„Modern Love“ macht Mut, dass sich alle Beziehungsprobleme lösen lassen

Mit Modern Love ist eine hochkarätig besetzte Serie bei Amazon erschienen, aus der du Kraft für dein eigenes Liebesleben schöpfen kannst. Eine Kritik

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Lexi ist bipolar und leidet unter ihren Hochs und Tiefs. Filmstill: Amazon

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Auf den ersten Blick wirkt Modern Love ziemlich abgehoben. Die Figuren in Amazons Dramedyserie wohnen teuer in New York, in geräumigen Apartments mit Dielenboden, offener Küche oder Portier. Lexi ist eine brilliante Juristin, Joshua ein erfolgreicher App-Entwickler, Julie reist für Lesungen mit ihrem Buch durchs Land. Mit der Lebenswelt der Durchschnittszuschauer*innen dürften diese Settings wenig gemein haben.

Die Akademiker*innen-Dekadenz kommt daher, dass die Storys der acht Episoden auf der New York Times-Kolumne Modern Love basieren. Darin veröffentlichen seit 15 Jahren NYT-Leser*innen Erfahrungsberichte aus ihrem Beziehungsleben – und die Leser*innenschaft der US-Tageszeitung ist im Schnitt nun mal über 30, gebildet und muss sich um Geld eher wenig Sorgen machen.

Aber auch wenn Modern Love in der Welt der Gutsituierten spielt: In den Geschichten übers Dating, Vermissen, Streiten und Sterben kann sich am Ende jede*r wiederfinden. Den NYC-Bohème-Flair einmal ausgeklammert ist Modern Love sogar die ideale Serie, um neue Kraft für die eigenen (Liebes-)Beziehungen zu gewinnen. Jede Episode hat ein Happy End und lässt so auch ausweglose Situationen lösbar erscheinen.

Jedes Problem wirkt nach Modern Love weniger groß

Zwei Folgen sind besonders eindrücklich. In Episode vier treffen wir Sarah (Tina Fey) und Dennis (John Slattery), deren Ehe kurz vor dem Aus steht. Dennis hat sich zunehmend in seine Schauspielerwelt zurückgezogen, quality time verbringt das Paar bloß noch bei Therapiesitzungen. Die zwei befinden sich damit in der Situation, die wohl jedes Paar fürchtet: Die Gewohnheit verhindert ein glückliches Miteinander.

Modern Love gelingt es, diesen Beziehungsstatus in einer Szene treffend zusammenzufassen: Sarah stürzt auf einer vereisten Treppe und die Kamera hält auf Dennis Gesicht, der überlegt, ob er seiner Frau aufhelfen oder sie liegen lassen soll. Für diese Ehe scheint keine Rettung mehr in Sicht – und doch präsentiert Modern Love einen Ausweg. Durch offene Worte und gemeinsames Tennisspielen nähern sich Sarah und Dennis schließlich wieder an.

Am gelungendsten ist Episode drei, in der Anne Hathaway die Hauptrolle spielt. Ihre Figur Lexi ist bipolar: Ihre Hochs sind als Musicals inszeniert, Lexi tanzt aufgestylt durch einen Supermarkt und lernt dort einen Mann kennen. Ihre Tiefs sind in tristen Farben gehalten, gleichgültig und im Schmusehoodie trifft Lexi ihre Supermarktbekanntschaft zum Date. Dass sie so jemals eine geordnete Beziehung führen kann, glaubt Lexi nicht.

Doch dann schickt Modern Love Lexi in einer rührenden Szene mit ihrer Exkollegin Sylvia (Quincy Tyler Bernstine) zum Mittagessen. Sie habe nur wenig Zeit, erklärt Sylvia, aber als Lexi sich ihr anvertraut und von ihrer Bipolarität erzählt, sagt Sylvia alles ab. Wie wichtig es ist, Mut zu haben, sich zu öffnen und sich Fehler und Verletzlichkeit einzugestehen, gelingt Modern Love in starke Bilder zu gießen.

Am Ende spielt es dann auch keine Rolle mehr, wer als was arbeitet oder wie wohnt: Alle Figuren wachsen in den halbstündigen Episoden zu Vorbildern heran.