Diese Illustrationen stellen Rollenbilder auf den Kopf

Das Buch I’m every woman der Illustratorin Liv Strömquist ist ein humorvolles Stück Herstory – und eine Attacke auf das Patriarchat.

Ein durchschnittliches Paar? Marge und Homer Simpson. Illustration: Liv Strömquist

„Oh, wie ich es liebe, auf meine undankbare, dumme, dicke Frau Rücksicht zu nehmen! Ich werde mich immer um dich kümmern. IMMER! Bier kommt gleich!“, sagt Homer Simpson zu seiner Frau Marge, die sich in Unterwäsche auf das Sofa fläzt. Er selbst hat einen muskulösen Körper und ein Baby auf dem Arm. Eine umgedrehte Welt, gezeigt von der Illustratorin Liv Strömquist. Dadurch, dass sie die Rollen ihrer Protagonist*innen tauscht, wird klar, wie selbstverständlich wir noch immer Geschlechterstereotype hinnehmen – in der Popkultur wie auch in der geschichtlichen Erzählung.

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Wie sehr wir uns an Geschlechterklischees gewöhnt haben, zeigt Liv Strömquist in einem Bild. Illustration: Liv Strömquist

In ihrem Buch I’m every woman stellt die schwedische Illustratorin „die unsäglichsten Lover der Weltgeschichte“ vor. Auf Platz eins: Albert Einstein. „Frauen sind nicht für das abstrakte Denken geschaffen“, sagt er in einem ihrer Comics. Zuzutrauen ist ihm dieses Zitat. Einstein unterschlägt Zeit seines Lebens, dass er und seine kluge Frau Marić, eine Physikerin, gemeinsam geforscht haben. Liv Strömquist setzt sich mit dem Mythos des Genies auseinander – und zwar dem des männlichen Genies –, indem sie die Geschichten der Frauen erzählt, die zu Fußnoten in Geschichtsbüchern gemacht wurden.

Doch nicht nur den Mythos des männlichen Genies nimmt sie auseinander. Strömquists „Attacke auf das Patriarchat“ ist vielschichtiger. So zeigt sie, wie paradox der Begriff Natürlichkeit genutzt wird. Unter der Überschrift „Ach Gott, wie natürlich“ stellt die Illustratorin dar, wie bescheuert Vergleiche mit der Tierwelt sind. Da sprechen zwei Frauen über eine „süße Kuckucksmama“ oder erklären die Lust auf Sex mit Katzen. Klingt komisch? Ja, ist es auch. Und Liv Strömquist zeigt die Paradoxie der vermeintlichen Erklärungen.

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Lust auf Sex wegen der Katzen? Bescheuerte Erklärung. Illustration: Liv Strömquist

I’m every woman ist das dritte Buch der Comiczeichnerin. In Der Ursprung der Welt zeichnete sie die Kulturgeschichte der Vulva nach, in ihrem Buch Der Ursprung der Liebe suchte sie neue Antworten auf die allgegenwärtige Frage, was Liebe ist. Ihre Illustrationen waren bereits in schwedischen U-Bahn-Stationen zu sehen. Sie zeigten neben Vögeln, Katzen und Bäumen auch menstruierende Frauen. Ein Anblick, an den sich einige Menschen wohl noch gewöhnen müssen. Liv Strömquist schrieb dazu: „It’s alright (I’m only bleeding)“.

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„Ich möchte, dass die Leute lachen, eine gewisse Kraft daraus schöpfen können und dass die Leute anders über Dinge denken, als sie vorher darüber gedacht haben“, sagt die Illustratorin im Interview. Das gelingt ihr auf 108 Seiten, die mit einem Songtext beginnen: „I’m every woman / It’s all in me“. In ihrem Buch zeigt sie zwar nicht alle Frauen, deckt aber viele Klischees über Frauen auf und erzählt Geschichte(n) aus weiblicher Perspektive. Damit ist I’m every woman eines der Bücher, die Herstory schreiben – und zwar humorvoll. Das Lachen bleibt dabei oft im Hals stecken.

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Elternschaft wie im Tierreich? Wie süß. Illustration: Liv Strömquist