Neue Woche, neue Musik: Die perfekten Songs zum Ver- und Entlieben

Egal, ob ihr auf Wolke sieben schwebt oder euch lieber völlig von jeglichen Liebesdingen ablenken wollt: Bei den musikalischen Neuerscheinungen der Woche ist alles dabei.

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Liebe kann so schön sein – und so schrecklich zugleich. Foto: Anna Shvets / Pexels | CC0

Ihr habt in Sachen musikalische Neuerscheinungen völlig den Überblick verloren? Wir bringen zusammen mit detektor.fm und deren Podcast Keine Angst vor Hits etwas Licht in den Musikdschungel: Jede Woche servieren wir euch hier jeweils drei hörenswerte frische Alben und Songs.

Die britischen Postpunker IDLES fragen „Do you hear that thunder?“ (keine AC/DC-Referenz), Ric Wilson kämpft wie die Bürgerrechtlerin Ida B. Wells und Phoebe Bridgers will kein Punisher sein. Außerdem: Höme – Das Festival of Festivals. All das und mehr in Keine Angst vor Hits:

Neue Alben

Phoebe Bridgers – Punisher

Die 25-jährige Phoebe Bridgers ist zuletzt vor allem durch ihre vielen Kollaborationen im Gespräch gewesen, unter anderem mit Conor Oberst als Better Oblivion Community Center oder als Boygenius mit Julien Baker and Lucy Dacus. Zwischendurch hat sie noch Zeit gehabt, eigene Songs zu schreiben, die auf ihrem zweiten Album Punisher zu finden sind. Darauf bedient sie sich einer breiteren Klangpalette, ergänzt mit E-Gitarren oder Synthesizern ihren skeletthaften Emofolk. Der Sound ist erwachsener und selbstbewusster und nicht mehr ganz so trübsinnig wie auf ihrem Debüt, aber es schwingt immer noch eine Untergangsstimmung mit.

Braids – Shadow Offering

Braids ist eine Artpop-Band aus Montreal, die es seit 2006 gibt. Für ihr letztes Album Deep in the Iris haben sie den JUNO Award Alternative Album Of The Year gewonnen. Die Songs auf ihrem vierten Album Shadow Offering finden sich zwischen ätherischem Dream- und groovendem Synthiepop wieder. Es geht ums Verlieben, Entlieben und toxische Beziehungen. Im Zentrum steht der Gesang von Raphaelle Standell-Preston und drumherum verweben Braids organische und elektronische Elemente. Dazu passt die klare und knackige Produktion von Chris Walla. Die emotionalen Songs sind eine Einladung, sich dem Melodrama hinzugeben, nichts zum Nebenbei-Hören.

Pabst – Deuce Ex Machina

Das Berliner Trio Pabst macht seit 2016 Songs zwischen Garage- und Stoner-Rock. Mit ihrem Debütalbum Chlorine konnten sie 2018 ein erstes Ausrufezeichen setzen, waren als Opening Act mit u. a. Kadavar und Drangsal auf Tour. Auf dem Nachfolger Deuce Ex Machina schütteln sie ihren fuzzy Gitarrencocktail nochmal ordentlich durch und schielen eventuell auf den Schwedenrock der frühen 2000er. Die breitschultrige Produktion von Moses Schneider tut ihr Übriges. Pabst erfinden das Rock’n’Roll-Rad zwar nicht neu, singen dafür mit Augenzwinkern vom Pleitesein in Berlin oder glorifizieren hedonistischen Medikamentenkonsum.

Neuwa für eure Playlist

IDLES – Grounds

Pleitesein als Lifestyle abzufeiern wie Pabst ist eine Art, Punk-Attitüde Ausdruck zu verleihen. Ein aktueller Gegenentwurf stammt aus Bristol: Grounds von den IDLES ist der musikgewordene Moment kurz vor einem vernichtenden Wutausbruch. „Do you hear that thunder?“, fragt Sänger Joe Talbot und ja, dass sich hier ein Gewitter ankündigt, ist nicht zu überhören. Dass es sich nicht gleich beim ersten Refrain entlädt, sondern der Druck über den ganzen Song hinweg aufrechterhalten wird, macht seinen Reiz aus. Der Wolkenbruch folgt dann am 25.9.: Dann erscheint mit Ultra Mono das inzwischen dritte Album der Band. Das Gewitter, das die IDLES hier vertonen, entspricht offenbar den aktuellen Protestbewegungen rund um den Globus. Nicht umsonst heißt es in dem Song: „I raise my pink fist und say black is beautiful.“

Ric Wilson – Fight like Ida B & Marsha P

Von der Revolution zu singen kann auch tanzbar sein: Der Chicagoer Hip-Hop-Künstler Ric Wilson verfolgt in seiner aktuellen Single Fight like Ida B & Marsha P einen Sound-Entwurf zwischen Funk, House und zeitgemäßer Rapmusik. Gewidmet ist das Stück Ida B. Wells, Heldin der US-amerikanischen Bürger*innenrechtsbewegung und der schwarzen LGBTQIA-Aktivistin Marsha P. Johnson. „The liberation of black womxn and black trans womxn lead to the liberation of all black people“, schrieb Wilson kürzlich auf Twitter. Mit Fight like Ida B & Marsha P will er diese für viele unsichtbaren Held*innen sichtbar machen. Dabei ist der Song auch musikalisch ein Stück kulturelle Rückeroberung: House-Musik stammt schließlich aus der schwarzen Queerszene der USA.

Guerilla Toss – Human Girl

Artrock, Postpunk oder anti-patriarchaler Pop – es gibt viele mögliche Stempel für die New Yorker Band Guerilla Toss, doch wirklich treffend ist keiner. Fest steht: Hier werden Grenzen überschritten, und zwar in jeder Hinsicht. Genregrenzen sowieso, aber auch die Grenzen unserer Hörgewohnheiten. Auch textlich ist Human Girl verwirrend: Es geht offenbar um Nähe-Distanz-Probleme in einer Beziehung. Die Besungene ist mal Reptil, dann ein menschliches Mädchen und auf dem Cover ein Hund – alles klar soweit? Für Ohren mit weniger musikalischer Kampferfahrung ist das erstmal schwer auszuhalten – dafür aber auch langlebiger als eingängiger Ohrwurm-Pop.

Den Musikpodcast Keine Angst vor Hits könnt ihr hier hören und abonnieren. Und wer der gleichnamigen Spotify-Playlist folgt, bekommt noch mehr Tipps.

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