„Kein Mensch braucht eine Nationalhymne“ – Wie seht ihr das?

Die Gleichstellungsbeauftragte fordert eine Überarbeitung der Nationalhymne. Wir haben euch gefragt, ob wir noch eine Hymne brauchen und was darin eigentlich vorkommen sollte.

"Kein Mensch braucht eine Nationalhymne" – Wie seht ihr das?

Vor allem im Fußball ist sie präsent, die Nationalhymne. © Ralph Orlowski/ Getty Images

Am 8. März ist Frauentag. Den nahm Katrin Rose-Möhring zum Anlass, eine überarbeitete Fassung der Nationalhymne zu fordern. Sie ist Gleichstellungsbeauftragte des Bundesfamilienministeriums. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP schlug sie der Bild am Sonntag vor, Vaterland durch Heimatland zu ersetzten und die Zeile „brüderlich mit Herz und Hand“ in „couragiert mit Herz und Hand“ umzuschreiben.

Die Nationalhymne gilt übrigens, obwohl sie nicht als solches im Grundgesetz steht, als Staatssymbol. Da es sich bei ihr aber, anders als bei der Flagge, nicht um ein offizielles Staatssymbol handelt, ist bisher staatsrechtlich unklar, wer über eine Änderung der Hymne entscheiden dürfte.

Bisher lautet die Hymne folgendermaßen:

„Einigkeit und Recht und Freiheit

für das deutsche Vaterland!

Danach lasst uns alle streben

brüderlich mit Herz und Hand!

Einigkeit und Recht und Freiheit

sind des Glückes Unterpfand:

Blüh im Glanze dieses Glückes,

blühe, deutsches Vaterland!“

Wir wollten wissen, was ihr von dem Vorschlag der Gleichstellungsbeauftragten haltet.

Nationalhymne Umfrage

Hier sind eure Antworten:

Die Aufregung um den Begriff ,Vaterland‘ verstehe ich nicht. Es gibt ja auch ,Muttersprache‘ und ,Frauenbeauftragte‘.“

„Nein, die Nationalhymne bleibt wie sie ist! Wer diese ändern möchte sollte sich stattdessen mal mit echten Problemen wie Kriminalität, Obdachlosigkeit und Ähnlichem beschäftigen. Dort wäre die Energie weitaus besser verwendet.“

„Ich mag unsere Nationalhymne nicht. Der Text ist veraltet und hat wenig mit dem zu tun, was die meisten Menschen fühlen. Ich bin ein Fan der Kinderhymne von Bertolt Brecht!“

Der Text der Nationalhymne wurde 1841 von dem Dichter August Heinrich Hoffmann von Fallersleben geschrieben. Der Komponist Joseph Haydn hatte die Melodie vier Jahrzehnte zuvor, im Jahr 1797 komponiert. Die Kinderhymne von Brecht ist dagegen noch jung. Sie wurde erstmals 1950 veröffentlicht.

 [Außerdem auf ze.tt: Petition für Verschmelzung von DDR- und BRD-Hymne: Wer braucht das?]

„Ich finde den Vorschlag sehr gut und werde ab sofort Heimatland singen und statt ,brüderlich‘ singe ich ,gemeinschaftlich‘. Vielleicht singe ich auch ab jetzt ,Mutterland‘ und ,schwesterlich‘. Sprache beeinflusst unser Denken und Handeln permanent. Niemand will den Begriff ,Vaterland‘ verbieten. Er soll nur in einer Hymne, die Gesamtdeutschland repräsentiert, durch einen inklusiveren Begriff ersetzt werden. Sinnvoll, nachvollziehbar und sollte keine große Sache sein“, schreibt ein*e User*in und ist mit dieser Ansicht scheinbar auch außerhalb des Bundesfamilienministeriums nicht alleine:

Ich würde mich eindeutig mit ,Heimatland‘ statt ,Vaterland‘ wohler fühlen.“

„Sehr schöne Alternativen, die mir persönlich vielleicht sogar einen Zugang zu dieser Hymne schaffen würden, da der Text mir ansonsten zu altbacken ist.“

„Die Nationalhymne zu ändern, wäre spätestens mit der Wiedervereinigung fällig gewesen. Eigentlich war es aber immer ein fauler Kompromiss, schlicht zwei Strophen nicht mehr zu singen. Eine neue Hymne könnte sich z. B. auf die friedliche Revolution beziehen, das Überwinden der dunklen Teile der deutschen Geschichte und ein neues Selbstverständnis als offene, zukunftsorientierte und dem Humanismus verschriebene Nation. Man wird ja noch träumen dürfen ;)“

Kein Mensch braucht eine Nationalhymne.“

Abschaffen wollen die Nationalhymne nur die wenigsten unter euch, aber an Vorschlägen für eine neue Nationalhymne mit einer zeitgemäßeren Wortwahl und einer neuen Botschaft mangelt es scheinbar nicht.