#MenAreTrash: Das passiert, wenn man auf Twitter alle Männer als Arschlöcher bezeichnet

Auf Twitter wird gerade heftig über den Hashtag #MenAreTrash (auf Deutsch „Männer sind Abfall“) diskutiert. Wir haben mit Sibel Schick gesprochen, welche die Debatte auslöste – unbewusst.

Hass im Netz: Das passiert, wenn man alle Männer als Arschlöcher bezeichnet

„Solange ein Problem strukturell ist, kann es nicht individuell gelöst werden. Da können einzelne Männer noch so okay sein." Foto: Sonja Trabandt/ Collage: ze.tt

Auf Twitter streiten sich die Menschen gerade über die Frage, ob Männer Abfall sind. Zu finden sind die Tweets unter dem Hashtag #MenAreTrash. Seit Dienstagabend ist der Hashtag in den Trends, die Diskussion verläuft – wie auf Twitter üblich – chaotisch.

Grob lassen sich zwei Fronten erkennen: Es gibt die Vertreter*innen der Meinung „Ja, Männer sind Abfall“. Sie argumentieren, dass es ein strukturelles Problem in Sachen Gleichberechtigung gebe und man dieses auch mal mit drastischen Worten zuspitzen dürfe. Und es gibt das Lager derer, die diese Formulierung als Pauschalierung sowie Beleidigung des Mannes verstehen.

Wie kam es zu der Debatte?

Eigentlich sollte meinen, dass der Hashtag Platz verschafft, um über Sexismus, Gewalt und Ungleichbehandlung von Männern gegenüber Frauen zu diskutieren. Die Journalistin und Social-Media-Managerin Sibel Schick stieß den Diskurs mit einem Tweet an – allerdings unbewusst.

Diesen Tweet griff die deutsche Sozialwissenschaftlerin und Autorin Jutta Ditfurth auf und teilte ihn mehrmals mit Kommentaren.

Nach Ditfurths Tweet und weil sich rasch eine Diskussion entzündete, schrieb Sibel Schick das Gedicht Männer sind Arschlöcher für das Missy Magazin. Darin heißt es:

„Du sagst: ,Nicht alle Männer sind gleich.‘
Ich sage: ,Ist das nicht irrelevant vielleicht?‘
Denn es ist ein strukturelles Problem,
Und ja, es ist kein individuelles Problem,
Und nein, es geht nicht um Ausnahmen,
Denn es ist ein weltweites Phänomen,
Dass Männer Arschlöcher sind.“

Sibel Schick erzählt im Interview mit ze.tt, dass sie bereits in den vergangenen Monaten immer wieder im Visier von Hasskommentator*innen und Rechtsextremen stand. Durch Jutta Ditfurths Tweets hätten die Angriffe auf sie eine neue Heftigkeit angenommen. „Sie hat meinen Tweet geteilt, die Männer dabei in Schutz genommen und hat mich damit regelrecht vor die Rechten geworfen.“ Seither bekommt sie viele Drohungen. In den Kommentaren wird ihr von Vergewaltigung bis hin zu Vergasung gedroht. „Meine Aussage war schlimmstenfalls nicht nett. Das sind konkrete Drohungen.“

Der Hashtag #MenAreTrash stamme gar nicht von Schick. „Ich habe ihn selbst erst bemerkt und genutzt, als er zu trenden begann und mich User markierten“, erzählt sie. Sibel Schick weiß, dass ihre Aussage und ihr Gedicht viele Menschen provoziert hat. „Mir ist klar, dass es einige Menschen die Pauschalisierung als problematisch empfinden. Was ich geschrieben habe, war: Solange ein Problem strukturell ist, kann es nicht individuell gelöst werden. Da können einzelne Männer noch so okay sein.“ Dazu stehe stehe sie nach wie vor.

Hashtag von rechtem Mob gestartet?

Die Autorin ist davon überzeugt, dass der Hashtag und die Diskussion von rechtsextremen Trollgruppen gestartet wurde. Schick sieht den Grund dafür nicht nur in ihrer Aussage, sondern auch in ihrer Identität. „Dass ich mich als eine kurdische Migrantin traue, so viel Raum einzunehmen, ist für viele schon eine riesen Provokation.“

Man könnte meinen, Schick sei vom Hass nun eingeschüchtert, doch sie freut sich, wie sie selbst sagt, über die Aufmerksamkeit für das Thema. „Das ist eine Botschaft an alle Frauen, die sich trauen, sich öffentlich zu äußern. Wir steuern die Diskussion mit.“