Warum du auch Bio-Fleisch nicht mit gutem Gewissen essen kannst

Das Bio-Label gibt Konsument*innen das Gefühl, nachhaltig und gut einzukaufen. Doch es steht in erster Linie für mehr Gesundheit für die Verbraucher*innen – nicht für ein höheres Tierwohl.

bio-fleisch-nachhaltigkeit-siegel-bedeutung
Kann man ruhigen Gewissens Bio-Fleisch auf den Grill hauen? Expert*innen geben Antwort. Foto: Kaboompics.com / Pexels | CC0

Wir wachsen umgeben von Tieren auf, mit denen wir uns identifizieren. Sie liegen als Kuscheltiere neben uns im Bett oder befinden sich als niedliche Zeichnungen in unseren Bilderbüchern. Vielleicht kommt auch noch das ein oder andere reale Tier hinzu, das sich als unser Haustier neben uns aufs Sofa kuschelt. Wir geben Katzen, Hunden, Vögeln und Co. Namen, wir sprechen ihnen menschliche Eigenschaften zu und sehen sie als unsere Freund*innen an. „Wir wachsen damit auf, dass unsere Empathie gegenüber Tieren gefördert wird“, sagt die promovierte Psychologin Tamara Pfeiler von der Universität Mainz.

Wir würden als Kinder lernen, dass es nicht Recht sei, einem Tier zu schaden oder ihm Leid zuzufügen. „Uns wird anerzogen: Es ist nicht in Ordnung, die Katze am Schwanz zu ziehen. Es ist nicht in Ordnung, einem Tier Gewalt anzutun“, sagt Pfeiler.

Auf der anderen Seite würden wir von klein auf daran gewöhnt, das Essen von Tieren als gegeben und selbstverständlich anzusehen, meint die Psychologin, die zur Psychologie des Fleischkonsums forscht. Dieser Widerspruch sei das sogenannte Fleischparadox.

Uns wird irgendwann im Laufe unserer Empathieentwicklung bewusst: Das, was wir da als Salami oder Schinken essen – das sind ja Tiere.

Tamara Pfeiler, Psychologin

Zwar sei den meisten Menschen dieser Widerspruch nicht permanent bewusst, sagt Pfeiler. „Es wird niemand von der Gesellschaft dazu aufgefordert, sich mit diesem Widerspruch zu beschäftigen“, findet sie. Und doch komme bei den meisten Menschen im Laufe ihrer Empathieentwicklung der Moment, in dem ihnen das Fleischparadox bewusst würde. „Uns wird irgendwann im Laufe unserer Empathieentwicklung bewusst: Das, was wir da als Salami oder Schinken essen – das sind ja Tiere“, sagt die Psychologin. Diese Erkenntnis stünde im starken Widerspruch zu unserer Sozialisation, keinem Tier zu schaden.

„Diese kognitive Dissonanz kann ich auf verschiedene Weisen regulieren“, erklärt die Psychologin: „Ich kann entweder sagen: Ich esse kein Fleisch oder gar keine tierischen Produkte mehr.“ Eine andere Möglichkeit sei es, seinen Fleischkonsum durch bestimmte Glaubenssätze zu legitimieren. „Das sind Glaubenssätze, die mir sagen: Fleischessen ist in Ordnung. Fleischessen ist normal. Fleischessen ist natürlich. Fleischessen ist notwendig“, erklärt die Wissenschaftlerin.

Bio-Produkte verkaufen die Idee, dass es den Tieren zu Lebzeiten gut ging.

Tamara Pfeiler, Psychologin

Manche Menschen würden einen dritten Weg, einen Mittelweg gehen. Sie würden versuchen, den moralischen Konflikt des Fleischessens durch den Kauf von Bio-Produkten zu regulieren, meint Pfeiler. In einer Studie von PwC aus dem Jahr 2017 (PDF) wurden Verbraucher*innen gefragt, warum sie Bio-Produkte statt konventioneller Lebensmittel kaufen. 45 Prozent der befragten Personen antworteten, sie seien sich beim Bio-Siegel sicher, dass die Produkte von Tieren stammen würden, die in Haltungsformen aufgewachsen seien, die dem Tierwohl gerecht würden.

„Bio-Produkte verkaufen die Idee, dass es den Tieren zu Lebzeiten gut ging“, meint Tamara Pfeiler. Auch Edmund Haferbeck von der Tierrechtsorganisation PETA Deutschland sagt: „Viele Konsument*innen denken, Bio stünde für eine bessere Haltung und wäre mit einem anderen Umgang mit den Tieren verbunden.“ Die Psychologin Tamara Pfeiler sagt: „Kognitiv findet da eine Kategorisierung statt: Es gibt Bio und es gibt Konventionell. Bio ist besser. Bio ist gleich Tierwohl.“

Diese Vorstellung helfe den Verbraucher*innen, ihren moralischen Konflikt, den sie beim Kauf eines tierischen Produktes empfinden würden, zu regulieren. „Bio zu kaufen, hilft dem*der Verbraucher*in sein*ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen“, findet sie. Aber wie gerechtfertigt ist ein beruhigtes Gewissen beim Kauf von Bio? Leben Bio-Tiere tatsächlich ein besseres Leben als Tiere in der konventionellen Haltung?

Nur kleine Unterschiede zwischen konventioneller Haltung und Bio-Haltung

„Ich würde auf keinen Fall sagen, dass es Bio-Tieren besser geht als Tieren in der Intensivtierhaltung. Man kann vielleicht sagen, dass es ihnen ein ganz klein bisschen weniger schlecht geht“, findet Sandra Franz, Sprecherin der Tierrechtsorganisation ARIWA (Animal Rights Watch). Es gebe ein paar Punkte, in denen sich die Bio-Tierhaltung von der konventionellen Tierhaltung unterscheide, sagt sie. Diese seien in der EU-Öko-Verordnung festgehalten. „Das ist sozusagen der Mindeststandard, der bei der Erzeugung von Bio-Produkten in der EU eingehalten werden muss“, erklärt sie. Was sind das für Unterschiede?

„Die Bio-Tiere haben ein bisschen mehr Platz“, so Franz. Ein konventionell gehaltenes Schwein bis 110 Kilogramm lebe zum Beispiel auf 0,75 Quadratmetern. Die EU-Öko-Verordnung sehe für Schweine bis 110 Kilogramm dagegen 1,3 Quadratmeter im Innenbereich und einen Quadratmeter im Außenbereich vor. „Rein rechnerisch ist das mehr als das Doppelte“, sagt Franz, „und trotzdem reicht es auf keinen Fall aus, dass die Schweine ihren Bewegungsdrang ausleben können.“

Auch die Stallböden würden sich unterscheiden, meint die Expertin. „Die Bio-Tiere haben einen Anspruch auf Stroh“, sagt sie. Der sogenannte Spaltenboden sei nur eingeschränkt zugelassen, erklärt Edmund Haferbeck von PETA. „Der Vollspaltenboden, der ja in der konventionellen Masttierhaltung gang und gäbe ist, darf in der Bio-Haltung nicht vollständig sein“, sagt der promovierte Agrarwissenschaftler. In den Durchführungsbestimmungen zur EU-Öko-Verordnung steht: „Mindestens die Hälfte der Stallfläche (…) muss von fester Beschaffenheit sein (…).“ Der Spaltenboden sei nach EU-Öko-Recht eben nicht vollständig verboten, betont Haferbeck.

Eine rechtliche Verpflichtung, die Tiere auf die Weide zu lassen, ist mit dem Bio-Siegel nicht verbunden. Außerdem sei in der EU-Öko-Verordnung für alle Tiere ein Auslauf vorgeschrieben, sagt Franz. Aber dieser Auslauf sei in vielen Fällen nicht die grüne Wiese, die sich die Konsument*innen vermutlich vorstellen würden, betont die Tierrechtlerin. In den meisten Fällen seien es betonierte, überdachte Buchten, die genauso wie die Stallinnenflächen zur Hälfte mit Spaltenboden ausgelegt seien. „Der einzige Unterschied zur Stallinnenfläche ist letztendlich, dass die Tiere mal den Wind auf der Haut fühlen“, sagt Franz.

Ein Verstoß gegen die Auflagen fürs EU-Bio-Siegel? Keineswegs. Die Durchführungsbestimmungen zur EU-Öko-Verordnung sichern den Tieren lediglich einen „Zugang zu Freigelände“ zu. Es heißt dort ziemlich vage: „Zugang zu Weideland“ sei zu ermöglichen, „wann immer die Umstände dies gestatten“. Eine rechtliche Verpflichtung, die Tiere auf die Weide zu lassen, ist mit dem Bio-Siegel nicht verbunden. Und so sieht die Lebensrealität, auch mit der Zusicherung eines Zugangs zu Freigelände, oftmals so aus, wie ARIWA es in diesem Video festgehalten hat, das in einem Bioland-Schweinehof gefilmt wurde.

Das Video dokumentiere keine Verstöße gegen EU-Bio-Recht, vielmehr zeige es, was im Rahmen von EU-Bio-Recht möglich sei, betont Sandra Franz von ARIWA. „Was man auf den Bildern sieht, ist mehr oder weniger Bio-Standard“, kommentiert sie das Video: „Diese kahlen Betonbuchten innen drin, diese betonierten Ausläufe, die auch zur Hälfte mit Spaltenboden ausgelegt sind – das ist Bio-Standard.“

Ein Schwein würde sich etwas ganz anderes aussuchen, wenn es sich aussuchen könnte, wie es leben möchte.

Sandra Franz, Sprecherin von ARIWA

Vor diesem Hintergrund erscheint es der Tierrechtlerin als ein zynischer Witz, wenn das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in einer Broschüre zum Bio-Siegel (PDF) schreibt, dieses stünde für eine artgerechte Tierhaltung. „Ein Schwein würde sich etwas ganz anderes aussuchen, wenn es sich aussuchen könnte, wie es leben möchte“, so Franz.

Die Tierrechtler*innen Sandra Franz und Edmund Haferbeck sind sich einig, dass es sich bei den Unterschieden zwischen konventioneller und ökologischer Tierhaltung um reine Marginalien handele. „Die Unterschiede sind so gering, dass man immer noch nicht sagen kann, dass es den Tieren gut ginge oder dass sie ein gutes Leben führen würden“, sagt Franz. „Die Unterschiede sind Marginalien, die nur ablenken vom Gesamtsystem, das wirklich identisch mit dem konventionellen System ist“, findet Haferbeck.

Das Problem bleibt bestehen: Die Tiere werden nach kurzer Lebenszeit gewaltsam getötet

Den eigentlichen Unterschied zur konventionellen Haltung, der aber nicht primär den Tieren, sondern den Verbraucher*innen zugute komme, sieht der Agrarwissenschaftler in der Fütterung der Tiere. „Der Begriff Bio ist in erster Linie auf das Futter bezogen“, sagt Haferbeck. In den Durchführungsbestimmungen zum EU-Öko-Recht heißt es, dass „mindestens 60 Prozent der Futtermittel aus der Betriebseinheit selbst stammen oder – falls dies nicht möglich ist – in Zusammenarbeit mit anderen ökologischen/biologischen Betrieben in der Region erzeugt werden“ muss. Hier gehe es primär um die Gesundheit der Konsument*innen – nicht um Tierrechte, betont Haferbeck.

Die Tiere werden irgendwann gewaltsam getötet. Und das nach einem sehr kurzen Leben, wenn man sich die natürliche Lebenserwartung der Tiere anschaut.

Sandra Franz, Sprecherin von ARIWA

In der ganzen Illusion vom glücklichen Bio-Tier werde dessen Tötung komplett ausgeblendet, findet die Psychologin Tamara Pfeiler. Die Wissenschaftlerin spricht deswegen von einer „partiellen Subjektivierung des Tieres“, die bei vielen Bio-Konsument*innen stattfinde. „Ich erkenne an, dass das Schwein, Rind oder Huhn gewisse Grundbedürfnisse hat und ich versuche ihm diese Grundbedürfnisse zuzubilligen“, sagt sie. „Interessanterweise spreche ich ihm aber trotzdem das existenzielle Bedürfnis ab, dass es leben möchte.“ Auch Sandra Franz von ARIWA meint: „Das Grundproblem der Nutztierhaltung bleibt auch bei Bio bestehen: Die Tiere werden irgendwann gewaltsam getötet.“ Sie fügt hinzu: „Und das nach einem sehr kurzen Leben, wenn man sich die natürliche Lebenserwartung der Tiere anschaut.“

Die Mastzeit und damit Lebenszeit von Bio-Tieren unterscheidet sich kaum von der konventionell gehaltener Tiere. Bei Schweinen unterscheidet sich das Alter bei ihrer Schlachtung überhaupt nicht. Sowohl Bio-Schweine als auch Schweine aus regulärer Haltung werden geschlachtet, wenn sie noch nicht einmal ein Jahr alt sind. Ihr durchschnittliches Alter bei der Schlachtung liegt zwischen 160 und 195 Tagen – nachzulesen in dieser Spiegel-Reportage.

Andere Bio-Tiere dürften marginal länger leben als ihre konventionell gehaltenen Artgenossen, berichtet Sandra Franz. Ein konventionell gehaltenes Huhn beispielsweise werde zwischen seinem 28. und 42. Lebenstag geschlachtet. Das Mindestalter, nach dem dagegen ein Bio-Huhn geschlachtet werden dürfte, liege bei 81 Tagen. Das sei in der EU-Öko-Verordnung geregelt. Ein Bio-Huhn habe also ein Recht auf ein doppelt so langes Leben wie ein konventionelles Huhn. Und doch findet die Tierrechtlerin: „Wenn man sich überlegt, dass ein Huhn eigentlich fünf bis zehn Jahre alt werden kann, dann ist das immer noch ein absoluter Witz.“

In dem Moment, in dem das Tier auf den Transporter zum Schlachthof kommt, hören alle Regelungen in Sachen Bio auf.

Edmund Haferbeck, Sprecher von PETA

Die Vorstellung, dass Bio-Tiere länger leben würden als ihre konventionell gehaltenen Artgenossen, ist also mehr oder weniger eine Illusion. Auch die Vorstellung, dass Bio-Tiere umsichtiger geschlachtet würden, ist weit gefehlt. „Die Transporte in die Schlachthöfe und die Schlachtung selbst finden unter den ganz normalen, konventionellen Bedingungen statt“, betont Edmund Haferbeck.

„Es gibt keine Extravorschriften, dass die Schlachtung von Bio-Tieren irgendwie anders erfolgen müsste als die Schlachtung von konventionellen Tieren“, sagt auch Sandra Franz von ARIWA. Ein Blick in die EU-Öko-Verordnung verrät, dass sich die festgehaltenen „Vorschriften zur Tierproduktion“ in der Tat nur auf die Haltung der Tiere beziehen – nicht auf ihren Transport und ihre Schlachtung. Für diese letzten Lebensabschnitte der Bio-Tiere verweist die Verordnung lediglich auf gesonderte EU-Verordnungen, die aber auch für die konventionelle Tierindustrie gelten. „In dem Moment, in dem das Tier auf den Transporter zum Schlachthof kommt, hören alle Regelungen in Sachen Bio auf“, sagt Haferbeck. Was bedeutet das für die Tiere?

Eine oftmals unerträglich lange Fahrt zum Schlachthof, meint Sandra Franz. Die Fahrt zum Schlachtbetrieb darf laut Gesetz bis zu acht Stunden dauern und es sind einige Ausnahmen vorgesehen, in denen diese acht Stunden sogar überschritten werden dürfen, wie die Albert-Schweitzer-Stiftung hier aufgeschrieben hat. Bio-Tiere sind nicht vor solch langen Fahrten geschützt. In der EU-Öko-Verordnung steht zum Thema Transport lediglich: „Die Dauer von Tiertransporten muss möglichst kurz gehalten werden.“ Was „möglichst kurz“ bedeutet, bleibt reine Auslegungssache. Sandra Franz findet: „Das ist eher so eine Soll-Vorschrift, keine Muss-Vorschrift.“

In den Schlachthöfen spielt Bio keine Rolle

Im Schlachthof angekommen, erwartet Bio-Tiere genau dieselbe Schlachtung wie alle anderen Tiere auch. „Es gibt keine Extra-Bio-Schlachthöfe“, betont Edmund Haferbeck von PETA. Zwar würden Bio-Tiere in Schlachthöfen mit einem Bio-Zertifikat geschlachtet, aber dieses beziehe sich lediglich auf eine saubere Trennung von Bio-Tieren und regulären Tieren, sagt Sandra Franz. Die Zeitschrift Schrot & Korn schreibt über die Bio-Zertifizierung von Schlachthöfen: „Sie besagt allerdings nur, dass die Bio-Tiere in einem eigenen Arbeitsgang, getrennt von konventionellen Tieren, geschlachtet und verarbeitet werden müssen.“ Das heißt: Auch hier geht es wieder einmal um den*die Verbraucher*in – nicht um ein höheres Tierwohl.

Ein Bio-Tier leidet im Schlachthof sogar noch mehr, wenn sich dieses Leid überhaupt steigern lässt.

Philipp Hörmann, ehemaliger Fleischer

Für Edmund Haferbeck steht fest, „dass Bio-Tiere in den Schlachthöfen genauso unsäglich behandelt werden wie die konventionellen Tiere“. Eine Einschätzung, die Philipp Hörmann von den Metzgern-gegen-Tiermord bestätigt.

Der ehemalige Fleischer hat sich im Jahr 2017 in zwei nordrheinwestfälische Schlachthöfe, einer davon mit Bio-Zertifikat, eingeschleust, um dort – undercover – Aufnahmen für die Soko Tierschutz zu machen. In beiden Schlachtbetrieben stellte Hörmann eine hohe Fehlbetäubungsrate fest: „An manchen Tagen hat fast jedes dritte Tier deutliche Abwehrreaktionen beim Entbluten gezeigt.“ Er fügt hinzu: „Einige Schweine haben sogar noch im Brühkessel gezappelt oder sich noch aktiv gegen den Einzug in die Brühmaschine gewehrt.“

Die Fehlbetäubungsrate bei Bio-Tieren sei sogar noch höher als bei anderen Schlachttieren, meint Edmund Haferbeck. Auch Hörmann sagt: „Als ehemaliger Fleischer weiß ich, dass Bio-Tiere schwerer zu schlachten sind als konventionelle Tiere.“ Er erklärt: „Bio-Tiere sind in der Regel kräftiger, muskulöser. Die wehren sich massivst gegen die Betäubung.“ Hörmann ist der Meinung: „Ein Bio-Tier leidet im Schlachthof sogar noch mehr, wenn sich dieses Leid überhaupt steigern lässt.“

Was bringen die Siegel?

Das EU-Bio-Siegel steht nicht für ein höheres Tierwohl und das deutsche Bio-Siegel auch nicht – dieses sei lediglich die Umsetzung auf nationaler Ebene, erklärt Edmund Haferbeck von PETA. Der Tierrechtler betont: „Das Bio-Siegel ist keine Lösung der Tierschutzproblematik.“ Auch Sandra Franz von ARIWA sagt: „Es geht bei Bio nicht um ein höheres Tierwohl, sondern letztendlich um saubere Produkte für den*die Verbraucher*in.“

Man will dieses unsägliche Produkt Fleisch an die Konsument*innen bringen. Und dazu muss Verwirrung gestiftet werden.

Edmund Haferbeck, Sprecher PETA

Der*die Konsument*in, der*die zum Bio-Fleisch greife und glaube, das Tier hätte ein glückliches Leben gelebt und wäre friedlich gestorben, erliege dem Marketing der Bio-Industrie, die mit Fotos von Tieren auf saftig-grünen Wiesen werbe, sagt Haferbeck. „Solche Bilder sind eine reine Verkaufs- und Marketingstrategie der Bio-Industrie“, findet er: „Man will dieses unsägliche Produkt Fleisch an die Konsument*innen bringen. Und dazu muss Verwirrung gestiftet werden.“ Verwirrung, die die Kund*innen glauben lasse, es ginge beim Bio-Siegel primär um ein höheres Tierwohl.

Die Psychologin Tamara Pfeiler kann trotzdem etwas Positives in diesem Irrglauben feststellen: „Weil man daran sieht, dass es diesen Menschen sehr wohl wichtig ist, dass es Tieren gut geht.“ Nur sollten sie sich fragen, ob der Kauf von Bio-Tierprodukten tatsächlich der richtige Weg sei, findet sie. Die Tierrechtler*innen Sandra Franz und Edmund Haferbeck sind überzeugt, dass es nicht der richtige Weg ist – für sie besteht der Weg hin zu einem höheren Tierwohl in einer veganen Ernährung. „Das ist heutzutage ohne Probleme möglich. Es ist lecker. Es ist gesund. Es ist abwechslungsreich“, sagt Franz: „Und es ist ein Beitrag, dass immer weniger Tiere in den Ställen ausgebeutet werden und wir dieses System endlich mal beenden.“

Außerdem auf ze.tt