Die Olympischen Spiele werden auch 2018 keinen Frieden stiften

Dieses Jahr sollen die Olympischen Spiele sogar dazu beitragen Nord- und Südkorea zu versöhnen. Dabei ist der Name „Friedensspiele“ vor allem eine gut funktionierende Werbestrategie. Ein Kommentar

Eine nordkoreanische Eishockeyspielerin und ein südkoreanischer Bobfahrer tragen die sogenannte "Fahne der Vereinigung" bei der Eröffnungsfeier 2018 ins Stadion. © dpa

Frieden in Bewegung lautet das Motto der diesjährigen Olympischen Winterspiele in der südkoreanischen Provinz Pyeongchang. Der Chef des Internationalen olympischen Komitees (IOC) Thomas Bach wird nicht müde „die einzigartige Kraft des Sports, Menschen zu vereinen“ zu betonen und der Deutsche Olympische Sportbund lässt sich sogar dazu hinreißen, der Sportveranstaltung einen Beitrag zur „Völkerverständigung“ zuzuschreiben.

Um den Mythos Friedensspiele komplett zu machen, sollen die Olympischen Spiele dieses Jahr gar zur Lösung eines der heikelsten, politischen Konflikte weltweit beitragen. Sie sollen Nord- und Südkorea, die seit über 70 Jahren verfeindeten Nationen, versöhnen. Als im Vorfeld der Veranstaltung bekannt wurde, dass Nord- und Südkorea anlässlich der 23. Olympischen Winterspiele Gespräche aufnehmen würden, sagte Bach in einer Pressemitteilung: „Die Vorschläge sind für den olympischen Geist ein großer Schritt nach vorn“.

Die Geschichte der Olympischen Spiele ist gar nicht so friedlich

Ein Blick auf vergangene Winterspiele zeigt, wie unrealistisch und naiv es wäre, zu glauben, die Spiele könnten tatsächlich Frieden bringen und Nord- und Südkorea näher zusammenrücken lassen.

Als die Olympischen Winterspiele 2014 in Russland stattfanden, bereitete das Gastgeberland zeitgleich die Militärintervention auf der Krim vor. Im Nachbarland Ukraine herrschte alles andere als Frieden, aber im Olympischen Komitee schien sich niemand an diesem Paradox zu stören. Ganz im Gegenteil. Die Leistungen der Sportler*innen lenkten zumindest einen Teil der Aufmerksamkeit geschickt von der russischen Außenpolitik ab.

Frieden als Werbestrategie

Dieses Jahr liefen die Teams Nord- und Südkoreas bei der Eröffnungsfeier demonstrativ gemeinsam unter der sogenannten Fahne der Vereinigung ins Stadion ein. Diese scheinbar versöhnliche Geste lässt sich allerdings nicht auf diplomatische Gespräche zurückführen, in denen nachhaltige und langfristige Lösungsvorschläge für den Konflikt gefunden wurden. Sie beruht vielmehr darauf, dass beide Nationen wissen, wie sie die Weltöffentlichkeit am Besten für Eigenwerbung nutzen können.

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Auch das IOC freut sich darüber, denn die scheinbare Harmonie der Erzfeinde passt wunderbar ins Bild des versöhnlichen Sports. Frieden als Werbestrategie, die nie aus der Mode zu kommen scheint. Eine Werbestrategie, von der alle Beteiligten das Internationale Olympische Komitee, Nord- und Südkorea profitieren: Südkorea kann sich außenpolitisch als großzügiges Gastgeberland inszenieren, welches das Problemkind Nordkorea mit offenen Armen empfängt, während Nordkorea umsonst und vor einem Millionenpublikum so tut, als ob es gar kein so schlimmes Regime sei, wie immer berichtet wird.

Der südkoreanische Präsident zeigt sich zu Gesprächen mit Vertreter*innen Nordkoreas bereit und inszeniert sich als diplomatischer Staatsmann, während fröhliche, wohl genährte Besucher*innen aus Nordkorea in den Zuschauerrängen demonstrieren, wie glücklich ihr Land sie macht.

In Wirklichkeit werden aber spätestens Südkoreas Verbündete, die USA, sie davon abhalten die Beziehung zu Nordkorea weiter zu vertiefen. Die USA zeigen aktuell kein Interesse daran, einen Schritt auf Nordkorea zuzutun. Gleichzeitig nutzt Nordkorea den Trubel, um Sanktionserleichterungen zu erwirken und so die atomare Aufrüstung voranzutreiben.

Auch in Südkorea beobachtet man die „Friedensspiele“ argwöhnisch

Dass sich die tief gestörte Beziehung Nord – und Südkoreas nicht so einfach mit einem sportlichen Großevent wiederherstellen lässt, zeigt vor allem der tiefe Graben, der mittlerweile zwischen Nord- und Südkoreaner*innen klafft. Anstelle dass aus Nordkorea Geflüchtete in Südkorea herzlich empfangen würden, begegnen ihnen Vorurteile, die vor allem von den konservativen Parteien Südkoreas geschürt werden. In südkoreanischen Lehrplänen wird die Teilung des Landes nur oberflächlich behandelt und junge Südkoreaner*innen spüren kaum noch politische Verantwortung für die Zustände, denen die Bürger*innen im benachbarten Nordkorea ausgeliefert sind.

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In südkoreanischen Medien wird die Teilnahme Nordkoreas übrigens entgegen des versöhnlichen Öffentlichkeitsauftrittes des Gastlandes heftig kritisiert. Viele in Südkorea stören sich daran, dass die Winterspiele dem nordkoreanischen Kim Jong-Un eine Plattform zur Eigenwerbung finanzieren, ohne dass dabei eine wirkliche Annäherungspolitik erzielt wird, von der auch Südkorea und ihre Verbündeten, die USA profitieren könnten.

Mit dem Ende der Olympischen Spiele wird auch die angebliche Annäherung beendet sein

Nach den Spielen wird wieder alles beim Alten sein. In Nordkorea wird weiter fleißig atomar aufgerüstet und die eignen Bürger*innen werden auch nach dem 25. Februar, dem Ende der Spiele, unter den knappen Lebensmittelrationen und der Missachtung der Menschenrechte leiden müssen.

Wenn die Winterspiele vorüber sind, werden sie die zwei Nationen weder politisch noch emotional zusammen gebracht haben. Zu lange schon sind Nord- und Südkorea mittlerweile geteilt. In Südkorea hat man sich inzwischen an den politischen Status Quo gewöhnt und begonnen, sich mit ihm zu arrangieren. Die harmonische Show der Winterspiele lenkt nur davon ab, dass im politischen Alltag von beiden Seiten wenig für eine tatsächliche Völkerverständigung getan wird. Ändern wird sie nichts daran.