Liebe dürfte keiner dieser wichtigen Gründe sein.

Inga Rasmussen, 85, und Karsten Tüchsen Hansen, 89, trennt diese Landesgrenze. Sie wohnt in Dänemark, er in Deutschland. Die beiden Rentner*innen sind seit etwa zwei Jahren ein Paar, unter normalen Umständen übernachten sie regelmäßig beieinander. Doch jetzt steht den beiden eine geschlossene Grenze im Weg, sie können sich seit zwei Wochen nicht mehr zu Hause besuchen. Was bleibt ihnen also anderes übrig, als zur jeweiligen Landesgrenze Mühlenhaus/Møllehus-Aventoft zu fahren und die Fernbeziehung kontaktlos aufrechtzuerhalten?

Seniorenpaar trifft sich an der Grenze
Foto: © Frank Molter/dpa

Berührungen verboten – Pläneschmieden erlaubt

Wenn es das Wetter zulässt, treffen sich sich die beiden täglich. Rasmussen kommt mit dem Auto aus dem dänischen Gallehus, Hansen fährt mit dem Elektrofahrrad aus Süderlügum in Nordfriesland los. Sie sitzen auf mitgebrachten Klapptstühlen, zwischen ihnen eine rot-weiß gestreifte Holzabsperrung. Es werden Kekse und Kaffee auf einem Betonblock angerichtet, manchmal vorgekochtes Mittagessen aus der Tupperware, manchmal bringt Hansen eine Flasche Geele Köm mit, eine regionale Spirituosenspezialität. Den muss er aber alleine trinken. „Ich trinke nur Kaffee, schließlich muss ich noch Auto fahren“, erzählt Inga Rasmussen.

Aus der Ferne prosten sie sich zu. Den Mindestabstand einzuhalten, sei ihnen nämlich wichtig. Küsse, Umarmungen, selbst das Händereichen zur Begrüßung sind ausgesetzt. „Es ist traurig, aber wir können es nicht ändern“, sagt Rasmussen. Hoffnungslos sind die beiden dennoch nicht. Sie planen schon ihre nächste Reise für die Zeit nach der Corona-Krise. Zwei Schiffsausflüge haben sie schon unternommen, eine dritte soll bald folgen.

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