Mädchen muss in Jugendhaft, weil sich die Schulleitung durch ihr T-Shirt provoziert fühlt

In Kentucky musste eine 15-Jährige sechs Tage in Jugendhaft verbringen, weil ein Spruch auf ihrem T-Shirt die Kleiderordnung der Schule kritisierte.

Isabella Messer in dem T-Shirt, das ihrer Schulleitung zu provokant war

Isabella Messer in dem T-Shirt, das ihrer Schulleitung zu provokant war. Screenshots: Melinda Rucks / Facebook

An vielen US-amerikanischen Schulen gehört es zum Alltag der Schüler*innen, dass ihre Kleidungen bestimmten Richtlinien entsprechen müssen. Die Kleiderregeln, die sich insbesondere an Mädchen richten, können beispielsweise vorgeben, ob Oberarme und Schultern in der Schule gezeigt werden dürfen und ab wann ein Ausschnitt als zu tief gilt. Die Dresscodes variieren je nach Bundesstaat und Schule und können jederzeit angepasst werden.

Auch an der Hopkinsville High School in Kentucky gilt ein solcher Dresscode. Dort wurde die 15-Jährige Isabella Messer im August vom Unterricht ausgeschlossen, weil sie in einem schulterfreien Oberteil in der Schule erschien. Die Kleiderordnung war kurz zuvor verschärft worden. Allerdings ohne die Eltern der Schüler*innen darüber zu informieren, wie Messers Mutter gegenüber einer lokalen Zeitung anmerkte.

Isabella Messer wollte den Unterrichtsausschluss nicht einfach so hinnehmen und erschien in einem T-Shirt, dass den formalen Regeln der Kleiderordnung entsprach. Auf der Vorderseite des T-Shirts prangte der Spruch: „Machen meine Schultern dich scharf?“, auf dem Rücken war „Falls ja, geh zurück in die 1920er.“ zu lesen. Die Schülerin hatte gemeinsam mit ihrer Mutter entschieden, auf diese friedliche Weise gegen die Regeln der Schule zu protestieren und dadurch auf die Sexualisierung weiblicher Körper hinzuweisen.

Durch T-Shirt-Spruch ins Gefängnis

Die Protestaktion sorgte für weiteren Ärger. Die Schulleitung fühlte sich durch den Aufdruck des T-Shirts provoziert und wollte Messer für ihr Protest-Oberteil bestrafen. Doch die 15-Jährige wehrte sich und wies laut darauf hin, dass ihr T-Shirt der Kleiderordnung entspräche und sie gegen keine Regeln verstoßen habe. Daraufhin schaltete die Schulleitung die Polizei ein. Als diese eintraf, versuchte Messer, ihr Handy aus ihrer Tasche zu holen, um ihre Mutter anrufen. Ein Schulbeauftragter der Polizei griff ein, um ihr das Handy zu entwenden. In dem Gerangel trat die Schülerin ihn gegen das Schienbein.

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Messer wurde daraufhin abgeführt und verbrachte sechs Tage in Jugendhaft, bevor sie an ihre Familie übergeben wurde. Laut Polizeibereicht liegt in drei Punkten Anklage gegen sie vor. Ihr wird ungebührliches Verhalten, Widerstand gegen Festnahme und Angriff eines Vollzugsbeamten vorgeworfen.

„Sie klagen sie an, weil sie sich gewehrt hat, für ein Shirt festgenommen zu werden, das ein friedlicher Protest war“,  sagte Messers Mutter. Ihre Familie würde hinter dem Mädchen stehen und sie in allen weiteren Schritten unterstützen. Auch Messers Tante äußerte sich zu dem Vorfall und verkündete auf Facebook, sie sei schockiert und wütend über das Verhalten gegenüber ihrer Nichte.

Gepostet von Melinda Rucks am Sonntag, 26. August 2018

Die Schule wies in einem Statement darauf hin, dass die Kleiderordnung und ihre Verbindlichkeit allen Schüler*innen und deren Erziehungsberechtigten bekannt sei. Messer möchte nicht wieder an die Hopkinsville High School zurückkehren und ist nun auf der Suche nach einer anderen Schule.