Bremer Bürgermeisterin darf nicht an Spendengala teilnehmen – weil sie eine Frau ist

An der Bremer Eiswette dürfen traditionell nur Männer teilnehmen, selbst Bürgermeisterin Karoline Linnert ist unerwünscht. Die kritisiert den Herrenclub auf Facebook.

Frauen unerwünscht: An der Bremer Eiswette dürfen ausschließlich Männer teilnehmen. Bürgermeisterin Karoline Linnert tut ihren Ärger darüber auf Facebook kund.

In Bremen gibt es nicht nur einen Bürgermeister, sondern auch eine Bürgermeisterin: Grünen-Politikerin Karoline Linnert. Foto: Ingo Wagner / dpa

In Bremen legt man großen Wert auf Tradition: Seit 1829 findet in der Hansestadt die sogenannte Eiswette statt, ausgerichtet von einem Verein, in dem ausschließlich Männer als Mitglieder zugelassen sind. Bei der Eiswette, die in diesem Jahr zum 190. Mal stattfand, wird darauf gewettet, „of de Werser geiht or steiht“ – also ob die Weser gefroren ist oder nicht. Bei der öffentlichen Eiswettprobe wird dann traditionell am 6. Januar das Ergebnis überprüft und knapp zwei Wochen später findet das nicht öffentliche Eiswettfest, eine Spendengala für den wohltätigen Zweck, für die Mitglieder des Vereins Eiswette von 1829 statt. 2019 nahmen rund 800 Männer teil. 

Auf der Gästeliste der Spendengala finden sich die Namen wichtiger Politiker, Unternehmer, Personen aus der Wirtschaft – und traditionell auch der des amtierenden Bremer Bürgermeisters. Frauen sind bei diesem Fest nicht erwünscht, denn ein „Herrenabend mit Damen ist ja auch schlecht vorstellbar“ heißt es auf der Webseite des Vereins

Da Bremens amtierender Bürgermeister und Präsident des Senats der Stadt, der SPD-Politiker Carsten Sieling, in diesem Jahr jedoch an der Beerdigung des ermordeten Danziger Bürgermeisters teilnahm, konnte er nicht zum Eiswettfest kommen. Doch in Bremen gibt es nicht nur einen Bürgermeister, sondern auch eine Bürgermeisterin: Die Grünen-Politikerin Karoline Linnert ist die Stellvertreterin des Präsidenten des Senats und neben Carsten Sieling ebenfalls Bürgermeisterin von Bremen.

Unter dem Deckmantel der Tradition

Doch Linnert erhielt keine Einladung zum Eiswettfest – weil sie eine Frau ist. Ihren Unmut darüber tut die Politikerin auf ihrer Facebook-Seite kund und schreibt: „Die Herren der Eiswette legen allergrößten Wert auf Etikette. Das Protokoll spielt dann aber plötzlich keine Rolle mehr, wenn – oh Schreck – die offizielle Vertretung des Bremer Bürgermeisters nun mal die Bremer Bürgermeisterin ist. Wir feiern in Deutschland 100 Jahre Frauenwahlrecht – und die Eiswette hält es unter dem Deckmäntelchen der Tradition noch immer für richtig, Frauen auszuschließen. Dessen ungeachtet wünsche ich den Herren einen schönen Abend.“

Die Herren der Eiswette legen allergrößten Wert auf Etikette. Das Protokoll spielt dann aber plötzlich keine Rolle mehr,…

Gepostet von Karoline Linnert am Freitag, 18. Januar 2019

Doch anstatt Linnert zur Spendengala nachzuladen, äußert sich Vereinspräsident Dr. Patrick Wendisch gegenüber der BILD-Zeitung: „Wir sind ein Herrenclub, machen diesen Gendergaga nicht mit. Selbst der Papst würde nicht eingeladen, wenn er eine Frau wäre.“ Dass nicht alle die Meinung Wendischs teilen, zeigen die Reaktionen auf die Entscheidung der Vereins. Die Bremer Sozialsenatorin Anja Stahmann springt Karoline Linnert bei und erklärt ebenfalls gegenüber der BILD-Zeitung: „Wenn man Bremen unbedingt blamieren will, muss man so weitermachen. 189 Jahre lang war ein Bürgermeister beim Eiswettfest dabei. Das ist auch eine Tradition. Das werfen die Herren jetzt über Bord, nur damit sie unter sich bleiben können.“

Das ist ein Unding.

Katharina Sonntag

Auch die Sprecherin der Grünen Landesarbeitsgemeinschaft Frauenpolitik, Katharina Sonntag, erklärt gegenüber der Bremer Tageszeitung Weser Kurier: „Eine solche Tradition sollte im Jahr 2019 nur dann Platz haben, wenn auch Frauen daran teilnehmen. Dass unter den 800 geladenen Gästen keine einzige Frau dabei ist, geht gar nicht. Das ist ein Unding.“ Der SPD-Politiker Ulrich Mäurer, der ebenfalls zum Eiswettfest geladen war, sagte seine Teilnahme aus Solidarität mit Bürgermeisterin Linnert ab.