Männlichkeit ist mehr als breite Schultern und ein böser Blick

Der griechische Fotograf Kostis Fokas definiert mit seiner Kunst eine neue Form männlicher Erotik. Dafür lichtet er schwule Männer in ungewohnten Posen ab. 

Was bedeutet männlich sein? Breitbeinig-stabiler Stand, verschränkte Arme, strenger oder böser Blick? Diese Zeiten sind vorbei. Der Fotograf Kostis Fokas aus Athen lockert dieses überholte Bild und beträufelt es mit einer Portion queerer Männlichkeit und moderner Erotik. „Mit Fotos des menschlichen Körpers möchte ich das komplexe Zusammenspiel von Geschlecht, Sexualität und Identität untersuchen“, sagt Fokas. Denn Männlichkeit habe auch eine weibliche Seite.

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Dafür bedient er sich nicht der traditionellen Aktfotografie. Stattdessen spielt er mit Blickwinkel, verdrehten Körperteilen und ungewohnten, teils verletzlichen Posen. So unerotisch das klingt, eine sexuelle Energie versprühen seine Fotos dennoch. Fokas zeigt nicht nur Nippel und Geschlechtsteile, sondern rückt auch auf den ersten Blick nicht so heiße Körperteile wie Ellbogen, Knie und Rücken in ein erotisches Licht.

Seine Fotos sind genauso wie sexuelle Identität eben manchmal verwirrend. Sein besonderer Ansatz, Nacktheit abzubilden, kommt aus eigener Erfahrung. Um Tabus und persönliche Hemmungen zu überwinden, schoss er vor fünf Jahren von sich selbst Fotos, auch damals schon aus verrückten Blickwinkeln und verdrehten Postionen. Diese neuen Perspektiven inspirierten ihn dazu, sie auch an anderen Personen zu zeigen. „Meine Arbeit ist sehr persönlich“, sagt Fokas. „Sie reflektiert meine eigenen Gefühle und meine persönlichen Geschichten, die ich teilen möchte.“

Meine Models sind in ihrer Nacktheit frei und losgelöst von gesellschaftlichen Tabus.“ – Kostis Fokas

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© Kostis Fokas

Kribbeln wie bei echter Liebe

Fokas Fotos sind gleichermaßen diskret und obszön, provokativ und verspielt, sie bewegen sich in einer Welt zwischen Realität und Fantasie. „Meine Kameralinse soll sich in unsere Fingerspitzen verwandeln, die sich danach sehnen, den Körper zu berühren“, sagt der Fotograf aus Athen. Alleine durch das Betrachten der Fotos sollen die Fingerspitzen zu kribbeln beginnen und auch die anderen Sinne schärfen, sagt er. Eben genau wie bei der echten Liebe. Daher seien für ihn Hände und Augen die faszinierendsten Körperteile.

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Für seine Fotoshootings geht Fokas am liebsten an den Strand. Seit sieben Jahren arbeitet er mittlerweile auf Griechenlands größter Insel Kreta. „Der perfekte Hintergrund für meine Fotos ist der blaue Himmel. Ich liebe die Klarheit des Meers und das Sonnenlicht, ich liebe alles Helle“, sagt er.