Lost Places: Wenn prächtige Hotels zu Ruinen verfallen

Fotograf Peter Untermaierhofer besucht verlassene Orte. Nirgendwo spürt er besser die Überbleibsel geschäftigen Treibens als in verlassenen Hotels.

Wenige Orte sind so lebhaft wie Hotels. Es wird geputzt, gekocht, bedient, ein Wunsch nach dem anderen erfüllt. Ein zweites Kissen, ein glutenfreies Abendessen, eine Portion Pommes um 3 Uhr morgens? Kein Problem. „Bitte den nächtlichen Besuch mit Diskretion behandeln!“, „Ich habe mich nackt aus dem Zimmer gesperrt!“, „Haben sie ein bisschen Heu für mein Karnickel?“ – Der Hotelalltag ist vollbepackt mit verrückten Gästeanfragen und bizarren Zwischenfällen.

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Fotograf Peter Untermaierhofer besucht ehemalige, teils verfallene Hotels, um dort die Überbleibsel einstiger Lebhaftigkeit einzufangen.

Mit meiner Kamera kann ich verlassene Hotels kurz aus dem Dornröschenschlaf holen.“ – Peter Untermaierhofer

Die meisten Hotels, die Untermaierhofer fotografiert, sind aus einer Zeit, in der es noch keine Hotelketten gab. Sein Wunsch ist es, mit seinen Bildern, die Einzigartigkeit alter Hotels einzufangen. Sei es die Wärme heimeliger Familienhotels oder die Pracht luxuriöser Grand Hotels, wo es vor Großküchen und Lounges wimmelt. „Ich finde besonders den Kontrast zwischen Dekadenz und Verfall in den Luxushotels interessant“, sagt Untermaierhofer. Gerade weil er privat kaum in hochpreisigen Hotels einkehre und daher nur wenig mit intaktem Prunk und Luxus in Berührung käme, erzählt er.

Lost Places: Wenn prächtige Hotels zu Ruinen verfallen
© Peter Untermaierhofer

Besser entdecken als entdeckt zu werden

Wie bei allen verlassenen Orten gilt es auch bei alten Hotels, sich möglichst vorsichtig zu verhalten. „Nicht jeder, den man in solchen Objekten trifft, muss mir gegenüber freundlich eingestellt sein. Vor allem, weil ich mit einer Kameraausrüstung herumlaufe, die mehrere tausend Euro wert ist“, sagt der Fotograf aus Niederbayern. Er habe bereits von Fotograf*innen gehört, die in Lost Places ausgeraubt, verprügelt oder in andere bedrohliche Situationen geraten seien.

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Um böse Überraschungen zu vermeiden, bleibt Untermaierhofer bei seinen Ausflügen alarmiert. Gespitzte Ohren, ruhige Bewegungen – die Hauptsache ist, etwaigen Sprayer*innen oder Obdachlosen kein Gefühl der Bedrohung zu vermitteln.

Zum Schutz der Einrichtungen möchte Peter Untermaierhofer den genauen Standort der Lost Places nicht verraten.


Teil 1: Lost Places: Verlassene Psychiatrien sind gruseliger als jede Geisterbahn

Teil 2: Lost Places: Der verstummte Applaus von verlassenen Kino- und Theatersälen