Nach Rauswurf von Reporter: Es ist lächerlich, wie Trump sich als Beschützer junger Frauen aufspielt

Ein CNN-Reporter verliert seinen Zugang zum Weißen Haus, weil er kritische Fragen stellte. Trumps Regierung instrumentalisiert Frauenrechte, um sich eines Journalisten zu entledigen. Ein Kommentar

President Trump Holds News Conference Day After Midterm Elections

Trump bei seinem Disput mit CNN-Reporter Jim Acosta. Foto: © Al Drago-Pool / Getty Images

„Sie sind eine unverschämte, fürchterliche Person!“ Donald Trump ist wütend. Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch steht ihm Jim Acosta gegenüber, Reporter für CNN, und er will partout nicht damit aufhören, Fragen zu stellen. Fragen, die dem Präsidenten der USA offensichtlich nicht gefallen. Mehrfach fordert Trump den Journalisten auf, sich zu setzen und das Mikrofon abzugeben. Doch Acosta drängt unnachgiebig auf Antworten. Warum Trump die Geflüchteten im Wahlkampf „verteufelt“ und als „Invasion“ bezeichnet habe, möchte Acosta wissen. Und maßt sich auch noch an, Fragen zu den laufenden Russland-Ermittungen zu stellen: „Haben Sie Angst, angeklagt zu werden?“ Trump reagiert empört: „Das reicht, geben Sie das Mikrofon ab.“ Als Acosta der Aufforderung keine Folge leistet, erscheint eine Mitarbeiterin des Weißen Hauses und versucht, ihm das Mikrofon abzunehmen. Videos von der Pressekonferenz dokumentieren den Vorfall.

Dieser unfreiwillige Kontakt mit der jungen Frau wurde dem Reporter zum Verhängnis. Nach der Pressekonferenz entzog das Weiße Haus dem CNN-Reporter seine Akkreditierung. Man würde harte Fragen an den Präsidenten zwar begrüßen, hieß es in einem Statement der Regierungssprecherin Sanders, aber könne niemals akzeptieren, „dass ein Reporter eine junge Frau anfasst, die nur ihren Job als Praktikantin im Weißen Haus machen wollte.“

Unsittliche Berührungen?

Wie genau die Berührung zwischen Acosta und der Mitarbeiterin, bei der es sich anscheinend um eine Praktikantin des Weißen Hauses handelt, ausfiel, ist auf den Videos der Pressekonferenz schwer zu erkennen. Der Reporter dreht sich leicht von ihr weg, spricht weiter zum Präsidenten, gestikuliert. Dabei berührt sein Arm anscheinend die Frau. Acosta entschuldigt sich bei der Mitarbeiterin, versucht aber weiterhin, das Mikrofon und die Aufmerksamkeit Trumps zu behalten.

Durch den Entzug der Akkreditierung verliert der Journalist das Recht, das Weiße Haus zu betreten. Acostas Arbeit, der seit fünf Jahren als Korrespondent für CNN im Weißen Haus arbeitet, wird dadurch stark eingeschränkt.  Der Reporter teilte den Moment, in dem ihm eine Sicherheitskraft den Ausweis abnahm, auf Twitter und nannte die Vorwürfe gegen ihn eine Lüge. Der Sender CNN stellte sich hinter seinen Mitarbeiter und verurteilte die Reaktion des Weißen Hauses. „Die andauernden Angriffe des Präsidenten auf die Presse“ seien „nicht nur gefährlich“, sondern auch „verstörend unamerikanisch“, teilte der Sender in einem Statement mit.

Trump, Schutzpatron der Frauen

Einen besonders schalen Beigeschmack erhält dieser Angriff auf die Pressefreiheit dadurch, dass Trump und seine Mitarbeiter*innen sich durch die Begründung als Beschützer*innen junger Frauen aufspielen, für deren körperliche Unversehrtheit sie einstehen würden. Zur Erinnerung: Trump wird von 22 Frauen beschuldigt, ihnen gegenüber sexuell übergriffig gewesen zu sein. Er setzte sich zudem dafür ein, dass Brett Kavanaugh als Richter in den Obersten Gerichtshof einzog, obwohl mehrere Frauen ihm sexuelle Belästigung und sogar versuchte Vergewaltigung vorwarfen. Über die Frauen, die vor Gericht gegen Trumps Wunschkandidaten aussagten, machte der Präsident sich öffentlich lustig.

Seine Regierung strich Zuschüsse für Organisationen, die sich für sichere Schwangerschaftsabbrüche einsetzen. Die Republikaner*innen wollen außerdem das Recht auf körperliche Selbstbestimmung von Frauen weiter einschränken. Und Trumps Vorgehen gegen ObamaCare erschwert vielen Frauen den Zugang zu Verhütungsmitteln – um nur einige Punkte zu nennen, in denen Frauenrechte für die Trump-Regierung wenig Bedeutung haben.

Die Angst des Präsidenten vor einer starken Presse

Dass Trump ausgerechnet in diesem Moment bei der Pressekonferenz einfällt, wie wichtig ihm der Schutz von Frauen vor körperlichen Übergriffen sein sollte, ist einfach nur lächerlich. Das Vorgehen gegen Acosta ist der armselige Versuch eines offensichtlich frauenfeindlichen Präsidenten, seine Angst vor einer unabhängigen Presse zu verschleiern.

Klar, wer Begriffe wie „Fake News“ geprägt hat und eine sogenannte Hassbewegung gegen die Medien anführt, hat keine Lust, sich mit kritischen Fragen auseinander zu setzen. Wie gefährlich das ist, zeigt der Fall Acosta. Denn die Arbeit unabhängiger und kritischer Journalist*innen ist essenziell für eine gesunde Demokratie. Und angesichts der bisherigen politischen Ziele, für die Trump sich einsetzte, wirkt sein Versuch, Frauenrechte zu instrumentalisieren, wie ein schlechter Witz.