Warum unauffällige Gesten mehr zählen als großes Romantikgedöns

Rote Rosen, teurer Schmuck? Alles Quatsch. Kleine Liebesbeweise im Alltag sind viel entscheidender.

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Zusammen lachen tut gut. Foto: Andi Risam Triangga / Pexels | CC0

Oh, schon wieder Valentinstag. Der Tag im graumatschigen Monat Februar, an dem etlichen Liierte – angeregt durch eine hyperaktive Werbeindustrie – völlig überraschend einfällt: „Huch! Die Liebe! Gibt’s ja auch noch. Puh, schnell mal ein paar Blumen kaufen.“ Und dann ist es mindestens bis Weihnachten wieder gut mit Romantik, oder?

Versteht mich nicht falsch: Natürlich sind Aufmerksamkeiten wie Karten, Schokolade und Blümchen schön, aber was ist denn bitte ein einziger, extra für die Liebe ausgewiesener Tag? Verordnete, punktgenaue Massenromantik – das zählt doch gar nicht richtig.

Viel interessanter und wesentlicher ist es, wie sich Menschen ihre Liebe im Alltag zeigen. Mit kleinen, unaufgeregten, zärtlichen Gesten. Die sind vielleicht nicht so beeindruckend pompös wie ein Strauß Baccara-Rosen oder Schmuck – aber sie sind der unscheinbare Kitt, der eine Beziehung zusammen- und die Liebe am Leben hält.

So zeigen sich Menschen ihre Liebe im Alltag

Wir neigen dazu, Dinge als selbstverständlich zu nehmen, die es eigentlich nicht sind, vor allem dann, wenn sie regelmäßig stattfinden. Kleine, liebevolle Gesten im Alltag können da leicht untergehen oder übersehen werden.

Wie wir uns gegenseitig unsere Zuneigung zeigen, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. „Es gibt die sogenannte ‚Sprache der Liebe‘ – das ist die Art zu zeigen, dass man die andere Person liebt“, sagt die Berliner Paartherapeutin Anna Holfeld. Manche bekunden ihre Liebe hin und wieder öffentlich, wie unlängst der thüringische Politiker Bodo Ramelow, der seiner Frau Germana Alberti vom Hofe auf Twitter für ihre Unterstützung in schwierigen Zeiten gedankt hat:

Andere zeigen sich ihre Zuneigung eher abends im Schlafzimmer. Und nein, das hat nicht immer mit Sex zu tun.

Eine besonders beliebte Geste, um Liebe im Alltag zu zeigen: das morgendliche Heißgetränk. Mit Option auf vollwertiges Frühstück.

Auch kleine Nachrichten und Notizen, digital oder auf Papier, können wichtige Liebesbeweise sein. „Sich als Paar häufig zu zeigen, dass man sich wichtig ist und aneinander denkt, das hält die Liebe frisch“, weiß Beziehungsexpertin Anna Holfeld. „Ob das kleine Nachrichten über den Tag sind oder Liebesbriefe oder eine regelmäßige Verabredung an einem Abend in der Woche – das ist von Paar zu Paar unterschiedlich.“

Für einige Menschen geht Liebe auch tatsächlich durch den Magen. So schrieb mir Jennifer beispielsweise auf Facebook: „Mein Mann bringt statt Blumen lieber Heringssalat mit – seine Art, mir seine Liebe zu zeigen!“

Wichtig ist aber vor allem: zugewandt und präsent sein. „Etwas mehr Aufmerksamkeit tut jeder Beziehung gut“, sagt auch Paartherapeutin Anna Holfeld. „Wichtig ist es, sich auszutauschen, welchen Weg man auch immer wählt. Teilhabe am gemeinsamen Leben, an Wünschen und Träumen und natürlich auch an den profanen Alltäglichkeiten des Alltags, das ist für eine Beziehung wichtig.“

Kleine Gesten, große Liebe

Noch immer keine Ahnung, worüber der*die Partner*in sich freuen würde und wie sich Liebe im Alltag am besten zeigen ließe? Der Schlüssel ist Aufmerksamkeit. „Wenn man darauf achtet, erhält man Hinweise auf die Sprache der Liebe der anderen Person“, erklärt Anna Holfeld.

Laut der Expertin geht es darum, zu schauen, was der*die andere selbst aussendet, um Liebe im Alltag zu zeigen. Sind es Geschenke, Worte oder eher gemeinsame Unternehmungen? So lassen sich Anknüpfungspunkte für Liebesbekundungen finden.

Und nicht alle Gesten müssen einmal im Jahr an einem bestimmten, festgelegten Tag stattfinden, sondern können auch fest in den gemeinsamen Alltag integriert werden.

„Rituale, die das Paarleben bereichern, halte ich auch für sinnvoll“, sagt Anna Holfeld. Und die können gemeinsam entwickelt werden. Dabei ist es vollkommen egal, ob das Paar einmal die Woche gemeinsam zum Bowling geht oder ob es ein allabendlicher Gutenachtkuss ist. Es ist die Geste, die zählt und zeigt: Wir sind noch immer ein wir; wir sind speziell füreinander und einander wichtig – egal, was sonst so auf der Welt und im Leben passiert.

Im Grunde trifft es diese Zusammenfassung über Zeichen der Liebe im Alltag, die mir jemand zugeschickt hat, ziemlich gut: „Herzchen eingeritzt in die gefrorene Autoscheibe. Blicke, Scherze, ein Küsschen im Vorbeigehen. Auf großen Touren Standortfreigabe auf Google Maps, damit ich sehe, dass sich das Motorrad bewegt. Kaffee ans Bett. Die Hunderunde übernehmen, wenn man merkt, der andere ist k. o. Krankheit miteinander durchstehen. Das schweißt zusammen. 27 Jahre schon.“

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