Körper, Familie, Kritik ertragen: Das sind eure wunden Punkte

Manchmal reicht ein Wort oder ein Blick, um uns völlig zu verunsichern oder wütend zu machen. Wir wollten von unseren Leser*innen wissen, wo ihr wunder Punkt liegt.

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Wir alle kennen diese Situationen, in denen dann nur ein Satz oder Blick genügt, um uns aus der Bahn zu werfen. Foto: Pexels / Ike louie Natividad

Situationen, die die einen nicht mal wirklich bemerken, können anderen einen Knoten in den Magen drehen. Dann haben Aussagen oder Blicke einen wunden Punkt getroffen. Das Nachdenken darüber bohrt oftmals an der Oberfläche unseres Selbstverständnisses und gräbt nicht selten Unsicherheiten aus, mit denen wir uns im Alltag am liebsten gar nicht beschäftigen würden, es aber manchmal doch müssen. Das anschließende Grübeln darüber verstärkt das Gefühl häufig noch.

Twitter-Userin TanjaSagt stellte die Fragen nach den persönlichen wunden Punkten kürzlich ihren Follower*innen und bekam eine Reihe sehr persönlicher Antworten: „Ich bin keine so gute Mutter wie ich gerne wäre“, schrieb eine Userin. „Ich erwarte von anderen manchmal noch unterbewusst, dass sie so viel geben wie ich. Die Enttäuschung ist dann oft sehr hart“, eine andere Person. Eine dritte wiederum antwortete: „Wo soll ich anfangen?“

Die zahlreichen Antworten zeigten aber auch: Über wunde Punkte reden kann nützlich sein. Denn der Austausch zeigt, dass viele unangenehmen Gefühle, die uns plagen, weit verbreitet und wir damit nicht alleine sind. Deshalb wollten wir von unseren Leser*innen wissen: Was sind eure wunden Punkte? Das sind eure Antworten:


Unsere Körper …

„Mein Darm dank einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung.“

„Meine Figur und allgemein mein Aussehen.“

Unsere Familien …

„Meine Oma. Sie hat mich unterstützt und umsorgt, als meine Mutter arbeiten war und/oder ihre Zeit für seltsame Typen verschwendete. Bis heute werde ich emotional, wenn ich in der Stadt Großeltern mit ihren Enkelkindern sehe.“

„Mein Vater hat früher immer zu mir gesagt: ‚Du bist doch so schlau! Warum kannst du das dann nicht?‘ Wenn ich so etwas in der Art höre – auch nur im Spaß – ist es jedes Mal wie ein Schlag in die Magengrube.“

„Dass meine Freundin ihren Sohn in Bezug auf ihr Rauchen belügt und ihn dazu anstiftet, Regeln zu brechen. Da steigt innerlich eine kleine Wut auf. Und dass ich weiß, dass sie meine Kritik auch nicht annehmen würde, ebenso. Also halte ich (noch) den Mund.“

Wir alle haben Angst …

„Die Angst, ersetzbar zu sein. Jede Situation, die mir das Gefühl gibt, ich oder meine Meinung seien unwichtig, oder eine andere Person könne meine Rolle einnehmen, wirft mich aus der Bahn.“

„Ich habe große Angst davor, verlassen zu werden. Und verhalte mich deshalb manchmal komisch, anstatt mich abzugrenzen.“

Wir alle würden gerne Dinge anders machen …

„Ich kann nach Trennungen nur schwer bis gar nicht loslassen. Eigentlich steh ich mit beiden Beinen fest im Leben – habe einen guten Job, tolle Freund*innen und eine sehr liebevolle Familie um mich herum. Aber nach Trennungen werde ich zu einer Furie voller Liebeskummer, die sich selbst nicht mehr erkennt. Da wird gern mal mit Fake-Profilen durch soziale Medien gestalkt, was der Ex so tut, oder wem er aktuell auf Instagram folgt, wochenlang geheult und unzählige Nachrichten verschickt, die von Liebesbekundungen bis zu Vorwürfen reichen. Nach ein paar Wochen fange ich mich dann wieder – aber meistens habe ich dann alle Brücken angezündet und sogar die freundschaftlichste Trennung, die trotz Liebe gefällt wurde, zerstört.“

„Nicht loslassen zu können, wenn andere Menschen suggeriert haben, dass sie Hilfe bräuchten.“

„Mein wunder Punkt ist, dass ich zu schnell über die Schwächen anderer hinwegsehe, wenn ich sie mag, und dann im Nachhinein oftmals massiv enttäuscht werde.“

„Wenn mich jemand kritisiert – da ich aber so sensibel bin, was das angeht, vermute ich Kritik schon, wo gar keine ist.“