Prisonale Kost: Dieser Twitteraccount zeigt, wie Essen im Gefängnis aussieht

Für alle, die nicht wissen, was sie heute kochen sollen: hier ein wenig Inspiration aus der JVA Heidering.

Mjam. Screenshots: Twitter/@Gefngniscuisin1

Ein Zwillingsbrötchen. Zwei Wiener Würste. Eine Blechschüssel mit Nudelsalat. Fein säuberlich aufgereiht liegt das Essen auf einem tiefblauen Hintergrund. Die Anordnung der Nahrungsmittel zeugt von einem symmetriebedürftigen Minimalismus. Verstärkt wird das durch die Vogelperspektive, aus der das Foto aufgenommen wurde.

Was erst mal klingt wie ein neuer Foodblogger*innen-Minimalismustrend oder ein Instagrampost unter dem Hashtag #thingsorganizedneatly, ist offenbar ein Foto aus dem Gefängnis. Genauer: Ein Foto aus der Justizvollzugsanstalt Heidering in der Nähe von Berlin. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, twittern von hier aus drei Inhaftierte Fotos des Essens, das ihnen serviert wird. 22 Fotos haben sie seit August auf ihrem Account Gefängniscuisine veröffentlicht. Alle Bilder haben dieselbe Ästhetik: symmetrisch angeordnetes Essen auf blauem Grund, von oben fotografiert.

Die Bilder sind häufig mit sarkastischen, teilweise auch kritischen Kommentaren versehen. Über einem Bild von einer Blechschale mit Suppe, vier panierten Bällchen unbekannten Inhalts, Reis sowie eines Vanillepuddings mit Schokosoße steht beispielsweise: „#mmmhhh #foodporn in der #jva #heidering“. In anderen kritisiert der Account die Hygiene der JVA und die Größe der Portionen: „Im Kindergarten kommt das immer gut an #nudelnmittomatensoße #kreativ #foodporn in der #jva #heidering für ein Kind wäre die Portion ausreichend.“

Man bekommt fast alles – auch Handys

Was zunächst klingt wie ein witziges Projekt, könnte für die drei Inhaftierten ernste Konsequenzen haben. Smartphones sind in den Justizvollzugsanstalten verboten. Dennoch bekommt man dort fast alles, wie die Leiterin des Untersuchungsgefängnisses Moabit Anke Stein der SZ in einem Interview erzählte. Auch Handys. Wer erwischt wird, dem*der drohen Disziplinarmaßnahmen, zum Beispiel der Entzug von Gegenständen für die Freizeitbeschäftigung oder Besuchsverbot.

Die Stuttgarter Zeitung hat ein schriftliches Interview mit den drei Inhaftierten hinter dem Gefängniskost-Account geführt. Dort erzählen sie, warum sie das Risiko dennoch auf sich nehmen: „Ernährung ist für uns alle ein großes Thema, und die Art und Weise, wie hier mit Ernährung umgegangen wird, ist beängstigend.“

Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, werden die Speisepläne nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zusammengestellt. In der JVA Heidering bekämen die Insassen täglich eine Verpflegung von etwa 2.800 Kilokalorien. Die entspreche dem Bedarf für einen männlichen Gefangenen zwischen 25 und 51 Jahren.

Die Fotos der Gefängniscuisine kommen offenbar gut an. Schon über 800 Nutzer*innen folgen dem Account, den es erst seit August gibt. Es bleibt abzuwarten, ob es den drei Betreibern gelingt, mit ihren Bildern einen Umschwung in der Foodbloggerszene zu bewirken: Minimalismus statt Exotik, Wiener statt Avocadotoast.