Mother Gap: Warum Teilzeitarbeit eine Falle ist

Mehr als zwei Drittel aller Mütter arbeiten in Teilzeit. Das ist eine Falle, aus der sie meistens nicht wieder herauskommen.

Falls diese Frau Mutter ist, bekommt sie fünf bis zehn Prozent weniger Stundenlohn für ihre Arbeit als Frauen ohne Kinder. Foto: rawpixel / Unsplash | CC0

„Ich würde so gern weniger arbeiten“, seufzt Hanno. Der 38-Jährige ist gerade zum ersten Mal Vater geworden, sein Kind ist drei Monate alt. Statt in Teilzeit zu gehen, arbeitet er nach einer kurzen Elternzeit wieder Vollzeit in einer leitenden Position. „Wir können auf das Geld nicht verzichten“, sagt er und sieht dabei sehr unglücklich aus. Hanno ist an einer gleichberechtigten Elternschaft mit seiner Frau interessiert, auch deshalb überlegt er gerade, den Job komplett zu wechseln. Das Unternehmen, für das er aktuell arbeitet, sieht keine Chance für Teilzeit.

„Teilzeit ist ein gnadenloser Karrierekiller“, sagt Mona Küppers vom Deutschen Frauenrat. Noch mehr als für Väter gilt das für Mütter. Die negativen Auswirkungen für erwerbstätige Mütter sind vielfältig und werden mit dem Begriff Mother Gap zusammengefasst: Nachteile bei Job-Einstellungen, Beförderungen und schließlich auch beim Lohn.

„In modernen Ökonomien sind durchschnittliche Stundenlohneinbußen im Bereich von fünf bis zehn Prozent pro Kind nachgewiesen“, sagt Marco Giesselmann vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Das ist vor allem deshalb problematisch, weil die meisten Mütter davon betroffen sind. Mehr als zwei Drittel aller erwerbstätigen Mütter haben einen Teilzeitjob – dagegen arbeiten nur sechs Prozent der Väter mit minderjährigen Kindern in Teilzeit. Bei Müttern mit kleinen Kindern sind sogar knapp drei Viertel in Teilzeit beschäftigt. Aus der Teilzeit zurück in Vollzeit kommen sie nur schwer.

Diskriminierung von erwerbstätigen Müttern

Ein Resultat für teilzeitarbeitende Mütter ist häufig Armut, jetzt und in der Rente. Teilzeit ist damit eine Falle, vor allem für Mütter. Das neue Rückkehrrecht soll diese Falle entschärfen. Arbeitnehmer*innen sollen ihre Vollzeitstelle zwischen einem und fünf Jahre lang reduzieren können, mit dem Anspruch, danach wieder in Vollzeit zu arbeiten.

[Außerdem auf ze.tt: Das Unwohlsein der modernen Mutter]

Das Gesetz wird 2019 in Kraft treten. Der Haken: Es gilt nur für Teilzeitarbeitende in Betrieben ab 45 Beschäftigten, die Mehrheit der Mütter jedoch arbeitet in kleinen und mittleren Betrieben. Arbeitsmarktexpert*innen erwarten, dass vor allem Väter mit dem Wunsch, ihre Arbeitszeit leicht zu reduzieren, den neuen Rechtsanspruch nutzen werden. Umfragen zeigen, dass sowohl Männer als auch Frauen sich mehr von solchen Arbeitszeitmodellen wünschen.

Kinderbetreuung und Kulturwandel

Die Abwertung beruflicher Erfahrungsressourcen ist belegt, die abnehmende Produktivität von Müttern jedoch nicht. Laut DIW finden sich empirische Hinweise darauf, dass mütterspezifische Diskriminierungen in Deutschland stärker ausgeprägt sind als in anderen Ländern. Einen Lösungsvorschlag aus der Wissenschaft gibt es: Eine bessere Betreuungssituation für Kinder könnte den so genannten Mother Gap abschwächen.

Damit sich wirklich etwas ändert, braucht es aber mehr als gute Kitas und Schulen mit qualifiziertem Personal. So lange es keinen Kulturwandel auf dem Arbeitsmarkt gibt, werden ungerechte Bedingungen fortgeführt. Führung in Teilzeit, Elternzeit für Väter, Vollzeit arbeitende Mütter, eine neue Definition von Lohnarbeit, Wertschätzung von Care-Arbeit – das alles müsste selbstverständlich werden, um der Ungerechtigkeit in der Berufswelt entgegen zu wirken.