Plogging ist gut für deine Fitness – und für die Umwelt

Joggen und gleichzeitig der Umwelt etwas Gutes tun? Mit dem aus Schweden stammenden Fitnesstrend Plogging geht das. Und zwar so: Während des Joggens sammelt man unterwegs Müll auf. 

Plogging ist gut für deine Fitness – und für die Umwelt

Keep the environment clean. Quelle: Stocksnap / CC0

Es gehört definitiv nicht zu unseren Lieblingsbeschäftigungen, den Müll anderer Menschen wegzuräumen. Aber es gehört auch nicht zu den Aufgaben der Natur, weggeworfene Getränkedosen oder Plastiktüten bald zu kompostieren. Solange einige Mitmenschen achtlos ihren Abfall überall hinwerfen, braucht die Natur eben unsere Hilfe.

Das dachten sich auch kürzlich ein paar Schwed*innen rund um Erik Ahlström: Bei ihren Joggingrunden durch Stockholm fiel ihnen der Müll am Wegesrand auf. Warum, fragten sie sich, rennen wir eigentlich immer daran vorbei und regen uns über die auf, die ihn dahingeworfen haben? Abfall im Gebüsch verrottet quasi nicht und versaut zudem gehörig das unberührte Naturerlebnis. Die Schwed*innen hatten eine Idee: Bei der nächsten Laufrunde nahmen sie Mülltüten mit und sammelten im Vorbeirennen all das Zeug ein, das sie unterwegs entdeckten. Ganz einfach.

Prima Kombi aus Fitnesstraining und Umweltschutz

Dies war der Beginn eines neuen Fitnesstrends, der auch schnell einen Namen hatte: Plogging – eine Mischung aus Jogging und dem schwedischen Wort plocka, was so viel bedeutet wie Sammeln. Also die Kombination aus Joggingrunde und Mülleinsammeln. Praktischerweise klingt plocka auch ein wenig nach dem englischen picking und schnell verbreitet sich die Plogging-Idee auch außerhalb von Schweden.

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Weltweit schnappen sich Jogger*innen nun Laufschuhe und Mülltüten und ploggen alleine oder in Grüppchen los: von Hamburg bis Santiago de Chile, von New York bis Kapstadt. Viele posten anschließend Fotos von joggenden Tütenträgern und prallgefüllten Beuteln auf ihren Social-Media-Profilen.

Überall auf der Welt starten Plogger*innen ihre Laufrunden

„Mit Plogging ins Wochenende starten. Lasst uns die Umwelt schützen und den Planeten retten. Kommt beim nächsten Mal gerne mit!“, schreibt ein Plogger aus Malaysia.

Ähnlich klingt es aus Braunschweig: „Wir konnten in vier Kilometern eine Menge Müll von den Parkanlagen entfernen! Danke für eure Hilfe. Das war mit Sicherheit nicht das einzige Mal!“ bedankt sich Initiatorin Lousia Dellert über Instagram bei ihren Follower*innen nach einer Plogging-Runde. „Man solle keinen Menschen ihren Müll hinterhertragen. Ich finde, dass wir halt einfach cooler sind. Wir können gemeinsam so viel Aufmerksamkeit für das Thema erreichen“, sagt sie.

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Gleichzeitig ist Natasha Athanasiadou in Kapstadt unterwegs: „Ich habe kürzlich Plogging ausprobiert als ich morgens am Strand Joggen war. Es hat nur drei Minuten gedauert, alles aufzusammeln. Plogging ist eine neue Art von Fitness, die dich gesund hält und den Planeten schützt“, postet sie auf ihrem Account. „Besorg dir einfach einen leichten Plastikbeutel, beug dich runter und sammel etwas Müll auf.“ So einfach ist das. Wer es eklig findet, Müll anzufassen, der macht es wie die Profi-Plogger*innen und nimmt ein paar Handschuhe mit. Geht aber auch ohne.

Laufschuhe an, Müllsack schnappen und losploggen

In manchen Gegenden liegt so viel Müll herum, dass man sich mehr bückt als joggt und die Tüten schon voll sind, bevor man überhaupt richtig losgelaufen ist. Daher konzentrieren sich einige Plogger*innen auf bestimmte Müllsorten: Die einen sammeln nur Glas- oder Plastikflaschen, eine Gruppe am Strand konzentriert sich auf Flip-Flops und eine Truppe argentinischer Plogger*innen trabt sogar gleich mit einem gefundenen Sofa aus dem Wald.

Andere sortieren ihre Funde nach Farben oder wiegen die Beutel am Ende, um zu sehen wer den meisten Müll gesammelt hat. „Wenn jeder von uns sich nur ein klein wenig ändert, kann das einen großen Einfluss auf unseren Planeten haben“, schreibt Utku auf seinem Instagram-Account, den er gerade erst eröffnet hat. Ploggingturkey nennt er sich.

Perfektes Intervalltraining: laufen, anhalten, nach Müll bücken, weiterlaufen

Ploggen ist aber nicht nur gut für die Natur, sondern auch für die Figur. Wer bei jedem herumliegenden Kippenstummel, jedem zerknickten To-Go-Becher und jedem Plastikteilchen einfach mal tief in die Kniebeuge geht, der trainiert neben der Ausdauer auch noch andere Muskelgruppen. Die ganz Harten bauen ein paar Squats, Lunches oder Burpees mit ein, anstatt sich zu bücken. Sieht vielleicht ein wenig affig aus, ist aber ein prima Intervalltraining, welches das Herz- und Kreislaufsystem ordentlich in Schwung bringt und die Fettverbrennung ankurbelt.

Wer mehr Muckis an den Armen bekommen will, der stopft seine Mülltüten einfach so voll, dass der Bizeps ordentlich was zum Tragen bekommt. Und warum nicht kurz anhalten und auf den Baum klettern, in dessen Ästen eine Plastiktüte vor sich hin flattert? Ploggen ist also nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch ein nettes Ganzkörper-Workout. Man braucht nur Laufschuhe und einen Müllsack, um loszuploggen. Gut, eventuell noch etwas Coolness, um den Blicken der Passant*innen standzuhalten, die einen für leicht durchgeknallt halten mögen, wenn man mit Müllbeuteln beladen durchs Unterholz prescht.

Selten war Joggen umwelttechnisch so sinnvoll

Plogging löst vielleicht keine Umweltprobleme und ist auch kein Ersatz für eine professionelle, städtische Müllentsorgung oder eine anständige Kindererziehung, die schon den Kleinen beibringt, dass man Abfall in die Tonne und nicht in die Natur schmeißt. Aber es macht fit, hilft der Umwelt und ist die Möglichkeit für jede*n von uns, etwas Kleines dazu beizutragen, dass unsere Welt an ein paar kleinen Stellen wieder sauberer und schöner aussieht. Beachbody inklusive.