Olivia Jones statt Heidi Klum – Das wünschen sich Dragqueens von „Queen of Drags“

Die US-Reality-Show RuPaul’s Drag Race bekommt einen deutschen TV-Ableger – mit Heidi Klum als Moderatorin. Das kommt in der queeren Szene nicht gut an.

Olivia Jones statt Heidi Klium – Das wünschen sich Dragqueens von der deutschen Drag Race Show

Von Fehlbesetzung bis schon okay: Das halten Dragqueens davon, dass Heidi Klum die deutsche Adaption von RuPauls Drag Race moderieren wird. Collage: www.viviennevillain.de / Kai Heimberg / Melanie Huebner

Nur wenige Stunden, nachdem der Sender ProSieben bekanntgegeben hatte, einen Ableger der US-amerikanischen Castingshow RuPaul’s Drag Race zu starten, gab es bereits eine Petition gegen das Format. Der Grund: Viele Dragqueens und Mitglieder der queeren Szene sind unzufrieden damit, dass Heidi Klum als Moderatorin für die Sendung, die Queen of Drags heißen soll, ausgewählt wurde. Kritiker*innen sprechen von einem Ausverkauf des Formats.

Andere sehen jedoch auch eine Chance darin, dass durch Germany’s Next Topmodel-Moderatorin Heidi Klum das Thema Drag im Mainstream sichtbarer werden könnte. Dennoch: Eine weiße, heterosexuelle cis Frau ist offenbar nicht das, was sich viele Fans der Originalshow erträumt hatten. Wir haben fünf Dragqueens gefragt, was sie von der Show und Heidi Klum als Moderatorin halten.

Dragrace Heidi
Foto: Vivienne Villain, Dragqueen und -performer aus München. www.viviennevillain.de / Instagram: @viviennevillain

Vivienne Villain, Dragqueen und -performer aus München

„Ohne eine Heidi Klum wäre ein Sendeplatz zur Prime Time wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Was wir brauchen, ist ein Format, das Drag als das feiert, was es ist: Eine Kunstform, eine Leidenschaft, die Kombination unzähliger Fähigkeiten und Handwerke, wie Make-up, Frisieren, Schneidern und Schauspiel – um nur ein paar zu nennen –, und nicht zuletzt einer gesellschaftlichen Botschaft.

Der obligatorische Seelenstriptease sollte dazu genutzt werden, LGBTQ-Themen wie Verfolgung, Outing, HIV und Transgeschlechtlichkeit ernsthaft und aus nächster Nähe zu thematisieren und dem breiten Publikum nahe zu bringen. Ob den Produzenten das gelingt, bleibt abzuwarten. Ich wünsche meinen Kolleg*innen auf jeden Fall viel Spaß und Erfolg!“

Draqrace Heidi Klum
Foto: Privat

Amy Strong, Dragqueen aus Berlin

„Die Zuschauer*innen dürfen sich auf unfassbar talentierte Künstler*innen freuen. Ob ProSieben es schaffen wird, unsere Drag- und queere Kultur mit all der History, Hintergründen und Politik vernünftig zu präsentieren, bleibt spannend. Ich schätze Heidi sehr, dennoch hätte ich mir als Mittelpunkt der Jury eine queere Persönlichkeit gewünscht. Eine Person, welche sich seit Jahren für queere Menschen und deren Rechte ausspricht und Wissen über die Kunst der Verwandlung mitbringt – wie zum Beispiel Conchita, Hape Kerkeling, Hella von Sinnen oder gar Barbie Breakout.

Dennoch freue ich mich, dass Conchita gemeinsam mit Bill auch einen Platz in der Jury gefunden hat. Bill bringt viel Modewissen mit und lebt seit jeher mit der Einstellung, dass Kleidung kein Geschlecht kennt. Er war mein größtes Kindheitsidol. An Conchita schätze ich, dass sie sich täglich gegen die Diskriminierung queerer Menschen ausspricht und Wissen über die Dragkultur mitbringt.“

Dragrace Jurassica Parker Heidi Klum
Foto: Kai Heimberg

Jurassica Parka, Dragqueen aus Berlin

„Ich habe aus internen Quellen gehört, dass die Produzenten der deutschen Version ziemliches Trash-TV produzieren, da habe ich natürlich Sorge um den Ausverkauf der queeren Kultur. Dass die Sendung nicht von einer Dragqueen, einem Dragking oder einem anderen Mitglied der queeren Community präsentiert wird, finde ich sehr schade. Das ganze riecht nach Heteronormatisierung eines eigentlich sehr schwulen Formats, damit die Werbekunden nicht abspringen.

Heidi ist eine heterosexuelle Frau, die gerne mal in der Jury hätte sitzen können – aber als Host ist sie eine Fehlbesetzung. Conchita hätte ich gut gefunden, die ist ja jetzt irgendwie mit dabei … Es gibt leider nicht viele deutsche Drag-TV-Gesichter. Da wäre noch Olivia Jones, die ich persönlich mag. Ich könnte sie mir aber nicht als Host vorstellen. Natürlich muss ich jetzt sagen, sie hätten auch mich fragen können! Aber ich hätte denen wohl eher einen Korb gegeben. Ich arbeite sehr ungern mit dem Privatfernsehen.“

Betty BücKse, Dragqueen aus Berlin

„Ich finde es überfällig, dass das Drag Race-Format endlich nach Germany kommt. Wieso hat man nicht Conchita als Moderatorin genommen und Heidi meinetwegen als Teil der Jury? Es gibt so großartige Drags in Deutschland, die als Host toll gewesen wären, wie Kaey, Jurassica Parka und Nina Queer … die Liste wäre endlos.“

Dragrace Heidi Klum
Foto: Melanie Huebner

Polly Puller, Dragqueen aus Berlin

„Die deutsche Drag- und Tuntenkultur lebt von ihrer Vielfalt und Unangepasstheit. Eine Heidi Klum, die zwei Folgen Drag Race geschaut hat und dafür bekannt ist, in ihrer Rolle als geradezu antifeministische Topmodel-Hostess ihre Kandidatinnen bloßzustellen und zu degradieren, kann daher nur eine peinliche Fehlbesetzung sein.

Ich hätte es weitaus passender gefunden, Jury-Anwärterin Conchita Wurst an die Spitze der Show zu setzen. Conchita steht seit Jahren für LGBTQ-Rechte ein und verkörpert das, wofür die europäische Dragszene steht. Vermutlich war das für ProSiebenSat.1 zu heikel – aber was kann man schon vom deutschen Privatfernsehen erwarten?“