Münchner Studierende zeigen Markus Söder, was sie von der Asylpolitik der CSU halten

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat die Münchner Filmhochschule HFF besucht – und wurde dort mit Protest begrüßt.

Markus Söder hat am Donnerstag an der Eröffnung des Kongresses Bayern Digital in der HFF München teilgenommen. Die Studierenden der Filmhochschule begrüßten den bayerischen Ministerpräsident mit einem stummen Protest. Sie machten auf verstorbene Geflüchtete im Mittelmeer aufmerksam.

Eine Gruppe aus etwa 35 Studierenden, einige mit Schwimmwesten bekleidet, hatten sich zunächst mit Wasser begossen. Dann legten sie sich stumm auf den Boden des Foyers, durch das Söder gehen musste. Dort blieben sie minutenlang regungslos liegen.

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Die Studierenden der Hochschule hatten erst kurz vor der Veranstaltung durch eine Rundmail erfahren, dass Söder kommen würde. „Einige beschlossen daraufhin, ein Zeichen zu setzen“, sagt Marlena Molitor zu ze.tt. Die Studentin war an der Aktion beteiligt.

Studierende aus allen Jahrgängen und Fachrichtungen hatten die Aktion seit Dienstag gemeinsam geplant. Sie wollten die Asylpolitik der CSU kommentieren und auf ertrinkende Geflüchtete im Mittelmeer aufmerksam machen. Söder selbst kritisierten sie für seine Wortneuschöpfung aus Asyl und Tourismus.

Söder zeigte keine Reaktion – dafür gab es rassistische Kommentare

Inspiriert wurden die Studierenden durch vergangene stumme Proteste und Sitzblockaden. Wichtig sei ihnen gewesen, friedlich zu protestieren und nicht zu provozieren. Ein kurzes Video der Aktion ging über Facebook viral. Darin ist zu sehen, wie Söder das Gebäude betritt. Auf die nassen Studierenden am Boden reagiert er nicht, sondern läuft direkt auf den Aufzug zu.

„Söder ist ein Medienprofi und blieb in seiner Rolle“, sagt Molitor, die sich für ihr Studium unter anderem mit der Lage geflüchteter Menschen beschäftigt. Nach seinem Besuch habe Söder einen anderen Ausgang genommen. Erstaunt habe die Studierenden, dass einige Menschen einfach über sie stiegen, als sie am Boden lagen. Laut Molitor hätte es genug Platz gegeben, an ihnen vorbeizugehen.

Die Hochschulleitung habe nichts von der Aktion gewusst. Der Protest habe im Nachhinein aber viel Zuspruch aus den Reihen der Hochschulmitarbeitenden erhalten. Auch Besucher*innen des Kongresses hätten sich positiv geäußert. Aber es habe auch andere, boshafte Stimmen gegeben: Während der Aktion hätten die Studierenden laut Molitor auch viel Geraune wahrgenommen. Ein Mann habe halb lachend gesagt, dass sie „Flüchtlinge spielen wollen“, dafür „aber eine sehr helle Haut haben“.

„Das zeigt erneut, dass Deutschland ein gewaltiges Rassismusproblem hat. Diese Form des Alltagsrassismus ist mittlerweile sehr etabliert“, sagt Molitor. Der Rechtsruck, der im Land stattfinde, sei auch in Bayern sehr präsent.

Zahl der Geflüchteten, die übers Mittelmeer fliehen, deutlich höher als geschätzt

Die Studierenden sind der Meinung, dass es in weiten Teilen der Gesellschaft ein verzerrtes Bild über Geflüchtete gebe, während sich Europa weiter abschotte und die dramatische Lage im Mittelmeer unterschätzt würde. Eine ze.tt-Anfrage bei der bayerischen Staatskanzlei, ob Söder auf die Aktion reagieren möchte, ließ diese unbeantwortet.

[Außerdem auf ze.tt: „Was ist das für eine Welt, in der stärker gegen das Retten als gegen das Sterben vorgegangen wird?“]

Bei der Flucht über das Mittelmeer sind seit Anfang des Jahres bereits mehr als 1.400 Menschen gestorben, wie die Internationalen Organisation für Migration berichtet. Die Zahl der Toten sei damit um 40 Prozent höher als zuvor geschätzt. Helfer*innen gehen von deutlich mehr aus: Zahlreiche Geflüchtete werden vermisst.