Neue Woche, neue Musik: Mit Tocotronic, Ghostpoet und The Strokes gegen die Einsamkeit

Während wir zu Hause sitzen, veröffentlichen allerhand Musiker*innen weiterhin ihre Songs. Die Neuerscheinung von Tocotronic könnte kaum besser in diese Zeit passen.

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Tocotronic singen von "Lyrics and Music gegen die Vereinzelung." Foto: © Michael Petersohn

Ihr habt in Sachen musikalische Neuerscheinungen völlig den Überblick verloren? Wir bringen zusammen mit detektor.fm und deren Podcast Keine Angst vor Hits etwas Licht in den Musikdschungel: Jede Woche servieren wir euch hier jeweils drei hörenswerte frische Alben und Songs.

Do Nothing erobern mit ihrer Debüt-EP die Herzen, The Strokes hören heimlich Dr. Alban und Tocotronic verbreiten Hoffnung. Und welche Musik hat man eigentlich in der Mongolei in den 1970ern gehört? All das und mehr in der neuen Folge von Keine Angst vor Hits:

Drei neue Albenempfehlungen

Laura Marling – Song For Our Daughter

Gerade mal 18 Jahren jung war Laura Marling, als sie ihr erstes Album veröffentlichte. Seither hat sie sich mit ihren Songs zwischen Pop, Folk und Singer-Songwriter einen Namen gemacht und war schon mehrfach für den Mercury Prize nominiert. Die Songs für ihr siebtes Album Song For Our Daughter hat sie zum ersten Mal nicht auf Tour geschrieben, sondern zu Hause in London. Der Sound ist üppiger und schwelgerischer, sogar poppig und mit vielen Streicher*innen ausgeschmückt. Im Gegensatz zu vielen Kolleg*innen veröffentlicht sie das Album sogar früher als ursprünglich geplant. Das freut uns.

Pokey LaFarge – Rock Bottom Rhapsody

Pokey LaFarge heißt bürgerlich Drew Heissler und ist ein amerikanischer Songwriter und Sänger, der sich stilistisch zwischen Country, Blues, Folk und Rock’n’Roll einordnet. Auf seinem neuen Album Rock Bottom Rhapsody verarbeitet er Erfahrungen aus dem Alkohol- und Drogensumpf. Er hat nicht nur Songs geschrieben, die von Selbstzerstörung handeln, sondern hat das auch gelebt. Entsprechend unkitschig und authentisch kommen die Stücke daher, die sich mit vollen Händen aus allem bedienen, was das Amerika der 40er und 50er Jahre musikalisch zu bieten hat. LaFarge schaut zurück ohne rückwärtsgewandt zu sein.

Do Nothing – Zero Dollar Bill

Do Nothing ist ein Quartett aus Nottingham. Bislang haben sie eine Handvoll Singles veröffentlicht und mit dem Song LeBron James ein erstes Ausrufezeichen gesetzt. Der Song ist auch auf ihrer Debüt-EP Zero Dollar Bill, auf der sie sich musikalisch irgendwo zwischen LCD Soundsystem, Talking Heads und The Fall befinden. Ihre druckvollen, tanzbaren Postpunk-Songs mit trockenen, misanthropischen Texten haben nicht nur unter BBC-Moderator*innen schon viele Fans.

Drei neue Songs für eure Playlist

The Strokes – Brooklyn Bridge To Chorus

The Strokes waren Anfang des Jahrtausends der Urknall für das Revival der Gitarrenmusik. Nach einer Pause von sieben Jahren, die 2016 nur kurz von der EP Future Present Past unterbrochen wurde, veröffentlicht die Band nun schon den dritten Song binnen kurzer Zeit. Immer noch in Urbesetzung kehren sie weitestgehend zu ihren Anfängen zurück. Sie mischen in Brooklyn Bridge to Chorus allerdings einen etwas aufgekratzten 80er-Synthie dazu.

Ghostpoet – Nowhere To Hide Now

Obaro Ejimiwe, so heißt der britische Künstler Ghostpoet bürgerlich, mag Genre-Zuordnungen nicht. Vehement wehrt er sich dagegen, in die Hip-Hop- oder Trip-Hop-Schubladen gesteckt zu werden, obwohl das häufig passiert. Seine Musik hat durchaus einen starken Massive-Attack-Vibe, lyrisch und atmosphärisch bezieht er sich aber auch auf die Melancholie von Künstler*innen und Bands wie Nick Cave & The Bad Seeds, Joy Division oder Benjamin Clementine. Der düstere Song Nowhere to Hide Now kündigt sein fünftes Album an, das den ebenso dräuenden Titel I Grow Tired But Dare Not Fall Asleep trägt und im Mai erscheinen soll.

Tocotronic – Hoffnung

Den Alltag und das Zusammenleben mit klugen, bisweilen distanzierten Kommentaren versehen, das konnten Tocotronic schon immer. Mit Hoffnung veröffentlicht die Band einen Song, den sie vor über einem Jahr geschrieben und damit die Stimmung zur Corona-Isolation quasi vorhergesehen hat. Das Video arbeitet mit Bildern vormals belebter und beliebter Plätze, die Streichinstrumente verstärken die Tristesse leergefegter Orte. Erst ganz am Ende hellen Text und Harmonien auf. So wird der Song zu einer Art Gebrauchsanweisung zum Durchhalten in einer Zeit von Einschränkung und erzwungener Zurückgezogenheit.

Hier könnt ihr euch die Playlist des Podcasts nochmal anhören:

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