Kann ich mit Mülltrennung wirklich etwas für die Umwelt tun?

In anderen Ländern ist Deutschland bekannt für Autobahnen, Humorlosigkeit und Mülltrennung. So ein Klischee! Das mit der Mülltrennung haben viele Deutsche nun wirklich nicht drauf. 

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Was gehört noch mal wo rein? Mülltrennung will gelernt sein. Foto: Paweł Czerwiński / Unsplash | CC0

Rund 400 Millionen Tonnen Abfall werfen wir in Deutschland jedes Jahr weg, in Haushalten und Geschäften, in der Industrie, der Landwirtschaft, bei Bau und Produktion. Das sind fünf Tonnen Müll pro Person. Mehr als die Hälfte sind Bau- und Abbruchabfälle, vor allem Bodenaushub, der zum größten Teil (85 Prozent) verwertet wird.

Damit auch die 52 Tonnen Haushaltsabfälle (auch Siedlungsabfälle genannt) verwertet, also recycelt werden können, sind wir wichtig. Also jede*r von uns, der*die Müll wegwirft. Denn nur, wenn wir richtig wegwerfen, hat unser Abfall noch einen Nutzen – und endet nicht irgendwann auf einer Deponie in Südostasien oder einem Müllteppich im Pazifik. Oder im Magen eines Fischs, den wir dann irgendwann essen. Mahlzeit.

Wo landet unser Müll?

Kaum liegt der Abfall im Eimer, haben wir ihn schon vergessen. Ist ja auch nicht mehr wichtig. Was macht es da schon, wenn eine Batterie im Restmüll landet oder eine Plastiktüte im Biomüll. Richtig? Falsch natürlich.

Der Weg in die Mülltonne ist für unseren Abfall nur der Beginn einer langen Reise. Geschätzt ein Drittel unseres Mülls landet in Recycling-Anlagen, ein Drittel in Müllverbrennungsanlagen und der Rest auf Deponien im Ausland, wo er dann andere Menschen und die Natur vergiftet.

Wenn du jetzt denkst: Aber angeblich werden doch 46 Prozent unseres Plastikmülls recycelt, das sagt jedenfalls das Bundesumweltministerium, und dann muss es ja stimmen. Dann hast du leider nicht recht. Diese Statistik zählt den Müll, der in Recyclinganlagen angeliefert wird. Sobald er durch das Tor fährt, gilt er als recycelt. Dabei fängt dort das Sortieren erst an. Denn nur, weil etwas in gelbem Sack oder gelber Tonne liegt, ist es nicht automatisch recycelbar.

Nicht recycelt werden können zum Beispiel Staubsaugerbeutel, Tampons, Windeln, dunkler Kunststoff (die Farbe verunreinigt das Plastik), mit Kunststoff beschichtete Coffee-to-go-Becher und andere sogenannte Verbundwerkstoffe. Aussortiert werden auch Papier, Glas oder Elektroschrott, also Abfall, der in die falsche Tonne geworfen wurde und eigentlich gut zu recyceln ist, aber eben nicht in einer Recyclinganlage für Kunststoffe.

Was passiert dann, wenn ich nicht richtig trenne?

Alles, was aussortiert wird, landet in der „thermischen Verwertung“. Klingt gut, heißt aber nur, dass es verbrannt wird. So entsteht aus dem Müll zwar wenigstens noch Strom und Wärme, das ginge aber auch umweltfreundlicher. Biomüll kann wenigstens noch zu Biogas vergoren werden, woraus ebenfalls Strom hergestellt werden kann, oder Treibstoff für Biogas-Fahrzeuge. Richtige Mülltrennung ist also Voraussetzung dafür, dass aus Abfall neue Rohstoffe werden können.

Wie trenne ich nun richtig?

Grüne Tonne, schwarzer Eimer, gelber Sack? Was kommt wohin? Idealerweise trennst du so:

  • Altglas: Nach Farben sortiert gehören Flaschen und Einweggläser in die Container für Weiß-, Braun- und Grünglas. Gelbes und blaues Glas darf auch zum Grünglas. Am besten schraubst du vorher die Deckel ab und wirfst sie in den gelben Sack oder die Wertstofftonne. Alle Behälter sollten leer sein, müssen aber nicht vorher gespült werden. Trinkgläser und Fensterglas haben einen höheren Schmelzpunkt und müssen zusammen mit Blei- und Kristallglas, Spiegelglas, Porzellan, Keramik und Glühbirnen leider in den Restmüll (Energiesparlampen unbedingt im Supermarkt oder Elektroladen abgeben, da werden sie fachgerecht entsorgt). Das Glas im Container kann dafür fast vollständig recycelt werden, immer wieder und wieder.
  • Altpapier: Hier gehört Papier und Pappe rein, also Eierkartons, Zeitungen, Bücher, Geschenkpapier. Was hier nicht rein darf: Tetrapaks, die sind innen mit Kunststoff beschichtet und gehören in den Gelben Sack. Thermopapier, zum Beispiel Kassenzettel, Backpapier oder Fahrkarten, muss in den Restmüll. Und natürlich Plastik. Das Sichtfenster trennst du also vorher aus der Nudelpackung oder dem Briefumschlag, die Werbeprospekte holst du aus der Plastiktüte und entsorgst beides getrennt.
  • Gelber Sack oder Wertstofftonne: Ob grüner Punkt oder nicht (das Zeichen muss seit 2009 nicht mehr abgebildet sein), in den gelben Sack oder die Wertstofftonne gehören alle anderen Verpackungen und Produkte aus Kunststoff und Metall. Also neben Joghurtbechern (leer, nicht gespült), Plastiktüten, Plastikflaschen, Plastikgeschirr, Plastikspielzeug, Strohhalmen und allem, was sonst eindeutig aus Plastik ist, auch Styropor, Alu, Weißblech, Dosen, Töpfe, Werkzeug, Besteck, Schrauben, Pfannen oder Kaffeekapseln. Den Abfall bitte komplett in seine Einzelteile zerlegen, also den Deckel vom Joghurtbecher ziehen, die Deckelfolie vom Rest der Käseverpackung, den Deckel von der Einwegflasche schrauben. So können die Maschinen (und Menschen) in der Recyclinganlage die einzelnen Materialien leichter trennen.
  • Elektrogeräte: Elektrogeräte und Batterien dürfen nicht in den Hausmüll. Kaputte Haushaltsgeräte kannst du oft in Sammelstellen in einen Container für Elektromüll werfen, auch der nächste Wertstoffhof nimmt sie kostenlos an. (Ab da sind sie plötzlich wieder richtig viel wert, eine LKW-Ladung PC-Bauteile kostet etwa 500.000 Euro, denn der Abfall enthält wertvolle Edelmetalle.) Kaputte Handys wirst du in vielen Handyläden oder bei Sammlungen von sozialen Einrichtungen los. Batterien können überall dort zurückgegeben werden, wo sie verkauft werden, also etwa in Supermärkten. Dort stehen Sammelbehälter meistens an den Kassen.
  • Biomüll: Was in Küche und Garten so anfällt, Kartoffel- und Eierschalen, Kaffeesatz und Teebeutel, Essensreste und verschimmelte Lebensmittel, Grünschnitt und Laub gehören in den Bioabfall. Natürlich ohne Tüte. Wo Plastik- oder Papiertüten hingehören, haben wir ja schon geklärt. Wenn du Biomüll in der Küche in einer Dose sammelst und regelmäßig in die Biotonne kippst, geht es auch ohne Tüte. Wenn du ihn unbedingt mit Tüte in die Tonne werfen willst, dann nimm auf jeden Fall lieber eine Papiertüte statt Plastik. Falls du einen Garten hast, freuen sich Würmer und Insekten im Komposthaufen natürlich auch über deinen Bioabfall.
  • Kleidung kann übrigens auch recycelt werden, wenn du sie in den Altkleidercontainer wirfst. Die Kleidung, die nicht verwendet werden kann, muss recycelt werden, daraus entstehen Putzlappen oder Dämmmaterial. Klamotten, die noch gut erhalten sind, solltest du natürlich lieber an ein Sozialkaufhaus oder eine soziale Einrichtung spenden.
  • Medikamente dürfen auf keinen Fall in Toilette oder Waschbecken gekippt werden. Sie gehören (ohne Verpackung natürlich) in den Restmüll oder können in Apotheken abgegeben werden.
  • Naturkorken sind ebenfalls ein wertvoller Rohstoff und werden in Weinhandlungen und gelegentlich bei Sammlungen von sozialen Einrichtungen angenommen.
  • Alles, was irgendwie giftig oder ätzend sein könnte (außer Batterien und Energiesparlampen), gehört in die Schadstoffsammlung auf dem Wertstoffhof, etwa Spraydosen, Kosmetika, Eimer mit Farb- oder Lackresten, Reinigungsmittel, Chemikalien mit Gefahrstoffsymbolen, quecksilberhaltige Thermometer, Altöl. Im Zweifelsfall kurz im Internet suchen, wie du besonderen Abfall richtig entsorgst.
  • Was zu groß ist für Tonne und Container, musst du über den Sperrmüll entsorgen. Auch da hilft eine schnelle Internetsuche weiter, denn die Sperrmüllentsorgung ist in jeder Kommune anders geregelt.
  • Alles andere, also auch Tesafilm und Thermopapier, Zigarettenkippen und Hygieneabfälle aus dem Bad (Binden, Wattestäbchen, Wattepads), Tierstreu und Asche, gehört in den Restmüll.

Sonst noch was?

Ja. Wenn dich Mülltrennen nervt, spar es dir einfach, indem du erst gar keinen Müll verursachst. Das liegt sogar im Trend, such mal nach #zerowaste oder #plastikfrei. Wenn du möglichst wenig Müll verursachen willst, lebst du automatisch gesünder (Fertigessen und Süßkram ist dann nämlich nicht mehr), sparst Geld (Essen bestellen und Tonnenweise in Plastik verschweißtes Zeug geht auch nicht mehr) und trotzt auch noch dem Konsumwahn.