Kurz erklärt: Was es bedeutet, dass Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennt

Der US-Präsident erkannte die Stadt gestern offiziell als israelische Hauptstadt an. Das schafft eine Menge Probleme. Ein Überblick in Stichpunkten

Donald Trump besuchte Jerusalem im Mai, hier berührt er die Klagemauer, eine der wichtigsten Gebetsstätten des Judentums. © Gettyimages

  • Was ist gerade mit Jerusalem los? Der US-Präsident Donald Trump hat in einer Ansprache Jerusalem offiziell als Hauptstadt Israels anerkannt und angekündigt, mit der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem umzuziehen. Die USA ist das erste und einzige Land der Welt, das diesen Schritt geht.
  • Warum ist das problematisch? Trumps Vorgehen ist insofern problematisch, als dass die Staaten Israel und Palästina beide Anspruch auf Jerusalem als Hauptstadt erheben. Das gesamte Stadtgebiet wurde zwar schon seit 1967 von Israel kontrolliert und verwaltet, jedoch beanspruchen einige Gruppierungen in Palästina die Stadt ebenfalls als Hauptstadt; andere nur den östlichen Teil, in dem sich bedeutende Stätten des Islam, Christen- und Judentums befinden.
  • Wie war die Situation bis jetzt? Die USA fungierte fast 70 Jahre lang als Mediator zwischen den Stühlen, bekannte sich aber bis jetzt nie klar zu Jerusalem als Israels Hauptstadt. Die heilige Stadt, wie sie im Nahen Osten genannt wird, hat eine jahrtausendelange Geschichte. In jüngerer Vergangenheit bemühte sich die internationale Gemeinschaft, eine friedvolle Lösung für den Konflikt um sie zu finden. (Die Erklär-Website Vox fasst die Bedeutung der Stadt hier ausführlicher zusammen.)

  • Was sagen Israel und Palästina dazu? Nach Trumps Ansprache meldeten sich Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, der den Schritt begrüßte und sich bedankte, und Palästinas Präsident Mahmoud Abbas, der Trump scharf kritisierte: Das Vorgehen würde die USA automatisch aus Friedensgesprächen zwischen Israel und Palästina ausschließen – weil es klar zeige, dass eine der beiden Seiten präferiert werden würde.
  • Was sagt der Rest der Welt? Der Rest der Welt zeigt sich besorgt um Trumps Entscheidung und befürchtet, sie könnte zu einem Ende der Friedensbestrebungen und zu gewaltvollen Eskalationen führen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sagte an Trump gerichtet, Politiker sollten für Versöhnung sorgen und nicht für Chaos. Schon jetzt zeichnet sich eine Verhärtung des Konfliktes ab.
  • Was passiert jetzt? Die sunnitisch-palästinensische Terrororganisation Hamas, die derzeit den Gazastreifen kontrolliert, fasst das Vorgehen etwa als Kriegserklärung auf und rief zu einem neuen Intifada auf; Intifada ist der Begriff für palästinensische Aufstände gegen Israel, darunter ziviler Ungehorsam und Terror. AJ+ zeigt die Tragweite von Trumps Entscheidung in einem kurzen Videobeitrag: