Twitter zeigt: Niemand missbilligt Dinge so schön wie Thomas Mann

Vom Schriftsteller Thomas Mann existieren beinahe nur Fotos, auf denen er grimmig schaut. Was er sich wohl dabei gedacht hat? Ein*e Twitter-User*in hat da einige Ideen.

Thomas_Mann_Schlechte_Laune_Missbilligt

Thomas Mann missbilligt dieses Titelbild. Foto: © dpa

Gibt man in Google „Thomas Mann lächelt“ ein, spuckt die Suchmaschine lauter Bilder aus, auf denen Thomas Mann nicht lächelt. Fast immer sind die dichten Augenbrauen des weltbekannten Schriftstellers (1875-1955) zusammengezogen, die eine liegt manchmal höher als die andere, auf der Stirn bilden sich Sorgenfalten und im Blick zeigt sich – nun ja, was eigentlich? Sorge? Strenge? Man könnte auch denken: Missbilligung. Das zumindest scheint Twitter-User*in reno_blaustein in dem Ausdruck zu lesen. Dazu hat they einen Thread mit verschiedenen Fotos von Mann und den Dingen, die er missbilligen könnte, zusammengestellt: „Thomas Mann missbilligt deinen Podcast“ oder „Thomas Mann missbilligt den offensichtlich selbstgepflückten Blumenstrauß seiner Kinder.“ Mehr als 1.200 Twitter-User*innen gefällt das. 

Auf die Idee sei reno_blaustein (mit dem Pronomen „they“) gekommen, als they Thomas Mann gegoogelt habe. „Mir ist aufgefallen, dass er auf vielen Bildern einen strengen Blick hat. Bei manchen Fotos hatte ich direkt das Gefühl, sie würden über mich urteilen“, sagt reno_blaustein zu ze.tt, „Meine Kommentare zu den Fotos sind nur spontane Einfälle, die sich teils aus Halbwissen über Thomas Mann zusammensetzen.“

Thomas Mann hatte genügend Gründe, grimmig zu schauen

1933 verließ der Literaturnobelpreisträger Thomas Mann Deutschland. Im selben Jahr hatten die Nazis ihn aus dem Münchner Literaturbeirat ausgeschlossen, bei der Bücherverbrennung wurden die Werke seines Bruders Heinrich und seines Sohnes Klaus vernichtet. Mann lebte zunächst in der Schweiz, dann in den USA. Die Familie musste einen großen Teil ihres Vermögens zurücklassen.

Und dann hat Mann natürlich noch den berühmten Gesellschaftsroman Buddenbrooks aus dem Jahre 1901 hinterlassen. Dieser beschert anderen Menschen, die tagelang über diesem Jahrhundert-Wälzer verharren, nicht unbedingt schlechte Laune, aber zumindest steife Nacken. Darin erzählt Mann den Niedergang einer wohlhabenden Familie über vier Generationen. Viele haben in dem Buch Parallelen zur Biografie des Autors erkannt. Thomas Mann hatte also genug Gründe, grimmig zu schauen. Diese Tweets zeigen, wie schön das dennoch mit den richtigen Captions aussehen kann.