Keine Gespräche, kein Sex: Wie Dopamin-Fasten unsere Leistung steigern soll

Wenn das Gehirn Dopamin ausschüttet, löst das in uns Glücksgefühle aus. Warum will jemand darauf verzichten?

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Bitte keine Ablenkung. Foto: maximiliano estevez / Pixabay | CC0, Screenshots: ©

Das Silicon Valley wird wohl nie aufhören, uns mit neuen, teilweise verrückten Trends zu schockieren. Auch dieses Mal machen die Tech-Nerds etwas ganz Ausgefallenes, um noch produktiver, noch effizienter und besser auf ihrer Arbeit zu performen: Sie entziehen sich möglichst vielen Reizen, weil sich ihr Gehirn so angeblich besser konzentrieren kann. Kein Reden, Urlaub oder Sex seien erlaubt, da diese Aktivitäten das Gehirn überreizten und zulasten der Produktivität fielen.

Klingt ein bisschen bizarr, oder? Damit ihr jetzt nicht gleich übermütig werdet und bei dem Trend sofort mitmacht, haben wir mit Dr. Cameron Sepah gesprochen. Er ist Professor für Psychiatrie an der University of California in San Francisco und Experte auf dem Gebiet der kognitiven Verhaltenstherapie, zu der auch das Dopamin-Fasten zählt. Für uns erklärt er, wie man Dopamin-Fasten 2.0, wie er es nennt, achtsam und gesund praktizieren kann, ohne gleich gefühlt auf alles Schöne im Leben zu verzichten.

Dr. Sepah, was ist eigentlich Dopamin-Fasten 2.0?

Dr. Cameron Sepah: Dopamin-Fasten 2.0 ist eine auf Fakten basierte Technik, die Menschen dabei hilft, ihre Süchte und Impulse zu kontrollieren. Es gibt hierbei zwei Techniken aus der kognitiven Verhaltenstherapie, die sich in der klinischen Praxis bewährt haben.

Wie sehen diese Techniken aus?

Die erste Technik ist die Reizkontrolle. Den Betroffenen wird empfohlen, für eine bestimmte Zeitperiode jene Verhaltensweisen zu fasten, die problematisch für sie sind, beispielsweise Social-Media-Konsum. Ein bis vier Stunden pro Nacht, einen Tag am Wochenende, ein Wochenende vierteljährlich oder eine Woche im Jahr.

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Dr. Cameron Sepah, Professor für Psychiatrie an der University of California. Foto: © privat

Worauf sollte man denn dabei achten?

Wichtig ist, dass man sich geplante Zeiten vornimmt, zum Beispiel fünf bis 15 Minuten nach jeder Mahlzeit, um eine Übernutzung zu vermeiden. Die zweite Technik ist ein Gewohnheits-Umkehr-Training. Dabei soll beobachtet werden, wie Dränge entstehen und wieder abnehmen – ohne sich darauf einzulassen. Dadurch wird das impulsive Verhalten mit der Zeit geschwächt.

Für viele Angestellte ist oftmals nur ein halber Arbeitstag mit Produktivität gefüllt.

Kann Dopamin-Fasten dabei helfen, motivierter bei der Arbeit zu sein? Wenn ja, wie?

Es wird enorm viel Zeit bei der Arbeit verschwendet. Für viele Angestellte ist oftmals nur ein halber Arbeitstag mit Produktivität gefüllt. Ein Grund dafür ist die unglaubliche Menge an Ablenkungen. Insbesondere durch Smartphones und Computer, die geläufig und notwendig für die Arbeit sind. Dopamin-Fasten 2.0 hilft Menschen dabei, ihre Impulse zu kontrollieren, sodass sie sich nicht mehr leicht ablenken lassen und auch nicht in Versuchung geraten. Das schafft dann wiederum mehr Zeit, um Produktivität zu fördern.

Die Grenze zwischen Privatleben und Arbeit vermischt sich immer mehr. Wie kann man da auf Smartphones verzichten, wenn man sie gleichzeitig bei der Arbeit benutzt?

Es gibt Wege, wie man das lösen kann: Man kann das Smartphone für die tatsächliche Arbeit nutzen, während man auf den problematischen Gebrauch verzichtet. Zum Beispiel durch Social-Media-Fasten während der Arbeitsstunden, oder sogar durch Websiteblocker, die bei der Reizkontrolle helfen.

Ist bewiesen, dass Dopamin-Fasten die Produktivität steigert? Wenn ja, wie ist das möglich?

Das Hauptziel von Dopamin-Fasten 2.0 ist es, die Flexibilität und die Kontrolle über kritische Verhaltensweisen zu verbessern und somit weniger Zeit an sie zu verschwenden. Logischerweise macht das Platz frei für produktivere Arbeit. Es gibt Beweise, die diese Idee unterstützen: Eine Studie hat gezeigt, dass College-Student*innen, die für eine Woche Facebook gefastet haben, 13,3 Stunden ihrer Zeit wiedergewinnen konnten. Diese Zeit investierten sie dann in gesündere Aktivitäten.

Ob im Büro oder irgendwo anders: Jede*r versucht, die beste Version ihrer*seiner selbst zu sein. Wie kann der Entzug von bestimmten Verhaltensweisen den Drang nach Selbstoptimierung beeinflussen?

Viele Menschen beschweren sich darüber, dass sie nie genug Zeit haben, um alles zu tun, was sie wollen. Besonders beim Thema Gesundheit. Ein Grund ist das problematische Handeln, welches uns eben nicht besser, größer und zufriedener macht. Somit ist der erste logische Schritt in Richtung Selbstoptimierung stets, diese Handlungen so gut es geht zu eliminieren, um uns den Raum für gesündere Alternativen zu erlauben. Ein altes Zen-Sprichwort sagt, dass man eine Tasse, die schon voll ist, nicht weiter füllen kann. Also leert eure Tasse zuerst aus.


Von Simay Kocakaya auf Business Punk.

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