Neue Woche, neue Musik: Dieses Zoom-Musikvideo müsst ihr sehen

Während der vergangenen Wochen musste auch die Musikindustrie etwas umkrempeln. Die Band Thao & The Get Down Stay Down der queeren Sängerin Thao Nguyen hat das kreativ genutzt.

zoom-musikvideo-detektor-fm-hits
Kreative Musikvideo-Idee. Screenshot: © Thao & The Get Down Stay Down / YouTube

Ihr habt in Sachen musikalische Neuerscheinungen völlig den Überblick verloren? Wir bringen zusammen mit detektor.fm und deren Podcast Keine Angst vor Hits etwas Licht in den Musikdschungel: Jede Woche servieren wir euch hier jeweils drei hörenswerte frische Alben und Songs.

Einstürzende Neubauten veröffentlichen zum 40. Bandjubiläum ein neues Album, Everything Everything kritisieren die Konsumgesellschaft und Tkay Maidza ist der neue Stern am australischen Hip-Hop-Himmel. Und: Konzerte im Auto – eine Alternative in Covid-19-Zeiten? All das und mehr in der neuen Folge von Keine Angst vor Hits:

Neue Alben

Thao & The Get Down Stay Down – Temple

Thao & The Get Down Stay Down ist das Projekt von Thao Nguyen. Die Sängerin und Songwriterin hat 2005 ihr erstes Album veröffentlicht mit Songs zwischen Alternative, Folk und Rock. Das neue Temple ist ihr Coming-out-Album. Lange hat sie ihre queere Identität vor ihrer Familie geheim gehalten, vor allem aus Angst vor deren Reaktion. Jetzt kann sie endlich ihre ganze Persönlichkeit zeigen – Publikum und Familie. Das neue Album ist voller etwas exzentrischer, unkonventioneller Pop-Rock-Songs mit Dancehall-Beats, Hip-Hop-Grooves, Synthesizern und twangy Gitarrenlicks. Das Video zu Phenom war für die Washington Post übrigens das „erste großartige Zoom-Musikvideo“.

Perfume Genius – Set My Heart On Fire Immediately

Perfume Genius heißt bürgerlich Mike Hadreas und ist vor einer Weile von Seattle nach Los Angeles gezogen. Auf seinem fünften Studioalbum Set My Heart On Fire Immediately widmet er sich den Themen Maskulinität, traditionelle Geschlechterrollen und Körperlichkeit. Er vermischt eine große Palette an Einflüssen der amerikanischen Popkultur – von Cyndi Lauper bis Elvis – und bindet sie in seinen ganz eigenen Pop-Kanon ein. Im Gegensatz zum fordernd-aufbrausenden Albumtitel sind seine Songs zwar intensiv und selbstbewusst, aber recht zurückgenommen; also eher: Warm Up My Heart, Slowly.

Einstürzende Neubauten – Alles in allem

1980 hat Blixa Bargeld Einstürzende Neubauten in Berlin gegründet. Aus finanziellen Gründen spielten sie am Anfang auf Schrott und Alltagsgegenständen und inszenierten eine apokalyptische Sicht der Welt. Ihr Mix aus Industrial, Noise und Experimentalmusik ist über die Jahre und eine unübersichtliche Anzahl von Veröffentlichungen zugänglicher geworden. Mittlerweile bespielen die Neubauten große Konzerthäuser. Ihr erstes Studioalbum seit zwölf Jahren Alles in allem ist – trotz des Titels – keine Rückschau oder Best-of. Sie benutzen immer noch Rohre und schwingende Bleche für ihre Musik, aber auch mit Nudeln gefüllte Taschen und eine Harfe (!) kommen zum Einsatz. Dazu spricht und singt Blixa Bargeld seine interessant-verklausulierten Texte.

Drei neue Songs für die Playlist

Everything Everything – Arch Enemy

Auch Everything Everything wühlen im Schrott. In ihrem neuen Song Arch Enemy sucht ein verirrter junger Mensch nach Gott – aber findet bloß einen Berg aus Müll und Fett, den er stattdessen anbetet. Textlich trifft der Song damit den Zeitgeist: Man denke an die Leute, die vor dem Apple-Store campen, um als erstes das neueste Smartphone in den Händen zu halten – sie haben Gott gesucht, aber nur den Elektroschrott von morgen gefunden. Da grinst der Müllberg aus Arch Enemy und singt: „Consume me …“

Sophie Hunger – Everything is good

Gut konsumierbar ist auch die jüngste Single der Schweizerin Sophie Hunger: Ein musikalisches „Kopf hoch, trotz allem“ auf einem fröhlich hüpfenden Zirkusorgelriff mit trocken-ironischem Text. Das darf einem durchaus zu brav, zu konventionell sein – einen Ohrwurm fängt man sich wohl trotzdem ein. Dafür ist auch ihr Produzent Dan Carey mitverantwortlich, mit dem sie ihr am 28. August erscheinendes Album Halluzinationen aufgenommen hat – und zwar in London, in den legendären Abbey-Road-Studios, wo schon die Beatles aufgenommen haben.

Tkay Maidza – Shook

Tkay Maidza ist die junge Rap-Hoffnung von der anderen Seite des Globus: 2013 trat die damals 17-jährige Australierin mit ihrer Single Brontosaurus ins Rampenlicht – das war eher eine tanzbare EDM-Nummer mit Rap als klassischer HipHop. Für ihre aktuelle Single Shook ließ sie sich vom Sound des US-Hip-Hops der frühen 2000er inspirieren: Der reduzierte Beat, ihr Flow und nicht zuletzt das tanzlastige Video erinnern an Missy Elliot zu ihren besten Zeiten. Ein zeitgemäßes Update eines etwas in Vergessenheit geratenen Sounds.

Hier könnt ihr euch die Playlist des Podcasts nochmal anhören:

https://open.spotify.com/playlist/22jt6qoKTBAvr2y09mdN8b

Die Kommentarfunktion ist ausschließlich unseren Leser*innen von ze.tt gr.een vorbehalten.

Noch keine Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Dein Kommentar ist nur für andere Abonnenten sichtbar. Du erscheinst mit deinem bei Steady hinterlegten Namen und Profilbild. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Es kann ein paar Minuten dauern, bis dein Kommentar erscheint.

Außerdem auf ze.tt