Mama werden mit Maske: Fotos von Geburten in der Corona-Pandemie

Der italienische Fotograf Alessandro Gandolfi zeigt bewegende Aufnahmen aus Mailänder Krankenhäusern.

Geschlossene Restaurants, leere Büroräume, wenig Flugverkehr, keine Partys: Die Welt schien die vergangenen Wochen über lebloser als sonst. Aber Stunden, Tage und Wochen ziehen weiter an uns vorbei und das Leben findet statt, trotz globaler Pandemie – nur einfach angepasst und anders, unter Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen.

In dieser speziellen Zeit hielt der italienische Fotograf Alessandro Gandolfi Momente fest, die auch ohne Corona besonders wären. Sein Fotoprojekt Life is now gewährt intime Einblicke vor, während und nach Geburten in Mailänder Krankenhäusern.

Gandolfi, der unter anderem auch schon für National Geographic, TIME und Elle gearbeitet hat, begleitete für seine Aufnahmen insgesamt drei Geburten. Die Fotostrecke ergänzte er mit weiteren Bildern von Frauen, die noch vor der Entbindung standen und Paaren, die sich nach der Geburt als Trio auf den Heimweg begaben. Gandolfis Fotoreportage war Teil des Kurzfilms Photojournalists on the Front Lines of documenting Coronavirus von The New Yorker.

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Der mehrfach ausgezeichnete Fotograf fing durch die Linse Emotionen ein und machte sie mit den daraus entstandenen Bildern spürbar für andere. Obwohl er selbst Teil dieser drei Geburten war, erkennt man auf keinem der Bilder, was im Mann hinter der Kamera vorging. Wir haben Alessandro Gandolfi deshalb ein paar Fragen gestellt:

ze.tt: Alessandro, wie kamst du auf die Idee, Geburten während der Corona-Pandemie zu fotografieren?

Alessandro Gandolfi: Als ich in dieser außergewöhnlichen Zeit versuchte, eine Geschichte über Normalität zu erzählen: Ich wollte in Krankenhäusern Orte finden, an denen trotz Covid-19 – zumindest bis zu einem gewissen Grad – normale Abläufe stattfinden und stieß dabei auf Entbindungsstationen. Gerade jetzt, wo Tod und Leid sehr präsent sind, über Geburten zu reden, schien mir journalistisch interessant.

Bist du jeweils einfach kurz vor den Geburten ins Krankenhaus gefahren?

Bei der ersten und zweiten Entbindung wurde ich einige Stunden vor der Geburt angerufen. In beiden Fällen verbrachte ich die Nacht im Krankenhaus mit den werdenden Eltern und wartete gemeinsam mit ihnen, bis es losging.

Zeuge des Wunders neuen Lebens zu sein, besonders während dieser Zeit, war ein Privileg.

Alessandro Gandolfi

Und bei der dritten?

Dort erreichte ich das Krankenhaus eine Stunde bevor das Kind zur Welt kam. Im Humanitas-San-Pio-X-Krankenhaus war es Vätern nicht gestattet, mit in den Kreißsaal zu gehen. Neben dem Vater habe ich die Entbindung live von einem anderen Raum aus miterlebt.

Inwiefern verliefen die Geburten während der Corona-Pandemie anders als sonst?

Ich war zuvor noch nie bei einer Geburt dabei, aber ich habe mir sagen lassen, der größte Unterschied liege in den Perioden unmittelbar vor und unmittelbar nach der Geburt: Um das Risiko einer Corona-Ansteckung möglichst zu reduzieren, galten strenge Sicherheitsvorkehrungen. Erst als die Wehen einsetzten und das Neugeborene nicht mehr lange auf sich warten ließ, durften die Väter ins Krankenhaus. Nach der Geburt mussten sie das Gebäude aber direkt wieder verlassen. Das bedeutet für Mütter, aber auch für Väter Einsamkeit und die Unmöglichkeit, Glück und Freude physisch in den ersten Tagen mit miteinander zu teilen.

Welche Sicherheitsvorkehrungen galten für dich?

Zunächst einmal brauchte ich selbstverständlich die Einwilligung von Paaren, die bereit waren, sich porträtieren zu lassen. Vor Ort trug ich eine Mütze, Schuhüberzieher, Overall und natürlich eine Maske sowie Handschuhe – die gleiche Montur wie der Vater, bevor er den Kreißsaal betrat.

Stellte das für deine Arbeit eine Herausforderung dar?

Das waren keine lästigen Maßnahmen, sie kamen mir nicht in die Quere. Die Maske zu tragen war umständlich, aber ich glaube, für die Mamas – die sich auf die Atmung fokussieren mussten – war das noch anstrengender. Ebenso für Hebammen, die oft verständlich zu sprechen versuchten.

Was faszinierte dich bei diesem Fotoprojekt besonders?

Die Idee, den Blickwinkel zu ändern und nicht über Covid-19 zu sprechen, oder halt eben bloß indirekt. Es ging um Leben, Geburt, Mütter, Väter und Hebammen, die im Moment eine fantastische Arbeit leisten. Es ist faszinierend, die Harmonie zu spüren, welche zwischen einer gebärenden Frau und Hebammen entsteht. Diese freundliche, aber entschlossene Art zu handeln.

War das auch emotional für dich?

Ich hatte noch nie live eine Geburt gesehen und gleich drei von ihnen zu sehen, war wirklich aufregend. Stundenlang das Leiden und die Spannung der Mutter, aber auch die des Vaters zu beobachten und dann zu erkennen, wie all diese Spannung wie von Zauberhand verschwindet wenn das Baby da ist: Zeuge des Wunders neuen Lebens zu sein, besonders während dieser Zeit, war ein Privileg.

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