Mit diesen Sätzen setzt du Grenzen im Job

Wer beruflich Nein sagen will, ist oft mit Ängsten konfrontiert. Dabei sind Grenzen im Job wichtig – vor allem für dich selbst, aber auch für das Unternehmen. So kann es funktionieren.

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Eh schon viel zu tun und dann halst dir dein*e Chef*in noch mehr auf, uff. Foto: Ketut Subiyanto / Pexels | CC0

„Ich will nie wieder ein kategorisches Nein von dir hören“ – eine der toxischen Aussagen, die Menschen im Laufe ihres Berufslebens von Vorgesetzten so zu hören bekommen können. Dabei ist Nein so ein wichtiges, kleines Wort. Es einerseits auszusprechen und andererseits auch zu akzeptieren gehört auch im Arbeitsumfeld dazu. Und lässt sich lernen.

Grenzen im Job zu setzen, ist aus verschiedenen Gründen nützlich und gut – beruflich ebenso wie persönlich. Und mit ein wenig Übung und ein paar hilfreichen Anregungen wird es gleich ein ganzes Stück weniger schwerfallen.

Warum fällt Grenzen setzen im Job so schwer?

Wer Grenzen im Job setzt, lehnt damit zum Beispiel Anfragen, Wünsche oder Bitten von Vorgesetzten und Kolleg*innen ab. Das ist etwas, das potenziell zu Konflikten führen kann, weil sich das Gegenüber gekränkt, abgelehnt oder missachtet fühlen könnte. Unter anderem deshalb ist das mit den Grenzen einigen Menschen eher unangenehm.

„Dahinter steckt die Angst vor Konsequenzen jeglicher Art“, erklärt die Berliner Karriereberaterin und Coachin Petra Barsch. Dabei ist die Angst vor Jobverlust – selbst bei Unzufriedenheit – nur die offensichtlichste Variante. Es gibt auch subtilere und zum Teil unbewusste Befürchtungen.

Im Job Grenzen zu setzen ist wichtig für den eigenen Selbstwert.

Petra Barsch, Coachin

Da ist laut Expertin zum Beispiel die Angst vor Ausgrenzung. Der Gedanke, „nicht mehr zur Gruppe der Leistungsträger und Leistungsträgerinnen zu gehören“, falle vielen Angestellten schwer. „Sie befürchten, als nicht leistungsfähig – also schwach – zu gelten und daher zukünftig weniger spannende Aufgaben zu bekommen“, so Petra Barsch. Nach dem Motto: Wer mehr als einmal Nein sagt, wird irgendwann gar nicht mehr gefragt.

Zudem wollen die wenigsten Kolleg*innen und Vorgesetzte hängen lassen, wenn es drauf ankommt. Nicht nur, weil man selbst irgendwann Unterstützung benötigen und auf Hilfe angewiesen sein könnte: „Man will gebraucht werden und nicht egoistisch wirken“, erläutert die Karriereberaterin.

Darum sind Grenzen im Job wichtig

Dabei haben deine eigenen Grenzen nichts mit Egoismus zu tun. Sie sind ein Teil von dir, deiner Identität und deiner psychischen Gesundheit. Sie nach außen hin zu vertreten und zu kommunizieren, ist oft alles andere als einfach – aber es macht langfristig dein Arbeitsleben leichter. Grenzen stellen gesunde und wichtige Regeln für zwischenmenschliche Beziehungen dar.

„Im Job Grenzen zu setzen ist wichtig für den eigenen Selbstwert“, sagt auch Coachin Petra Barsch. Das Gefühl, ausgenutzt zu werden und sich nicht dagegen durchsetzen zu können, zehrt irgendwann aus und zermürbt das Selbstwertgefühl.

Hinzu kommt Fürsorge für dich selbst. Um dich vorm Burnout zu schützen, kommst du um das eine oder andere Nein im Job nicht herum. Keine Grenzen im Job zu setzen, bedeute laut Expertin auch deutlich „mehr Stress, denn die Aufgaben kommen ja immer zu den eigenen dazu“.

Zu den Grundregeln gehört es, das Nein zu begründen, aber nicht ausführlich zu erklären.

Und dadurch bleibt dir letztlich auch weniger Kraft für deine eigenen Projekte, Aufgaben und Vorhaben. Du wirst also trotz größtmöglicher Anstrengung trotzdem weniger leisten können – obwohl du ja eigentlich das Gegenteil versuchst. Deshalb ist das mit den Grenzen im Job so eine wichtige Sache und auch im Sinne des Unternehmens. Und unter anderem deshalb sollten Unternehmen ihre Angestellten auch einfach nicht bis auf den letzten Tropfen ausquetschen.

So setzt du Grenzen im Job

Der entscheidendste Schritt ist die Erkenntnis, wo deine Grenzen liegen – also wann und wo es unangenehm, belastend und anstrengend wird. Das erkennst du unter anderem an typischen Stress-Anzeichen wie Kopfweh, Herzrasen oder dem berühmten Knoten im Bauch. Damit es dir gut geht, sind hier Grenzen im Job erforderlich. Konkret kann das heißen, dass du beispielsweise mehr Entscheidungsfreiheit oder Gestaltungsspielraum, klarere, verbindlichere Regeln und Ansagen oder auch mehr Zeit brauchst.

Anschließend kannst du deine Grenzen kommunizieren, ohne große Entschuldigungen oder ausschweifende Erklärungen; ruhig und sachlich und nicht auf der persönlichen Ebene.

Hier sind ein paar Beispielsätze, die dir eine Vorstellung vermitteln und als Inspiration dienen können.

Wenn der*die Vorgesetzte dir zusätzliche Arbeit zuteilen will:
„Ich mache das gern für Sie. Welche andere Aufgaben soll ich dafür weglassen oder später erledigen?“ Damit machst du klar, dass du viel zu tun hast und gibst die Priorisierung ab. Wenn es ihm*ihr so wichtig ist, dass du das machst, dann soll er*sie entscheiden.

Wenn Kolleg*innen um Entlastung bitten:
„Ich unterstütze dich gern, habe aber viel zu tun. Was könntest du mir dafür abnehmen?“ Oder: „Ich fühle mich geehrt, dass du ausgerechnet mich um Hilfe bittest, aber ich kann leider gerade keine zusätzlichen Aufgaben übernehmen.“ So zeigst du, dass du grundsätzlich gern hilfst, aber deine Arbeitsbelastung schon sehr hoch ist.

Wenn du dich von einer Anfrage überfordert fühlst:
„Ich fühle mich im Moment gerade überfahren. Kannst du mir zehn Minuten zum Überlegen geben?“ Du musst nämlich gar nicht immer auf alles sofort antworten, sondern kannst dir Zeit nehmen.

Wenn jemand dir wenig/ kein Geld bietet:
„Leider kann ich meine Arbeit nicht kostenlos anbieten.“ Oder: „Ich kann meinen Preis leider nicht senken, aber ich hoffe sehr, dass du jemanden für dein Budget findest.“ So etwas passiert oft bei Freiberuflichen, die per Auftrag bezahlt werden und sich besonders schwer damit tun, Anfragen abzulehnen. Aber deine Arbeit hat einen Wert und bei dem solltest du bleiben.

Wenn jemand dir Anfragen zu schrägen Uhrzeiten ins Homeoffice schickt:
„Ich weiß, dass ich derzeit von zu Hause aus arbeite – aber ich habe folgende Geschäftszeiten: …“ Denn nur, weil du im Homeoffice bist, heißt das nicht, dass du keine Freizeit oder Pausen hast. Im Gegenteil: Besonders hier ist es wichtig, auf Erholungszeiten zu achten.

Wenn dich jemand von der Arbeit ablenkt:
„Ich bin gerade leider nicht in der Lage, ein bisschen zu plaudern – ich muss mich auf meine Aufgabe konzentrieren. Aber danach gern.“ Vorausgesetzt, du willst mit der Person sprechen.

Wenn jemand dich mit Komplimenten einwickeln will:
„Das Lob freut mich sehr, trotzdem habe ich momentan leider keine Zeit, das noch zu übernehmen.“ Oft werden Anforderungen ja mit Lob eingeleitet, was die Ablehnung schwerer macht. Mit diesem Satz erkennst du das Lob an und setzt gleichzeitig trotzdem eine berufliche Grenze.

Zu den Grundregeln gehöre es, das Nein zu begründen, aber nicht ausführlich zu erklären, sagt Petra Barsch: „Verständnis zeigen und ein Gegenangebot oder Alternativvorschläge unterbreiten ist auch gut. Trotzdem klar und fest bleiben, auch bei hartnäckigen Nachfragen.“

Ja, das ist schwer. Aber das lässt sich üben und wird mit der Zeit leichter. Du kannst klein anfangen und dich langsam steigern.

Deine Grenzen sind wichtig, weil du wichtig bist

Auch auf der Arbeit hast du das Recht, mit Respekt behandelt zu werden – dazu gehören nun mal auch deine Grenzen im Job. Du darfst ohne Schuldgefühle Nein sagen und musst keine absolut unrealistischen Erwartungen erfüllen. Deine Bedürfnisse und psychische Gesundheit sind genauso wichtig wie die der anderen. Denn letztlich ist Arbeit in erster Linie Zeit gegen Geld – nicht Seele gegen Geld.