#LoveIsNotTourism: Wie binationale Paare für ihre Liebe kämpfen

Während das gesellschaftliche Leben hierzulande wieder an Fahrt aufnimmt, sind Tausende Paare aufgrund geschlossener Grenzen weiterhin voneinander getrennt. Sie fordern, Liebe endlich als essentiellen Reisegrund anzuerkennen.

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Schatz? Foto: Rawpixel | CC0

Die Grenzschließungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie im März bedeuteten für Paare, die eine Fernbeziehung über zwei Kontinente hinweg führen, eine Trennung auf unabsehbare Zeit. In den vergangenen Monaten haben sie große Geduld beweisen müssen – doch nun, da die innereuropäische Reisefreiheit weitgehend wiederhergestellt ist, fühlen sie sich nicht gesehen.

Robin Brüne (32) konnte daher nicht länger untätig sein und hat die Petition #LoveIsEssential mit bereits 5.700 (Stand: 7. Juli 2020) Unterzeichner*innen ins Leben gerufen. Er möchte erreichen, dass Liebe gerade in Pandemiezeiten als essentieller Reisegrund angesehen wird – egal, ob verheiratet oder nicht.

Liebe hinter Grenzen

Insbesondere die Liebe zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Nationalität sei heutzutage wichtiger denn je, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen, sagt Robin. Binationale Paare seien der Beweis dafür, dass Liebe keine Grenzen kenne. Dennoch bleiben Landesgrenzen aktuell für Liebe, die nicht notariell beurkundet ist, geschlossen.

Robin steht mit dieser Meinung nicht alleine, sondern ist Teil der Bewegung #LoveIsNotTourism & #LoveIsEssential. Diese hat in den letzten Wochen zunehmend Aufmerksamkeit in den sozialen Medien erlangt. Mehrere Politiker*innen, allen voran FDP-Europaabgeordneter Moritz Körner, haben sich inzwischen auf die Seite der derzeit räumlich getrennten Paare gestellt.

Zwar sind Paare in Fernbeziehungen es in aller Regel gewöhnt, auch mal mehrere Monate getrennt voneinander zu verbringen. Was jedoch neu ist, ist die Perspektivlosigkeit. „Wir wissen, dass die Pandemie auch die Politik vor Herausforderungen stellt. Dennoch brauchen wir Klarheit und verlässliche Aussagen, um mit dieser Situation umgehen zu können.“, so Robin. Die Nachfrage nach Ausnahmeregelungen für unverheiratete Paare sei größer, als vielen bewusst sein mag und diese seien durchaus bereit, sämtliche Vorsichtsmaßnahmen wie eine 14-tägige Quarantäne zu befolgen.

Sommerurlaub auf Mallorca ist erlaubt – ein Wiedersehen von Partner*innen nicht

Besonders wütend macht viele binationale Paare die Tatsache, dass das innereuropäische Leben Schritt für Schritt zur Normalität zurückkehrt, während sie noch immer im Ungewissen verharren. Obwohl mittlerweile die ersten Kegelvereine wieder auf Mallorca eintreffen, wird Partner*innen aus Drittstaaten weiterhin die Einreise in die EU verweigert.

Das kann Marie (22) aus Köln nicht nachvollziehen: „Das regulierte Wiedervereinen von Familien und Partner*innen, die bereit sind, in Quarantäne zu gehen, birgt keine Risiken und wird trotzdem nicht gestattet. Gleichzeitig wird über eine Abschaffung der Maskenpflicht nachgedacht und Menschen treffen sich in großen Gruppen in Parks. Das ist blanker Hohn.“

Dänemark als Vorreiter

Wie eine Lösung aussehen kann, zeigt Dänemark. Dort dürfen seit dem 27. Juni auch unverheiratete Partner*innen einreisen, wenn sie anhand einer Selbsterklärung eine dauerhafte Beziehung sowie einen negativen Covid-19-Test nachweisen können – beziehungsweise zu einer 14-tägigen Quarantäne bereit sind.

„Niemand bei #LoveIsNotTourism möchte Massentourismus ermöglichen oder Maßnahmen zur Eindämmung der Virusverbreitung grundsätzlich infrage stellen. Wir sind bereit, in Quarantäne zu gehen und für Tests selbst zu bezahlen. Eine Beziehung lässt sich anhand von Chatverläufen, Fotos und Flugtickets prima beweisen“, so Marie, die seit April von ihrem US-amerikanischen Freund Hunter (27) getrennt ist.

Das Bundesinnenministerium lehnt eine generelle Ausnahmeregelung für unverheiratete Paare zum jetzigen Zeitpunkt noch ab. Lockerungen gelten seit Anfang Juli lediglich für elf ausgewählte Drittstaaten sowie weitere essentielle Einreisegründe wie der Familiennachzug von Eheleuten. Für eine breitere Definition von Partner*innenschaften gebe es einem BMI-Sprecher zufolge noch keine Empfehlung seitens der EU – dabei hat die EU-Innenkommissarin Ylva Johansson einen Tag zuvor die Regierungen der Mitgliedsstaaten genau dazu aufgefordert.

Debatte um Diskriminierung unverheirateter Paare

Die Erforderlichkeit einer Ehe wirft für viele die Frage auf, ob diese Definition von Familie noch zeitgemäß ist. Auch Martina (32) aus Bayern wartet darauf, dass ihr Freund Héctor (26) aus Mexico sie endlich wieder besuchen kann. Aktuell müssten sie dafür jedoch verheiratet sein.

Das kann Martina nicht nachvollziehen: „Es ist rückständig, dass Familie und Partnerschaft durch ein offizielles Papier belegt werden müssen. Das passt nicht ins 21. Jahrhundert. Moderne Familien heiraten nicht immer, ganz egal ob binational oder nicht. Ich fühle mich von der Regierung fast schon genötigt, zu heiraten, obwohl ich das vielleicht gar nicht möchte.“

Dabei gab es im April bereits Regelungen für unverheiratete Paare, die von den innereuropäischen Grenzschließungen betroffen waren. Diese konnten an den Landesgrenzen zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Bescheinigung über ihre Partner*innenschaft vorlegen, die ihnen die Einreise ins Nachbar*innenland ermöglichte.

Bis es eine solche Lösung auch für Partner*innen aus Drittstaaten gibt, wollen die betroffenen Paare der Bewegung #LoveIsNotTourism & #LoveIsEssential nicht aufgeben. Denn sie sind sich einig: Liebe ist essentiell – vor allem in herausfordernden Zeiten einer globalen Pandemie.

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