„Momtifa“ in Portland: Mütter stellen sich schützend vor Demonstrierende

Seit mehr als 50 Tagen gibt es Proteste in Portland. Inzwischen haben sie eine neue Dimension: protestierende Mütter – die „Momtifa“.

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Frauen protestieren in Portland. Screenshots: @IwriteOK / Twitter

Helle Kleidung, Fahrradhelme, festes Schuhwerk und Slogans wie „Feds stay clear – moms are here„: Am Wochenende versammelten sich gut 30 Mütter vor einem Bundesgerichtsgebäude in der Stadt Portland im US-Bundesstaat Oregon und bildeten eine Menschenkette, eine „Wall of Moms„. Das Ziel der Mütter war es, andere Protestierende vor der Bundespolizei und eskalierender Gewalt zu beschützen.

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Zu der Aktion aufgerufen hatte die zweifache Mutter Beverly Barnum mit einer Facebook-Veranstaltung, die sie am Freitagabend „im Pyjama“ aus einem Impuls heraus erstellt habe. „Ich war noch nie auf einer Demo. Ich weiß nicht mal, wie das geht“, so Beverly auf ihrem Facebook-Profil.

Zwar hätte sie durchaus Angst, verletzt oder verhaftet zu werden, aber sie wollte und konnte nicht mehr mit ansehen, wie Polizist*innen auf junge Menschen losgehen. In dem Text zu ihrem Event heißt es: „Wie viele von euch in den Nachrichten gesehen und gelesen haben, werden hier Demonstrierende ohne Grund verletzt. Und seit Neustem auch ihrer Rechte beraubt, indem sie von nicht identifizierbaren Beamten in unmarkierte Autos gebracht werden.“

Damit bezieht Beverly sich auf von US-Präsident Donald Trump nach Portland geschickte Sicherheitskräfte aus Washington. Offiziell sollen sie Bundeseigentum und -gebäude schützen. Laut Videos wie diesem schleppen sie jedoch Protestierende von der Straße und fahren sie in gemieteten Lieferwagen weg. Ohne Hinweis darauf, auf welcher Rechtsgrundlage die Festnahme erfolgt, ohne Anklage und gegen den Willen von Portlands Bürgermeister Ted Wheeler: „Das führt nur zur mehr Gewalt … Wir wollen, dass sie gehen … Sie werden von der Straße geschnappt … Das ist komplett verfassungswidrig“, sagte Wheeler dem TV-Sender CNN.

Tränengas und Blendgranaten gegen Mütter

So sehen es auch die Mütter in Portland. „Ich rufe alle Mütter auf, das zu tun, was wir am besten können: Menschen beschützen“, so Beverly auf Facebook. „Wir werden oft unterschätzt. Aber wir sind stärker, als man es uns zutraut.“

Genau das haben die Frauen am Wochenende unter Beweis stellen müssen: Die Bundespolizist*innen setzten unter anderem Blendgranaten und Tränengas gegen die friedlich protestierenden Mütter ein.

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„Wir trugen Weiß, um zu zeigen, dass wir friedlich sind. Wir waren nicht bewaffnet, wir haben keine Steine geworfen … Das ist nicht passiert. Wir wurden nur deshalb mit Tränengas beschossen, weil wir ,Lasst die Kids in Ruhe‘ gerufen haben“, so Beverly anschließend.

Und sie beschrieb mit deutlichen Worten, was für extreme Auswirkungen ein Tränengasangriff haben kann: „Ich würde euch gern sagen, dass ich nicht gekotzt oder in die Hosen gemacht habe nach dem Tränengas – habe ich aber. Ich habe wohl die Kontrolle über meine Körperflüssigkeiten verloren und konnte auch meine Augen nicht mehr aufmachen.“

In sozialen Netzwerken werden die Mütter von Portland wegen ihres tapferen Einsatzes inzwischen halb scherzhaft, halb bewundernd als „Momtifa“ bezeichnet.

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Es gehe ihnen unter anderem darum, dass Proteste und Demonstrationen rechtens sind und zumeist friedlich verlaufen. „Wir werden ein neues Licht auf das ungerechte Narrativ werfen, das verbreitet wird“, schreibt Beverly.

Die Protestierenden seien eben keine Randalierenden, sondern würden ein Grundrecht ausüben – und auch zwei Monate nach dem Tod von George Floyd in Minneapolis noch gegen Rassismus und Polizeigewalt rechtmäßig auf die Straße gehen.

US-Präsident Donald Trump hat am Sonntag auf Twitter geschrieben, dass die Führung in Portland schon seit Monaten die Kontrolle über „Anarchisten und Aufrührer“ verloren habe: „Wir müssen Bundeseigentum schützen, UND UNSERE LEUTE.“ Damit versucht er, sich vor der Wahl als Law-and-Order-Präsident und starker Mann zu positionieren sowie alle Demonstrierenden pauschal als Krawallmacher*innen darzustellen. Portlands Bürgermeister Ted Wheeler hält Trumps Taktik in seiner Stadt für „abscheulich“.

Portland gilt als eine der fortschrittlichsten und liberalsten Städte der USA mit Musik-, Kunst- und Theaterszene, Parks, Radwegen, Cafés, Buchläden sowie einer aktiven linken Szene, die sich gegen Rassismus und Faschismus starkmacht. Und seit mehr als 50 Tagen ein beispielhafter Schauplatz für den Kulturkampf ist, der spätestens seit Trumps Präsidentschaft landesweit immer offener und härter ausgetragen wird. Auch mit Tränengas gegen Mütter.

„Momtifa“ bleibt

Fest steht: Die „Momtifa“ lässt sich nicht einschüchtern und wird so schnell nicht wieder verschwinden. Im Gegenteil. Am Folgetag kamen die Mütter wieder zu den Protesten – und zwar mit noch mehr Teilnehmerinnen.

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Auch die am Wochenende gegründete Facebook-Gruppe „Wall of Moms“ brachte es innerhalb von 15 Stunden auf mehr als 2.000 Mitglieder. Und selbst in anderen Ländern fangen mittlerweile Mütter an, sich zu organisieren und zu protestieren, wie Beverly schreibt: „Innerhalb von 30 Stunden haben Frauen aus der ganzen Welt gefragt, wie sie das auch in ihren Communities umsetzen können.“ Wie Aktivist Joshua Potash es auf Twitter zusammenfasst: Trump hat die Mütter radikalisiert.

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„Ich möchte, dass ihr darüber nachdenkt, was in diesem Land gerade passiert und euch fragt, was ihr unternehmt, um das zu ändern“, so auch Beverly Barnum. Sie werde jedenfalls nicht zugucken, wie friedlich Demonstrierende beschossen, geschlagen, mit Tränengas attackiert und grundlos festgenommen würden. „Ihr denkt vielleicht, dass ihr keinen Unterschied machen könnt, weil die Welt so groß und kompliziert ist und es zu viel ist, um es auch nur zu versuchen.“ Doch ihr Aufruf in einer Müttergruppe habe gezeigt: Das stimmt nicht.