#MeToo: Drei Schauspielerinnen beschuldigen Regisseur Dieter Wedel der sexuellen Nötigung

Es ist das erste Mal, dass im Zuge der #MeToo-Sexismusdebatte auch in Deutschland ein Name fällt. Dieter Wedel weist alle Vorwürfe zurück.

Dieter Wedel

Dieter Wedel © dpa

Seit die Enthüllungen über den Produzenten Harvey Weinstein im Oktober 2017 an die Öffentlichkeit kamen, teilen Betroffene in sozialen Medien unter dem Hashtag #MeToo ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung bis hin zu Missbrauch. Bisher sind diese Schilderungen weitgehend auf die nordamerikanische Filmindustrie in Hollywood beschränkt gewesen, doch nun wird auch in Deutschland das erste Mal ein Name genannt: Dieter Wedel.

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Mehrere Frauen berichten im ZEITmagazin von ihren Erfahrungen mit dem deutschen Regisseur und Drehbuchautor. Die ehemaligen Schauspielerinnen Jany Tempel und Patricia Thielemann erheben schwere Vorwürfe gegen Wedel und gaben eine eidesstattliche Erklärung ab. Eine weitere Frau wollte anonym bleiben.

Die Vorwürfe

Tempel gibt an, im Sommer 1996 von Wedel in seinem Hotelzimmer für ein Vorsprechen für seinen Fernsehmehrteiler Der König von St. Pauli im Bademantel empfangen und zum Sex gezwungen worden zu sein. „Er hat mich mit Wucht gepackt und gegen die Wand gepresst. Er hat mich angeschrien, ich wisse doch, wer er sei. Wer eine Rolle bei ihm wolle, müsse auch etwas dafür tun“, erzählt die heute 48-Jährige dem ZEITmagazin. Er habe wie ein erregtes Tier gewirkt, sie auf das Hotelbett geworfen und gesagt, je mehr sie sich wehre, desto aufregender sei es, erinnert sie sich.

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Patricia Thielemann erzählt von einer ähnlichen Erfahrung. Für eine Rolle in Wedels Filmprojekt Der große Bellheim bestellte er sie im Jahr 1991 zu einem Casting in seine Suite im Bremer Parkhotel, denn alle Konferenzräume seien belegt gewesen. Sobald die Tür hinter ihnen zufiel, habe sich Wedels Gesicht vollkommen verändert, sagt Thielemann. „Das Charmante sei verschwunden gewesen. Ohne Vorwarnung habe er sie bedrängt, ihre Bluse aufgerissen und versucht, sie rückwärts auf die Couch zu werfen“, schreibt das ZEITmagazin. Er habe sie angeschrien, gewürgt, beschimpft. Thielemann sei es gelungen, sich ihm aufgrund ihrer physischen Überlegenheit zu entziehen. Es sei ihre Rettung gewesen, sagt sie.

Wedel bezieht gegensätzliche Stellung

Dieter Wedel weist diese Vorwürfe zurück. Er habe weder Jany Tempel noch jemand anderen im Bademantel für ein Vorsprechen empfangen. Er habe weder jemanden physisch bedrängt oder belästigt oder versucht, in irgendeiner Form zu sexuellen Handlungen zu zwingen, schreibt er ebenfalls in einer eidesstattlichen Erklärung. Sein Anwalt droht mit einer Klage und Schadenersatzforderungen.

Gerüchte über Wedels sexuelle Annäherungsveruche existierten schon länger. Die ehemaligen Schauspieler*innen gaben an, erst aufgrund der aktuellen Entwicklungen um die #MeToo-Debatte und durch anwaltliche Beratung und Unterstützung den Mut gefasst zu haben, mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit zu gehen.