Nazis sind scheiße – die Macher*innen der Serie „Hunters“ haben das nicht verstanden

In der Prime-Video-Serie Hunters jagt eine Gruppe von jüdischen Menschen Nazis. Die Idee ist spannend, aber die Umsetzung geschmacklos. Eine Kritik

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Die Hunters jagen Nazis, zwischendurch dümpelt die Story dahin. Filmstill: Prime Video

Als der titelgebende Django sich in Quentin Tarantinos Western Django Unchained von seinen Ketten befreit, spritzt das Blut in grellsten Rottönen. Es gibt da zum Beispiel eine Szene, in der eine Frau im Türrahmen steht und ganz offensichtlich von unsichtbaren Drähten nach hinten gerissen wird, als Djangos Schuss sie trifft. Tarantino inszeniert diese Gewalt ironisch übertrieben. Übertrieben, weil es diese Gewalt in der Realität nicht gegeben hat. Die großen Aufstände von versklavten Menschen sind ausgeblieben. Der Schwarze Cowboy, der die Sklaverei beendet, ist ein Märchen.

Die neue Prime-Video-Serie Hunters bedient sich einer ähnlichen Stilistik wie Tarantinos Django Unchained. Die titelgebenden Hunters sind eine Gruppe jüdischer Menschen, die im Sommer 1977 Nazis jagen, die es irgendwie aus Deutschland herausgeschafft haben – und jetzt ein Schattendasein in den USA fristen. Sie richten Gartenpartys aus, vertonen Kinderlieder und arbeiten bei der NASA. Und sie alle werden von den Hunters abgemetzelt. Auf übertriebene Art und Weise. Und auch diese Rache nehmenden Jüd*innen, klar, hat es nicht gegeben.

Die Charaktere sind interessant, die Story dümpelt dahin

Die Idee ist erst mal spannend. Und dass Hunters neben der rohen Gewalt auch viel von jüdischer Kultur und Tradition vermittelt, ist interessant. Die Tora wird zitiert, religiöse Rituale abgebildet und auch die jüdische Geschichte wird immer wieder aufgegriffen: vom Auszug aus Ägypten bis zu den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs.

Hunters verortet seine Charaktere in jüdischer Geschichte mit einer gewissen Comicbuch-Coolness, die den Charakteren anfangs sehr gut zu Gesicht steht. Die Figuren sind stark und interessant. Im Mittelpunkt steht der junge Jonah Heidelbaum (Logan Lerman), dessen Großmutter, eine Holocaust-Überlebende, bei einem Überfall getötet wird. Als Jonah herausfindet, dass sie einem Geheimbund von Nazijägern angehört hat, will er mitmachen und trifft auf den Anführer Meyer Offerman (Al Pacino).

So interessant die Figuren sind, schleppen sie sich bald von Szene zu Szene. Auf sexistische Witzchen folgen seltsame Comedy-Einlagen. Der absolute Tiefpunkt ist Josh Radnor, bekannt als Ted Mosby aus How I Met Your Mother. Den Filmstar und ladies‘ man kauft man ihm schon nicht ab; dass er ein Meister der Verkleidung sein soll, noch weniger. Gerade tonal weiß Hunters leider nie so richtig, was die Serie denn nun sein möchte: düstere Graphic Novel? Bro-Comedy? Jewsploitation?

Nazis sind nicht cool – hat Hunters das verstanden?

Und dann ist da diese übertriebene Brutalität. Sie wäre wie bei Tarantino ein cleveres Stilmittel, wenn sie nur in die eine Richtung eingesetzt würde: wenn die Hunters Nazis metzeln. Aber die Serie inszeniert gleichermaßen die Nazis als coole Villains. Wir sehen ultrabrutale Tötungsorgien in Konzentrationslagern, ein aufstrebender Nazi-Handlanger erinnert viel zu sehr an Jarvier Bardems lässigen Killer aus No Country for Old Men.

Hunters ist ein bisschen zu fasziniert am Nazikitsch. So wie Der Spiegel neulich Björn Höcke zum übermenschlichen Monster stilisiert hat, haben die Hunters-Macher*innen scheinbar auch Hitler, Göring und Göbbels als Actionfiguren bei sich im Schrank stehen.

Wenn in Django Unchained Schwarze Menschen von Hunden zerfleischt werden, zeigt Tarantino das nicht ironisch übertrieben. Das bildet er nur in winzigen Ausschnitten ab – in aller Brutalität und Härte. Weil es diese Gewalt wirklich gegeben hat. Hunters hat diesen Unterschied leider nicht verstanden.


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