Narzisstische Augenbrauen: Nobelpreise für absurde Forschung verliehen

Forschung kann komplex und sehr speziell sein. Und manchmal auch ziemlich abgedreht. Zumindest auf den ersten Blick, wie die diesjährigen Ig Nobelpreise zeigen.

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Kann man eine*n Narzisst*in anhand der Augenbrauen erkennen? Das haben zwei Forscher*innen untersucht. Foto: Yan Berthemy / Unsplash | CC0

Wissenschaftsskeptiker*innen mögen sich bestätigt fühlen, wenn sie hören, dass es Forschung gibt, die sich ernsthaft mit dem Zusammenhang von Narzissmus und dem Aussehen von Augenbrauen beschäftigt. Klingt auch etwas albern, aber ist durchaus ernst gemeint. Miranda Giacomin und Nicholas Rule von der Universität Toronto haben dazu im Journal of Personality publiziert und mit ihrer Forschung gerade groß abgeräumt. Und zwar beim sogenannten Ig Nobelpreis.

Erst lachen, dann nachdenken

Die Ig Nobelpreise (Ig steht für „ignobel“, „unwürdig“) werden jährlich von den Annals of Improbable Research (etwa: Jahresschrift absurder Forschung) verliehen und vom renommierten Naturwissenschaftsjournal Nature als „Highlight des Forschungskalenders“ bezeichnet. Die Preise sollen Forschung auszeichnen, „die einen erst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringt“ und werden seit 2012 an der Harvard Universität vergeben. In diesem Jahr fand die Preisverleihung zum ersten Mal online statt, einer der Preisverleiher war sogar ein „echter“ Nobelpreis-Gewinner: Andre Geim, der vor zehn Jahren den Nobelpreis für Physik bekommen hat.

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„Sie [die Preise] sind eine willkommene Ablenkung zu der täglichen Ernsthaftigkeit und Stickigkeit von Laboren, sie präsentieren uns oftmals amüsante und manchmal total lächerliche Forschung“, heißt es bei Nature zu den Ig Nobelpreisen. In diesem Jahr wurde neben den narzisstischen Augenbrauen auch ein Forschungsteam ausgezeichnet, das einen Alligator Helium einatmen ließ. Die Forscher*innen wollten so herausfinden, wie Alligatoren kommunizieren, genauer: ob sie durch ihre Laute auch ihre Körpergröße mitteilen können. Das ist relevant, da die Körpergröße Informationen über das Paarungsverhalten und territoriale Ansprüche vermittelt.

Gute Leistungen können schräg, lustig, sogar absurd sein.

Organisator*innen des Ig Nobelpreises

„Die Resonanzen im Stimmtrakt klingen tiefer, wenn der Körper größer ist, da es mehr Raum gibt, in dem die Luft vibrieren kann“, erklärte Stephan Reber, einer der beteiligten Forscher, der BBC. „Aber wir wussten nicht, ob Reptilien solche Resonanzen haben. Frösche und Amphibien haben sie zum Beispiel nicht. Also brauchten wir Beweise für unsere Theorie.“ Und so wurde ein Alligator untersucht, der in einem Becken abwechselnd normale Luft und eine Mischung aus Sauerstoff und Helium einatmete. Dabei änderten sich die Geräusche, die das Tier machte. Kennt man ja vielleicht von eigenen Erfahrungen mit Luftballons. Das Team stellte dadurch fest, dass die Körpergröße tatsächlich mit den Resonanzen in Verbindung stand.

Noch mehr Kategorien

Wer sonst noch ausgezeichnet wurde? Ein Team von Ökonom*innen, die eine Verbindung zwischen nationalen Einkommensungleichheiten und Auf-den-Mund-küssen untersuchten und ein Wissenschaftler, der zeigen konnte, dass viele Insektenkundler*innen Angst vor Spinnen haben (Spinnen sind keine Insekten).

Ivan Maksymov und Andriy Pototsky von der Swinburne Universität in Melbourne bekamen den Ig Nobelpreis in Physik für ihre Untersuchung, ob Erdwürmer durch Vibrationen ähnliche Formen wie Wassertropfen annehmen. Im Gespräch mit dem Guardian sagte Maksymov, dass er eher zufällig auf sein Forschungsinteresse gestoßen sei. In seinem Garten habe er beobachtet, dass Würmer aussehen wie Wasser, das durch Vibrationen bewegt wird – ein Phänomen, das sich Faraday-Wellen nennt. Und da Würmer zu einem großen Teil aus Wasser bestehen, erschien ihm die Theorie durchaus plausibel. Getestet hat er die Theorie dann, indem er Würmer auf einen Lautsprecher legte: „Ich habe den Lautsprecher durch Pieptöne vibrieren lassen, und sie bewegten sich wie Wasser.“ Die Erkenntnisse könnten schließlich helfen, nicht-invasive Methoden für die Untersuchung von Gehirnimpulsen zu entwickeln, hoffen die beiden.

Auf die Frage, ob sich die Organisator*innen des Ig Nobelpreises eigentlich nur über Forschung lustig machen wollen, sagen sie: „Nein. Gute Leistungen können schräg, lustig, sogar absurd sein. Genau wie schlechte Forschung. Viel gute Forschung wird wegen ihrer Absurdität angegriffen. Aber viele schlechte Forschung wird verehrt, trotz ihrer Absurdität.“