Lost Places: Der verfallene Prunk alter Schlösser

Peter Untermaierhofer fotografiert verlassene Orte und dokumentiert ihre Vergänglichkeit. Die einstige Pracht verlassener Schlösser und Villen lässt sich heute aber nur noch erahnen.

Schlösser sind die Überbleibsel vergangener Epochen. Sie waren Zentren von Königreichen, Fürsten- und Herzogtümern, sie waren Austragungsort von Erbkonflikten und Eroberungskriegen, und Gegenstand geschickter Heiratspolitik. Heute gehören viele davon zum weltweiten Kulturerbe und dienen als Spiegel einer Zeit, die wir heute nur aus den Geschichtsbüchern kennen. Als das kaiserliche Pärchen Elisabeth a.k.a. Sisi und Franz Joseph Hand in Hand durch die 1.441 Räume ihrer habsburgischen Sommerresidenz, dem Schloss Schönbrunn, schlenderten, war ihnen vermutlich nicht klar, dass mehr als 160 Jahre später jeden Tag Tausende Menschen fasziniert ihre Zimmer beäugen würden.

Nicht alle Schlösser wurden bis heute instand gehalten. Bei manchen, vor allem den kleineren, historisch weniger bedeutsamen, erinnern nur noch heruntergekommene Gebäudereste an ihre frühere Pracht. Sie werden vergessen und unbeachtet ihrem eigenen Verfall überlassen. Dann bestehen die ehemaligen Prachtbauten nur noch aus zusammengestürzten Torbögen, mit Unkraut verwachsenen Festsälen und verschimmelten Treppenaufgängen. Und plötzlich ist es schwer vorstellbar, dass hier einst Adelige mit teurem Gewand und Schmuck herumgewuselt sein sollen.

Der Fotograf Peter Untermaierhofer vergisst diese Orte nicht. Mit seiner Kamera ausgerüstet besucht er alte Schlösser und Villen in Europa und versucht, an den vergangenen Pomp und Prunk zu erinnern. „Als ich das erste Mal in einem verlassenem Schloss war, habe ich mich fast nicht mehr eingekriegt“, sagt der Fotograf aus Niederbayern. Wie eine Kulisse in einem Film habe es ausgesehen und Untermaierhofer war mittendrin, ein surreales Gefühl.

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Château Miranda | © Peter Untermaierhofer

Bereits im Studium der Medientechnik interessierte sich der Fotograf für verfallene Schlösser. Bei der Recherche für seine Diplomarbeit stieß er 2011 auf einen bereits bekannten Lost Place in Belgien: das Château Miranda, auch Château de Noisy genannt. Damals schien es für Untermaierhofer noch viel zu weit weg, um es vor die eigene Linse kriegen zu können. Er beließ es also bei einer Vision für die Zukunft. Umso umwerfender war das Gefühl, als der mittlerweile erfahrene Fotograf zwei Jahre später davor stand und endlich selbst ein Foto schießen konnte. „Das war ein sehr, sehr glückliches Gefühl. Ich hatte 2011 nie damit gerechnet, es einmal live sehen zu können. Für mich ist es von außen nach wie vor eines der schönsten Schlösser, die ich je gesehen habe“, erzählt der 34-Jährige.

Château Miranda wurde im Jahr 2017 abgerissen und Untermaierhofer ist weitergezogen. Nach Italien, nach Frankreich, überall dahin, wo verlassene Einrichtungen stehen, an die es wert ist, erinnert zu werden.

Zum Schutz der Einrichtungen möchte Peter Untermaierhofer den genauen Standort der Lost Places nicht verraten.


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