Neue Woche, neue Musik: The Streets und Jamie xx melden sich zurück

Die Krise scheint einige Künstler*innen kreativ werden zu lassen, um die es zuletzt still geworden war: Es gibt neue Songs von Mike Skinner, Alison Mosshart und Jamie xx.

All My Friends Music Festival 2018
Jamie xx veröffentlicht diese Woche den Clubtrack Idontknow. Foto: © Christopher Polk / Getty Images

Ihr habt in Sachen musikalische Neuerscheinungen völlig den Überblick verloren? Wir bringen zusammen mit detektor.fm und deren Podcast Keine Angst vor Hits etwas Licht in den Musikdschungel: Jede Woche servieren wir euch hier jeweils drei hörenswerte frische Alben und Songs.

Lido Pimienta mixt Cumbia und Elektrobeats, hinter Husten verbirgt sich geballte muskalische Kompetenz und Shabazz Palaces pfeifen auf die 30-Sekunden-Regel von Spotify. Außerdem fragt sich die Musikredaktion: Wann können wir wieder auf Konzerte gehen? All das und mehr in der neuen Folge von Keine Angst vor Hits.

Drei neue Albenempfehlungen

Lido Pimienta – Miss Columbia

Das dritte Album der kolumbianisch-kanadischen Sängerin Lido Pimienta ist ein ironischer Liebesbrief an Kolumbien. Die afro-indigene, queere Musikerin und bildende Künstlerin liebt zwar ihre Heimat, lehnt den verbreiteten Machismo und Korruption aber selbstredend ab. Diese Themen greift sie auch in ihren neuen Songs auf, die eine Mischung aus Slow-Cumbia, Elektro-Pop und Anden-Folk sind. Ihre Anfänge hatte sie als Frontfrau diverser Metal- und Punkbands, bevor sie die afro-kolumbianische Band Sexteto Tabalá entdeckte, bei der sie als Sängerin einstieg. Die sind auch auf ihrer neuen Platte mit dabei.

Shabazz Palaces – The Don of Diamond Dreams

Shabazz Palaces ist ein Afrofuturist-Hiphop-Duo aus Seattle, bestehend aus Sänger und Produzent Ishmael Butler und Multiinstrumentalist Tendai „Baba“ Maraire. 2011 ist ihr Debütalbum Black Up erschienen, das von Pitchfork kürzlich unter die 200 besten Alben der 2010er gewählt wurde. Ihr neues Album The Don of Diamond Dreams hat auch Elemente zeitgenössischer Rapmusik, aber eine herkömmliche Hip-Hop-Platte ist es lange nicht.

Das Album ist voller Roboter-Vocoder, verfremdeter Synthesizer und verzerrtem Auto-Tune. Die Songs sind sowohl durchdacht als auch spontan. Shabazz Palaces zeigen, dass sie bereit sind, immer wieder etwas komplett Neues zu wagen.

Husten – Wohin wir drehen

Hinter Husten verbergen sich Gisbert zu Knyphausen, Moses Schneider und Tobias Friedrich alias der dünne Mann. Die Idee zur Band entstand, als Schneider und Friedrich gemeinsam am Soundtrack zur Verfilmung von So was von da arbeiteten. Sie haben kurzerhand zu Knyphausen mit ins Studio und geholt und fortan an gemeinsamen Songs gearbeitet. Der Plan lautet, jedes Jahr eine EP rauszubringen, Wohin wir drehen ist Nummer vier. Ihre Songs bewegen sich zwischen Indie, Singer-Songwritertum und alternativem Pop – mal melancholisch, mal beschwingt, mit berührenden und komischen Texten von Gisbert zu Knyphausen.

Drei neue Songs für deine Playlist

The Streets & Tame Impala – Call My Phone Thinking I’m Doing Nothing Better

Das Debütalbum Original Pirate Material von Mike Skinner alias The Streets war 2002 wegweisend. Es funktioniert auch heute noch wegen der luziden Mischung aus heimproduzierten UK Garage Sounds, schnodderigem Sprechgesang und Tresenpoesie über Binge Drinking, Raves in Industriehallen und Großstadtleben. Vor zehn Jahren hat Skinner The Streets wegen Ideenlosigkeit vorübergehend eingestellt. Nach zwei einzelnen Überraschungstracks vor einiger Zeit hat er nun ein komplettes The-Streets-Mixtape angekündigt. Auf dem wird er eine große Bandbreite anderer Künstler*innen featuren. Gleich der erste ist ein Knaller: Kevin Parker von Tame Impala singt mit seiner kristallinen Stimme die Hook von Call My Phone Thinking I’m Doing Nothing Better, während die beiden im Video weitere Künstler*innen abtelefonieren, die auf dem Mixtape erscheinen werden.

Alison Mosshart – Rise

Auch Alison Mosshart hat länger nichts mehr mit ihren Bands The Kills oder The Dead Weather veröffentlicht. Jedenfalls nicht musikalisch. In anderen Kunstgefilden war sie aktiver. Unter anderem hat sie auf der Art Basel ausgestellt und aktuell ein Buch in Planung, das CAR MA heißen soll. Schon im Titel des Buches wird Mossharts Faszination für Autos deutlich, gleiches gilt für das Video zu ihrer ersten Soloveröffentlichung Rise. Die musikalische Idee dazu ist schon 2013 entstanden, aber erst kürzlich als Song in der Facebook-Webserie Sacred Lies veröffentlicht worden.

Das Video hat Mosshart am heimischen Rechner zusammengeschnitten. Darin ästhetisiert sie auf ganz sonderbare Weise ihre Amateurinnenaufnahmen aufgemotzter Lowrider-Schlitten und singt dazu rauchend und alkoholisch leicht angeschossen in die Kamera. Rise ist übrigens nur eine kleine Fingerübung während der Isolation und keine Ankündigung einer Soloplatte. Stattdessen will sie wieder mit The Kills aufnehmen.

Jamie xx – Idontknow

Und der dritte Künstler, der nach längerer Pause wieder von sich hören lässt: Jamie xx. Seit Herbst letzten Jahres geistert dieser Track schon durch die Clubs. Elektronikgrößen wie Four Tet oder Caribou bauten ihn in ihre Sets ein. Nur wusste keiner offiziell, wer der Künstler dahinter ist. Jamie xx hat nun das Geheimnis gelüftet. Der Mitgründer von The xx hat einige Zeit verstreichen lassen seit seinem Soloalbum In Colour 2015, das unter anderem für den Mercury Prize nominiert wurde.

Ein neues Album mit seiner Band ist angedacht, aber noch nicht sonderlich konkret. Stattdessen releast Jamie seinen zappeligen, überreizten Clubtrack Idontknow diese Woche auch offiziell. Ein Video dazu gibt’s nicht. Nur die reine anspruchsvoll-sperrige Elektroproduktion mit viel innerer Dynamik.

Hier könnt ihr euch die Playlist des Podcasts nochmal anhören: