Neue Woche, neue Musik: Mit Ghostpoet gegen den Montagsblues

Ihr seid noch ein bisschen grumpy? Diese frische Musik bringt euch geschmeidig in die Woche.

Woman listening to music at home during coronavirus pandemic
Bring dich mit neuer Musik in Stimmung. Foto: Rawpixel | CC0

Ihr habt in Sachen musikalische Neuerscheinungen völlig den Überblick verloren? Wir bringen zusammen mit detektor.fm und deren Podcast Keine Angst vor Hits etwas Licht in den Musikdschungel: Jede Woche servieren wir euch hier jeweils drei hörenswerte frische Alben und Songs.

Die Texaner*innen Khruangbin verbreiten Disco-Vibes, der musikalische Kassandra-Rufer Ghostpoet vertont albtraumhafte Szenarien und Car Seat Headrest machen jetzt statt vier nur noch ein Album im Jahr. Außerdem: das Berliner Pop-Kultur-Festival im digitalen Raum. All das und mehr in der neuen Folge von Keine Angst vor Hits:

Drei empfehlenswerte neue Alben

Austra – Hirudin

Hirudin ist kein altgriechischer Held und auch keine extraterrestrische Spezies, sondern ein Peptid, das Blutegel absondern, wenn sie das Blut von Menschen saugen. Und es ist auch der Titel des neuen Albums der kanadischen Musikerin Austra. Das ist das Projekt von Katie Selmanis, die 2011 ihr erstes Album veröffentlicht hat. Sie benutzt den Blutsauger-Titel, weil sich das Album mit ihren Erfahrungen einer toxischen Beziehung beschäftigt, in der einer die*den andere*n aussaugt, sagt Selmanis. Sie kombiniert elektronischen, leicht experimentellem Pop mit sehr persönlichen Texten, flächigen Synthie-Arrangements und Beats.

Car Seat Headrest – Making A Door Less Open

Car Seat Headrest ist das Projekt von Will Toledo. 2010 hat er angefangen unter diesem Namen Musik zu machen und innerhalb eines Jahres vier Alben veröffentlicht. Mittlerweile ist Car Seat Headrest eine Band und die Output-Dichte nicht mehr ganz so hoch. Bzw. verteilt Toledo seine Ideen nicht mehr auf mehrere Alben, sondern packt sie einfach in ein paar Songs. So geschehen bei Making A Door Less Open, das u. a. Folk, Punk, Pop, Hip-Hop und Sample-Experimente mit zerschnippeltem Gesang enthält. Das ist einerseits originell, andererseits wirkt es sehr nervös. Die Songs springen hin und her und lassen kaum Zeit zum Durchatmen.

Ghostpoet – I Grow Tired But Dare Not Fall Asleep

Mit dem letzten Album Dark Days + Canapés war Ghostpoet für den renommierten Mercury Prize nominiert. Auf dem Nachfolger I Grow Tired But Dare Not Fall Asleep betreibt er bedrückende Gegenwartsanalyse. Er verwendet dazu u. a. ein stoisches Schlagzeug, heulende Violinen, ein seufzendes Cello, Fieldrecordings, zuckende, schneidende Gitarren und Noise-Ausbrüche. Seine Themen sind die Sucht nach Likes in den sozialen Medien, Migration, Rassismus und Männlichkeitsbilder. Seine Songs sind dringlich, voller dunkler Texturen, düsterer Grooves und charakteristisch zurückgenommener Vocals, deren Wirkung dafür umso nachdrücklicher ist.

Drei frische Songs für eure Playlist

Jessy Lanza – Face

Die kanadische Electro-Produzentin Jessy Lanza hat mit Pull My Hair Back (2013) und Oh No (2016) bislang zwei Alben gemacht, die auf den Kritikerlisten von The Guardian und New York Times weit oben standen. In ihrem neuen Song Face bändigt sie die nervös tickenden Synthie-Samples ihres Mitproduzenten Jeremy Greenspan von Junior Boys und macht daraus eine eingängige Glitch-Pop-Nummer. Textlich spekuliert sie darin über die Frage, was man aus den Gesichtern von Fremden herauslesen kann. Die Single ist die zweite Vorveröffentlichung von ihrer dritten LP All the Time, die Ende Juli erscheinen soll.

Khruangbin – Time (You and I)

Zusammen mit Leon Bridges haben Khruangbin bereits Anfang des Jahres auf der Texas Sun-EP ihren gemeinsamen US-Staat besungen. Die Band zieht ihre Einflüsse aber aus Musikstilen rund um den Globus. Quasi die Weltmusik, die cordhosentragende, frühpensionierte Sozialkundelehrer übersehen und überhören. Nun veröffentlichen Khruangbin mit Time (You and I) einen Gute-Laune-Track, der angetrieben wird von Laura Lees präzise groovendem Bassspiel. That’s life! Diesen Satz kann man wie Frank Sinatra mit Blues-Attitüde singen. Oder mit kindlicher Disco-Euphorie wie Khruangbin. Ein neues Album namens Mordechai ist für Ende Juni angekündigt.

Protomartyr – Worm in Heaven

Angefangen haben Protomartyr in den 2000er Jahren in Kellerbars ihrer Heimatstadt Detroit. Mit ihren Songs haben sich die Postpunker eine Menge Fans erspielt bei anderen Vertreter*innen zeitgenössischer Rockgitarren wie IDLES, Parquet Courts oder Bully. Auch der große Iggy Pop hat die Band geadelt und mal als „die beste Band, die wir in Amerika gerade haben“ bezeichnet. Ob laut oder leise – schwermütig, düster oder sogar apokalyptisch sind die Songs immer. Worm in Heaven gehört zu den eher leisen und ist die zweite Vorveröffentlichung vom kommenden Album Ultimate Success Today, das am 29. Mai erscheint.

Hier könnt ihr euch die Playlist des Podcasts nochmal anhören:

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