#okwallet: Junge Frauen wehren sich auf TikTok gegen sexistische Kommentare

Um auf Beleidigungen zu reagieren, laut denen Frauen „zurück in die Küche“ gehören, hat sich auf der Plattform ein neuer Hashtag etabliert. Dieser ist zwar empowernd, aber auch zu kurz gedacht.

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TikTokerinnen wehren sich gegen Misogynie. Screenshots: © TikTok

Schmink- oder Zeichentutorials, Tanzchallenge, politisches Statement oder einfach nur die eigene Meinung – eigentlich ist es egal, was junge Frauen im Netz posten, irgendjemand fühlt sich immer dazu berufen, den geteilten Inhalt abfällig zu kommentieren. „Geh zurück in die Küche“, „Mach mir ein Sandwich“ oder „Tellerwäscherin“ sind nur einige der Aussagen, mit denen meist Männer Inhalte von Frauen zum Beispiel auf der Plattform TikTok degradieren.

Genau dort wehren sich nun junge Frauen gegen derlei Kommentare, indem sie die Vorstellung traditioneller gesellschaftlicher Geschlechterrollen umdrehen. Mit dem Hashtag #okwallet (wallet zu Deutsch: Geldbörse, Portemonnaie) wollen sie verdeutlichen, wie es sich anfühlt, derart herabgesetzt zu werden. Wenn also die Rolle der Frau auch heute noch darin bestünde, in der Küche zu stehen, Essen zuzubereiten und Geschirr zu spülen, dann wäre die Aufgabe des Mannes, nach wie vor alleine das Geld zu verdienen.

In gewohnter TikTok-Manier wird auch bei diesem Trend getanzt. Die misogynen Reaktionen und Kommentare von männlichen Usern werden dazu eingeblendet.

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Wie genau sich der Hashtag entwickelt hat, lässt sich nicht mehr zweifelsfrei rekonstruieren. Laut NBC News ist es wahrscheinlich, dass die TikTok-Influencerin Haley Sharpe mit einem Video auf ihrem Zweitkanal @Postysdaughter dazu beigetragen hat. Im April postete sie dort ein Video, in dem sie zu einer Audiospur tanzt, in der jemand „Woah! Yankee with no brim“ ruft. Aus besagter Tonspur hatte sich ein Meme entwickelt, das viral ging. Sie habe sich darüber lustig machen wollen, wozu Leute auf TikTok alles Tänze entwickeln, sagte sie gegenüber NBC News.

@postysdaughther♬ This audio got ruined. natebrownell – natebrownell

Unter dem Video häuften sich sexistische Kommentare, die Sharpe vorwarfen, sie habe das Meme „versaut“ und solle als Frau „zurück in die Küche gehen“. Als Reaktion darauf tauchte immer wieder der Begriff wallet auf. Andere junge Frauen begannen außerdem, sich mit eigenen Videos solidarisch zu zeigen, indem sie die Tanzbewegungen von Sharpe imitierten und dafür dieselbe Tonspur verwendeten.

Nicht alle Videos beziehen sich allerdings auf Sharpe – auch unter anderen Beiträgen, mit ähnlichem Hintergrund, findet sich der Hashtag #okwallet. Wichtig scheint es den jungen Frauen zu sein, sich nicht nur gegen misogyne Kommentare zu wehren, sondern gleichzeitig die Reaktionen aufzuzeigen, die wiederum darauf folgen.

@bittniaI put a lil definition for “wallet” at the end just in case 🥰 + this is about a lot of gross situations I’ve seen on this app recently 😤 ##EatEmUp♬ Dear Wallets – bittnia

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@goblinsharkReply to @stevensorensen8 and thats on grown men making fun of teenagers 🤡🤡🤡 ##bald ##critique ##okwallet ##okboomer♬ Charlie used my sound wtf – britishbabyyyy

Dass durch Hashtags etwas in Bewegung gesetzt werden kann, wissen wir spätestens seit #MeToo. Auch das Antanzen gegen toxische Männlichkeit sorgte auf TikTok bereits für Aufmerksamkeit. Zwar seien diese Selbstermächtigungsmethoden junger Frauen in sozialen Netzwerken durchaus effektiv, „aber niemals als einzige Strategie wirksam, weil es Feuer mit Feuer bekämpft, und man so innerhalb der gleichen Parameter stecken bleibt“, sagt Kyla Schuller, Professorin für Frauen-, Gender- und Sexualitätsstudien an der Rutgers University in New Jersey gegenüber NBC News. Inwiefern es sinnvoll ist, auf Klischees wiederum mit Klischees zu reagieren, ist also fraglich. sz