Promi-Podcasts: Eine Ode an die Belanglosigkeit

Zwei mehr oder weniger prominente Menschen unterhalten sich – ein schlichtes Podcastkonzept, das als belanglos kritisiert wird. Unsere Autorin hört genau deshalb gern zu. Ein Kommentar

Benjamin von Stuckrad-Barre und Jasna Fritzi Bauer

Schlafen – cool oder uncool? Jasna Fritzi Bauer und Benjamin von Stuckrad-Barre. Foto: Annette Riedl/dpa

Ist es peinlich, den eigenen Namen auf die Lebensmittel im Bürokühlschrank zu schreiben? Ist es okay, nie ans Handy zu gehen? Ist Sonntag der furchtbarste Tag der Woche oder der beste? Fragen, die Schauspielerin Jasna Fritzi Bauer und Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre aktuell einmal wöchentlich besprechen und, wie es der Titel ihres Podcasts Ja Ja, Nee Nee in Aussicht stellt, mit „Ja ja“ oder „Nee Nee“ beantworten. Fragen, die nicht unbedingt die Welt verändern, deshalb bekommt ihr Podcast die Kritik der Belanglosigkeit. Ich höre ihnen genau wegen dieser vermeintlichen Belanglosigkeit gern zu.

Angefangen hat alles mit Jan Böhmermann und Olli Schulz. Sanft & Sorgfältig hieß ihre Radiosendung – ja, Radio, noch nicht Podcast. Ganz altmodisch schaltete ich das Oldschool-Radio an, wenn beide auf Sendung waren. Und ich schaltete etwas widerwillig ein: zwei weiße, fast alte Männer, die mir die Welt erklären? Habe ich so in meinem Umfeld schon genug. Aber irgendetwas sorgte dafür, dass ich immer wieder zuhörte. Auch, als sie ihre Sendung in Fest & Flauschig umbenannten und ihre Radiosendung ein Podcast bei Spotify wurde.

Jan und Olli sind die Väter eines Podcast-Genres, dem Promi-Podcast. Das Konzept könnte schlichter nicht sein: Zwei einigermaßen prominente Leute setzen sich für circa eine Stunde vor zwei Mikrofone und reden miteinander. Die Podcast-Familie wurde in den vergangenen Monaten größer. Charlotte Roche und ihr Mann sprechen in Paardiologie über ihre Beziehung, ihre Gefühle, ihre Sexualität. Benjamin von Stuckrad-Barre und Jasna Fritzi Bauer über die moralischen Fragen des Alltags und die Spielerfrauen Ina Aogo und Mirjana Zuber über, nun ja, ihr Leben als Spielerfrauen.

Meine Widerwilligkeit habe ich inzwischen durch Liebe eingetauscht. Denn die Gespräche, die diese Menschen mir wöchentlich ins Ohr flüstern (Charlotte Roche und ihr Mann) oder ins Ohr rülpsen (Jan Böhmermann und Olli Schulz) sind die Gespräche, die ich hören will. Denn sie zeigen neben unterschiedlichen Perspektiven vor allem eines: Menschlichkeit. „Ich kann nicht gut wohnen“, sagt von Stuckrad-Barre und beschreibt im Detail, wie sein Schreibtisch aussieht. Olli Schulz erzählt, wie er das erste Mal ein Restaurant mit mehr als einem Gang besuchte. Charlotte Roche, wie sie nach einer Affäre alle Freund*innen anrufen musste, um ihnen davon zu erzählen – damit sie es nicht erzählen.

„In Wirklichkeit suche ich eine Verbindung. Ich erzähle meine Geschichten: Ich hab die Eier, von meinem Eisprung zu sprechen, von meiner Sexualität, meinem Fremdgehen, was auch immer. In der Hoffnung, dass Leute kommen und sagen: Bei mir ist das auch so. Du bist ein normaler Mensch. Wir sind Menschen, wir haben das. Völlig weg von einer Moral und einer Bewertung. Gefühle auslösen durch Gefühle mitteilen“, erzählte mir Charlotte Roche in einem Interview kurz vor der ersten Folge ihres Podcasts. Und sie löst es ein.

Letztlich zeigt sich in den Podcasts eine kommunikative Ebene, die zutiefst menschlich ist: Zwei Menschen suchen eine Verbindung. Sprechen miteinander, um abzugleichen: cool oder uncool, gut oder schlecht, bin ich allein oder finden wir zusammen? Das sind Meta-Fragen, die mich interessieren. Wo ist die Spaltung, aber vor allem: Wo treffen wir uns? Im Büro, im Bett oder auf dem Fußballfeld.

Prominenz hin oder her – diese Leute, die sich jede Woche zusammen setzen, sich unterhalten und uns an ihrer Unterhaltung teilhaben lassen, sind Menschen. Ich mag es, dass sie ihre Menschlichkeit zeigen. Mal ironisch gebrochen wie Benjamin von Stuckrad-Barre, mal offen und verletzlich wie Charlotte Roche. Wer Menschen liebt, liebt (Promi-)Podcasts.