Nachhaltig anlegen: So verhinderst du, dass dein Geld in Waffen und Kohle investiert wird

Deutschland ist bei vielen Nachhaltigkeitsthemen führend. Doch ausgerechnet wenn es um Geld geht, stecken wir tief in Öl, Kohle und Waffen. Was kann man als Privatperson dagegen tun?

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Welche Banken investieren eigentlich worein? Wer nachhaltig Leben will, sollte auch seine Finanzen prüfen. Foto: Larissa . / Unsplash | CC0

Viele deutsche Anleger*innen hinterfragen nicht, ob die Bank des Tagesgeldkontos nachhaltige Strategien verfolgt, wie die eigene Rente investiert wird oder ob der Bausparvertrag Kinderarbeit ausschließt. Dabei kann gerade durch Investitionen viel Ungerechtigkeit in Bewegung gesetzt werden.

In unseren Nachbarländern wurde das schon erkannt, weshalb grüne Finanzen dort verbreiteter sind. In Großbritannien vergeben einzelne marktführende Großbanken beispielsweise bessere Kredite für den Hausbau und -kauf, wenn die Immobilie nachhaltigen Standards entspricht. Die Rentenfonds der Niederländer*innen investieren seit mehreren Jahrzehnten vollständig nach nachhaltigen Kriterien. Die Bio-Nation Deutschland hingegen muss noch einiges nachholen, wenn es um grüne Finanzen geht. Erst seit 2017 wird auch durch die deutsche Bundesregierung ein großes finanzielles Ziel, die Bezahlung des Atomausstiegs, mit ausschließlich nachhaltiger Anlagestrategie verfolgt.

Durch neue Arbeitskreise und Beschlüsse in der EU werden nachhaltige Finanzen in allen europäischen Banken Tagesordnung werden, auch in Deutschland. Bald müssen alle Finanzberater*innen aktiv fragen, ob wir unser Geld nachhaltig anlegen möchten oder nicht, und wenn ja, wie wir uns das für unsere eigenen Finanzen vorstellen. Aber schon jetzt sollten wir ein paar Fragen zu diesem Thema klären:

Ergibt es Sinn, Geld nachhaltig anzulegen?

Wenn du nachhaltig leben willst, solltest du nicht nur Coffee-to-go-Becher oder Onlineshopping vermeiden und dir Ökostrom bestellen. Auch nachhaltige Finanzprodukte sind unumgänglich. Wenn du nicht nachhaltig investierst, landet dein Geld möglicherweise dort, wo du es nicht willst – zum Beispiel investiert eine große deutsche Bank in die Waffenproduktion der Firma Heckler & Koch. Aber auch aus ökonomischer Sicht ergibt eine nachhaltige Geldanlage Sinn.

Es gibt unterschiedliche Formen der nachhaltigen Anlage, die aktuell gängigste ist die Investition nach den ESG-Kriterien, also nach ökologischen (E für Ecological), sozialen (S für Social) und unternehmerischen (G für Governance) Nachhaltigkeitspunkten.

Durch diesen Ansatz ist eine Streuung möglich, es wird also nicht nur in eine Themenrichtung angelegt. Das macht eine Anlage sicherer, da themenspezifische Risikofaktoren aufgefangen werden. Ein Beispiel: Es stehen hypothetische Verluste durch eine Dürreepisode bei einer Investition in Biounternehmen in Europa an. Sie können zum Beispiel durch den Boom einer Aktie einer Nachhaltigkeitsapp für Essensresteverwertung in der Gesamtanlage ausgeglichen werden. Diese Balance gewährt eine bessere Rendite, also ein besseres Investitionsergebnis.

Zudem kann Anlegen nach ESG auch als Risikopuffer dienen. Nachhaltige Kriterien ermöglichen einen langfristigen Blick, der Gefahren inkludiert. Zum Beispiel kann anhand von Firmenunterlagen und Medienberichten die Qualität der Managementstrukturen einer Firma ermittelt werden und damit, ob sie stabil aufgebaut ist. Nachhaltigkeitsratingagenturen haben solche Punkte auf ihrer Agenda. Banken und Asset-Manager*innen, die Geld nachhaltig anlegen, können auf diese Informationen zurückgreifen und anhand dessen ein stabileres Produkt erstellen, was schließlich den Kund*innen zugutekommt.

Auch aus nachhaltiger Sicht ist eine ESG-Geldanlage sinnig. Bei einer Investition in Aktien, Fonds und ETFs wird damit ein klares Zeichen für den Wandel gesetzt, der zudem so direkt und indirekt finanziert werden kann. Denn mit einer Aktie erwirbst du einen Anteil am Unternehmen, ein Fonds investiert in Wertpapiere oder Immobilien und ETFs bilden die Entwicklung eines Index am Markt ab.

Welche Geldanlagen können nachhaltig genutzt werden?

Grundsätzlich kann jede Form der Geldanlage nachhaltig gehandhabt werden. Hier kommen Beispiele für die bekanntesten:

Spareinlage auf dem Tagesgeldkonto

Wenn du neben deinem Girokonto ein Tagesgeldkonto führst, arbeitet die Bank mit deinem Geld und investiert eigenständig. Sie bietet meist einen garantierten Zinssatz, der auf dein Guthaben gutgeschrieben wird. Dazu musst du dir also nur überlegen, ob deine Bank das Geld so nachhaltig anlegt, wie du es dir wünschst. Ob die Bank nun mit deinem Geld Waffen und Kinderarbeit finanziert, findest du aktuell am sichersten heraus, wenn du direkt nachfragst. Darüber hinaus gibt es über den Finanztest eine Übersicht mancher Banken und ihrer Positionierung zu Nachhaltigkeit. Sind die Kriterien nicht einsehbar oder stimmst du mit ihnen nicht überein, kannst du die Bank wechseln und stattdessen das Tagesgeldkonto einer nachhaltigeren Einrichtung nutzen. Dabei kannst du dich beispielsweise für einen nachhaltigen Sparplan bei einer konventionellen Bank entscheiden, oder für eine Bank, die insgesamt nachhaltig agiert – wie die Umweltbank, die GLS Bank oder die Triodos Bank.

Rentenplan

Bei einem Rentenplan wird das Geld ebenfalls wie bei einem Tagesgeldkonto von anderen gemanagt. Gerade bei einer solch langfristigen Anlage kann es eine große Auswirkung haben, ob man nachhaltig in Bildung, Ressourcenschutz und Friedensprojekte investiert oder Tierversuche, männerdominierte Führungsetagen und moderne Sklavenarbeit finanziert. Von manchen Anbieter*innen wird dir eine Mindestsumme garantiert, die je nach Investitionserfolg auch höher ausfallen kann.
Aktuell wird in Deutschland von Banken und Konsument*innen noch sehr wenig darauf geachtet, wie das Geld angelegt wird. Deshalb kann bei konventionellen Produkten und Banken meist davon ausgegangen werden, dass sie das Geld nicht nachhaltig anlegen. Nachhaltige Produkte haben trotzdem mittlerweile fast alle im Angebot. Hier lohnt es sich, verschiedene Angebote einzuholen und miteinander sowie mit den eigenen Wünschen und Ansprüchen zu vergleichen.

Aktien, Fonds und ETFs

Möchtest du dein Geld jedoch direkter anlegen, kannst du das in Form von einzelnen Aktien, Fonds oder ETFs tun. Hierbei muss dir jedoch bewusst sein, dass eine solche Anlage in den meisten Fällen keine Garantie beinhaltet, wie viel Geld du am Ende haben wirst. Dennoch kann sie sehr interessant sein, da unter Umständen gerade hier mehr Rendite generiert werden kann als bei den zuvor genannten Formen. In allen dreien sind nachhaltige Anlagen möglich und laut Studien im Schnitt auch mindestens so erfolgreich wie Investitionen, die nicht nachhaltig erfolgen.

Impact Investments

Interessieren dich Anlagen in nur ein nachhaltiges Thema, beispielsweise die Förderung von Frauen, sind Impact Investments eine Möglichkeit. In Form von Gender Lens Investments wird thematisch gebündelt nur in Projekte und Firmen investiert, die Diversity voranbringen. Mit einer solchen Investition werden also nicht einfach nur Unternehmen unterstützt, die insgesamt nachhaltig agieren, sondern konkrete Projekte wie der Aufbau eines LGBTQ-Netzwerkes oder Strukturen zur Gleichstellung direkt finanziert. Der Gewinn richtet sich nach dem Erfolg der einzelnen Positionen im Produkt. Auch diese Art der Geldanlage kannst du bei den Banken direkt erfragen.

Was sollte ich bei einer nachhaltigen Geldanlage beachten?

Wie bei jeder anderen Anlage solltest du dir vor der getätigten Zahlung ein paar Gedanken machen. Überlege dir, wie viel Geld du in deine Anlage stecken möchtest, auf wie viel du monatlich verzichten kannst, wie sicher deine Anlage sein soll und wie lange du das Geld investieren willst. Auf das Tagesgeldkonto kann man schnell zurückgreifen, bei einem Rentenplan, Aktien und Fonds ist das nicht immer genauso flexibel.

Zudem solltest du vor der nachhaltigen Investition festlegen, was Nachhaltigkeit für dich bedeutet. Möchtest du entlang der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (UN SDG) anlegen, kommen Produkte für dich infrage, die diese 17 Punkte verfolgen. Ist dir wichtig, dass Frauen gefördert und in misslichen Lagen unterstützt werden, sind Anlageprodukte von religiösen Träger*innen vielleicht nicht das richtige für dich. Bei denen werden häufig Beratungsstellen und NGOs ausgeschlossen, die auch bei Schwangerschaftsabbrüchen unterstützen.

Am besten ist es also, wenn du vor einem Beratungsgespräch oder deiner eigenständigen Auswahl über die Online-Software deiner Bank deine eigenen Kriterien notierst. Nur so kannst du später abgleichen, ob das Produkt mit deinen Werten übereinstimmt.

Gibt es eine standardisierte Nachhaltigkeitsstrategie, der ich folgen kann?

Mal angenommen: Du hast 2.000 Euro zum Schulabschluss bekommen oder mit Ferienjobs verdient. Weil du gerne nicht nur auf dem Papier nachhaltig, sondern auch nach deinen Kriterien ethisch und strategisch anlegen willst, suchst du nach einem Masterplan. Eine Standard-Anlagestrategie, die nachhaltig ist, gibt es bisher allerdings nicht. Und wird es in Zukunft auch erst einmal nicht geben. Du musst also selbst entscheiden, wie dein Geld investiert werden soll.

Best in Class-Prinzip

Du könntest deine 2.000 Euro nehmen und sie in einem Produkt anlegen, das nach dem Best in Class-Prinzip ausgewählt wird. Das ist aktuell eine der gängigsten Auswahlmethoden für nachhaltige Anlagen. Dabei werden aus unterschiedlichen Branchen die, nach vorher festgelegten Kriterien, nachhaltigsten und gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreichsten Unternehmen ausgewählt. Für die eigenen Anlagen kann es dadurch jedoch zu mindestens zwei Missverständnissen kommen. Zum einen kann es vorkommen, dass Branchen für das Produkt ausgewählt wurden, die du gar nicht unterstützen möchtest, weil sie in deiner eigenen Nachhaltigkeitsdefinition nicht als ethisch eingestuft sind – wie Waffen oder auch Drogen. Zum anderen kann passieren, dass das Nachhaltigkeitsranking, auf dem das Produkt beruht, andere Kriterien ansetzt als du.

So sind unter der Lebensmittelkategorie unserer fiktiven Anlage zum Beispiel Firmen vertreten, die Wasserverschmutzung, Sklavenarbeit und ungesunde Produkte symbolisieren. Doch aufgrund des hypothetischen Auswahlfokus auf Innovation und Philanthropie und der Gewichtung auf den wirtschaftlichen Erfolg steht dieses Unternehmen dennoch im Ranking vor Bioproduzenten und Fair-Trade-Firmen.

Nichtsdestotrotz hat Best in Class aber auch Vorteile: Durch die Auswahl der Branchenführer sind Anlagen in diesem Bereich recht erfolgreich. Bei gut durchdachten Kriterien kann das Prinzip zudem als Anreiz für große internationale Unternehmen dienen, nachhaltiger zu werden, um mehr Investitionen zu erhalten.

Anlage mit Ausschlusskriterien

Möchtest du sicher gehen, dass gewisse Bereiche definitiv nicht von deinem Geld unterstützt werden, setzt du auf Ausschlusskriterien. Diese Form der Investition hat bei religiösen Anleger*innen lange Tradition und bietet deshalb viele Erfahrungswerte. Hier wird entgegen dem zuvor schon vorgestellten Impact Investment beschlossen, was nicht inkludiert werden soll. Nach dieser Negativliste werden Unternehmen mit bestimmten Praktiken oder in gewissen Wirtschaftszweigen aussortiert. Das gewährleistet, dass das eigene Geld nicht für unerwünschte Zwecke eingesetzt wird.

Sowohl Best in Class als auch Anlagen mit Ausschlusskriterien gewähren einen nachhaltigen Rahmen. Die Investition verfolgt Nachhaltigkeit jedoch eher passiv. Hast du spezielle Punkte, die du mit deinem Geld verändern möchtest, sind andere Investitionsformen praktischer. Dafür eignet sich zum Beispiel das zuvor beschriebene Impact Investment. Daneben liegen aber noch weitere Anlagestrategien vor, wie zum Beispiel normbasierte Kriterien und nachhaltige Themenfonds. Je nach eigenem Interesse und Bestreben können alle Formen zur Nachhaltigkeit führen.

Was für Produkte gerade bestehen, erfährst du über die Banken direkt. Es gibt auch Tests der verschiedenen Artikel, jedoch zeigen diese nicht, ob deine eigenen Nachhaltigkeitsvorstellungen umgesetzt werden. Dafür solltest du selbst in die Produktbeschreibung schauen und dich mit den Berater*innen unterhalten.

Meine Bank scheint kein Interesse an oder keine Expertise zu Nachhaltigkeit zu haben, und jetzt?

Alle Banken in Europa müssen sich derzeit mit nachhaltigen Anlagemöglichkeiten beschäftigen und bald auch selbst aktiv erfragen, ob Kund*innen nachhaltig anlegen wollen. Dennoch gibt es in dieser Umbruchphase Banken, bei denen die Veränderung noch nicht ganz angekommen zu sein scheint.

Solltest du im Angebot keine passenden Produkte finden und auch im Gespräch nicht zu der von dir festgelegten Anlagestrategie kommen, kannst du dich bei anderen Banken umschauen. Es gibt Anbieter*innen, die sich vollständig auf Nachhaltigkeit spezialisiert haben und andere, die einzelne Produkte dazu im Angebot haben.

Bei deiner Suche kann dir das FNG-Siegel helfen, vom Forum Nachhaltige Geldanlagen. Es zeichnet Investmentfonds nach Qualitätsstandards aus, die durch Finanzexpert*innen und Privatpersonen entwickelt wurden. Das Siegel ist ein Wegweiser, es gibt aber auch gute nachhaltige Finanzprodukte, die es nicht führen. Anlagen, die deine Ziele auch so verfolgen, können ebenso eine sinnvolle Option bilden. Im Zweifel immer ausführlich informieren und durch mehrere Meinungen absichern. Dann kann dein Geld nachhaltig langfristig und erfolgreich wachsen.