Liebe Influencer*innen, ihr habt auch eine Vorbildfunktion

Viele Influencer*innen führen auf Social Media ein glamouröses Jetset-Leben. Doch auch Nachhaltigkeit sollte ein Thema sein. Ein Kommentar

Viele Influencer*innen führten auf Social Media ein glamouröses Jetset-Leben. Doch auch Nachhaltigkeit sollte ein Thema sein. Ein Kommentar

Coffee to go? Natürlich im Einwegbecher ... Foto: Roberto Nickson / Unsplash | CC0


Verschmitztes Lächeln, auf der Zunge immer einen flotten Spruch, empathisch und smart: Kai Pflaume ist zu Recht einer der beliebtesten deutschen Fernseh-Moderator*innen. Doch nicht nur TV-Zuschauer*innen lieben den Nur-die-Liebe-zählt-Star, auch auf Instagram hat Kai Pflaume eine treue Anhängerschaft: 115.000 Menschen folgen ihrem Kai derzeit, der ihnen täglich einen Einblick in die wunderbare Welt eines vielbeschäftigten Menschen gibt. Im Grunde sieht ein Tag im Leben des Kai Pflaume folgendermaßen aus: Es gibt herausragendes Essen, mindestens zwei Flüge quer durch die Republik, eine sogenannte Shoecam, die seine neuen Sneaker einfängt, eine fixe TV-Aufzeichnung, die gefühlt nicht länger als zwei Stunden dauert, und morgens wie abends reichlich Sport.

Kai Pflaume lebt ein traumhaftes Leben, um das – und da bin ich ziemlich sicher – nicht nur ich ihn ziemlich beneide. Allerdings finde ich es sehr bedenklich, wie Kai Pflaume sich der Öffentlichkeit präsentiert. Ich meine: Was löst Kai Pflaumes kosmopolitischer Lifestyle in den Köpfen seiner Follower*innen aus? Was will er eigentlich zeigen, wie macht er das und ist das so super, wie es den Anschein erweckt?

Kein ökologisches Gewissen?

Wie so viele andere Instagrammer*innen auch benutzt Kai Pflaume die gängige Ästhetik eines stilisierten Lebens. Die schönen Seiten werden öffentlichkeitswirksam eingeblendet, über die schlechten hüllt sich der Mantel des Schweigens. Gutes Essen zieht immer und dagegen ist auch gar nichts zu sagen. Besser so als Trashfood internationaler Konzerne. Doch warum beispielsweise hat das Fliegen bei vielen Instagrammer*innen, allen voran Kai Pflaume, fast den gleichen Stellenwert wie gutes Essen?

Keine Frage, unterwegs zu sein, über den Wolken zu schweben, hat eine gewissen Faszination, die es den deutschen Instagram-Stars offensichtlich wert genug ist, immer wieder sich selbst am Flughafen, vor oder in Flugzeugen abzulichten. An das ökologische Gewissen appeliert hingegen komischerweise niemand.

Auch It-Boy Riccardo Simonetti nicht, dem es in seiner Story zwar wert ist, mit einem Smiley verziert zu betonen, wie weird es doch wäre, innerhalb von 24 Stunden viermal einen Flieger zu betreten, doch das Ganze kritisch zu reflektieren: no way. Same procedure übrigens auch bei Dieter Bohlen, der immerhin ehrlich ist: Er will nach seinen ganzen Terminen einfach schnell nach Hause.

Screenshot: Instagram Story

Auch Nachhaltigkeit muss thematisiert werden

Allein in den Köpfen mancher Follower*innen entsteht natürlich der Wunsch, ein ähnliches Leben zu führen, ihren Stars nachzueifern. An die negativen Folgen für Mensch und Umwelt denkt niemand. Wäre es nicht besser, wenigstens ab und an auf die negativen Seiten eines solchen Lifestyles zu verweisen? Wer produziert denn, um ein anderes Beispiel anzuführen, die Sneaker, die bei Stars wie Kai Pflaume oder Nachwuchsmodel Cheyenne Savannah permanent vor der Kamera landen? Arbeiter*innen, die von wenigen Dollar pro Monat in äthiopischen Fabriken arbeiten. Wer badet denn den Klimawandel aus? Es sind zunächst die Inselbewohner*innen, die Stück für Stück ihre Heimat verlieren.

Jede*r von uns kämpft gegen die Wegwerfgesellschaft, gegen das umweltschädliche Leben, ganz für sich und hat dabei eigenen Hürden zu nehmen. Ich würde mir niemals anmaßen, mich als moralische Instanz auszugeben oder über Menschen, und seien es Influencer*innen, zu urteilen. Doch es scheint mir, als ob eine kritische Stimme gebraucht wird, die sagt: Auch Influencer*innen sollten nachhaltiger denken und agieren. Denn es ist nicht immer alles so schön, wie es auf gut bearbeiteten Fotos wirkt. Und das, ganz ehrlich, kann man auch mal auf hübsch bearbeiteten Fotos und schnuckelig arrangierten Instastorys zur Sprache bringen.


Von Max Müller auf Mit Vergnügen erschienen.
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