Neue Musik: So klingt das Coming-of-Age-Album eines 37-Jährigen

Die musikalischen Neuerscheinungen der Woche beweisen: Für manches ist es nie zu spät.

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Albrecht Schrader hat ein Coming-of-Age-Werk veröffentlicht. Mit 37. Foto: © Frederike Wetzels / Koralle Blau

Ihr habt in Sachen musikalische Neuerscheinungen völlig den Überblick verloren? Wir bringen zusammen mit detektor.fm und deren Podcast Keine Angst vor Hits etwas Licht in den Musikdschungel: Jede Woche servieren wir euch hier jeweils drei hörenswerte frische Alben und Songs.

Anderson .Paak veröffentlicht einen Song-gewordenen Live-Ticker, Albrecht Schrader hat mit 37 sein Coming-of-Age-Album gemacht, Noga Erez hat keine Lust auf Fernsehen und Nadine Shah nimmt überkommene Geschlechterklischees auseinander. Außerdem: Der Global Pride Day online. All das und mehr in Keine Angst vor Hits:

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Neue Alben

Khruangbin – Mordechai

Das texanische Trio Khruangbin ist in letzter Zeit sehr beschäftigt gewesen. Nach einer ausgedehnten Tour rund um den Globus zum letzten Album Con Todo El Mundo ist erst im Februar die EP Texas Sun mit Soulsänger Leon Bridges erschienen. Jetzt kommt das dritte Studioalbum Mordechai, auf dem sie ihren lässigen Mix aus persischem Funk, ostasiatischem Surf-Rock und jamaikanischem Dub um eine Spur leicht anrüchige Nouvelle Vague oder obskure Details wie indische Mantra-Chanting-Boxes erweitern. Mit Texten bekommt ihre eskapistische Musik eine neue Tiefe, ohne ihren nomadischen Spirit zu verlieren.

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Nadine Shah – Kitchen Sink

Die britische Musikerin Nadine Shah nimmt kein Blatt vor den Mund. Sie verpackt sperrige Themen wie Rassismus, Sexismus oder psychische Gesundheit in post-punkige Indierocksongs und war damit schon für den Mercury Prize nominiert. Auf ihrem vierten Album Kitchen Sink nimmt sie sich überkommene Geschlechterklischees vor: die vernachlässigte Trophy Wife oder die Cougars – Frauen, die mit jüngeren Männern zusammen sind. Das tut sie glücklicherweise nicht verbissen und faustschüttelnd, sondern mit viel Humor, verspielt und gleichzeitig tiefgründig. Musikalisch setzt sie das in Pop/ Postpunk um, den sie mit orientalischen Einsprengseln wie indischen Tabla-Trommeln anreichert.

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Albrecht Schrader – Diese eine Stelle

Albrecht Schrader kommt aus Hamburg und ist schon eine Weile im Musikgeschäft: 2012 ist seine Debüt-EP erschienen, bekannt geworden ist er als Bandleader von Jan Böhmermanns Neo-Magazin-Royale-Show. Sein zweites Album Diese eine Stelle ist ein spätes Coming-of-Age-Werk, in dem er endlich die Scham des gehobenen familiären Background zwischen Elbchaussee und Blankenese verarbeitet. Und zwar ganz unironisch. Im Musikzimmer-Interview hat er Moderator Christian Erll auch verraten, warum ihn Rockmusik langweilt. Auf Diese eine Stelle verbindet Schrader Soul gekonnt mit Schlager.

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Neu in der Playlist

Noga Erez – NO News on TV

Noga Erez hat kürzlich schon mit Views die Unsitte thematisiert, sich Social-Media-Follower*innen zu kaufen. Co-Schreiber, -Komponist und -Producer war Ori Rousso, mit dem sie auch bei diesem Track zusammenarbeitet. Auch die Medien und wie wir sie nutzen kritisiert Noga Erez weiter. Und fragt sich: Wie wäre das eigentlich, wenn wir Handy und Fernseher komplett abschalten würden? Wegen der Corona-Ausgangsbeschränkungen hatte die Künstlerin aus Israel Zeit, das auszuprobieren. Und so ist NO News on TV eine Art Gedankenexperiment. Und das Einzige was vom TV bleibt, ist der leicht werbejingelige, moderne Popsound.

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Anderson .Paak – Lockdown

Die Proteste in den USA gegen Rassismus und Militarisierung in Polizei und Behörden laufen nun schon seit einigen Wochen. Das ist natürlich nicht verwunderlich. Denn als Schwarzer oder Schwarze in den USA muss man auch heute noch, Hunderte Jahre nach dem Ende der Versklavung, jeden Tag damit rechnen, dass der eigene Staat und dessen Repräsentant*innen eine*n mies behandeln oder sogar umbringen. Ausnahmekünstler Anderson .Paak hat mit Lockdown den Song zur aktuellen Situation auf den Straßen der US-amerikanischen Städte gemacht. Der Sound ist – typisch für Anderson .Paak – groovig-soulig, die Message eher rebellisch. Und der Song insgesamt eine Art Newsticker der letzten Tage und Wochen.

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Bright Eyes – Mariana Trench

Conor Oberst hat vermutlich tausende Songs geschrieben. Aber noch nie einen mit Dudelsack, weswegen er mit seiner Band Bright Eyes nach einer jahrelangen Pause bereits vor einigen Wochen in Keine Angst vor Hits zu hören war. Auch ohne weitere Dudelsäcke scheint Oberst den Bright Eyes ein Sound-Update geben zu wollen. Folk-Pop 2.0, quasi. Die etwas angereicherte Produktion ist auch in Mariana Trench vernehmbar, während Oberst – wie gewohnt – weltschmerzend singt. Und zwar darüber, wie unsere Symbole und Auswüchse moderner Zivilisation zerfallen, während der Mariannengraben und Mount Everest uns mit ihrer Größe überdauern werden.

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Den Musikpodcast Keine Angst vor Hits könnt ihr hier hören und abonnieren. Und wer der gleichnamigen Spotify-Playlist folgt, bekommt noch mehr Tipps.