Räumung im Hambacher Forst: Die Aktivist*innen werden aus dem Wald getrieben

Seit sechs Jahren leben Aktivist*innen im Hambacher Forst, um die Abholzung des Waldes zu verhindern. Heute begann die Polizei mit der Räumung des Protestcamps.

Die behördlich angeordnete Räumung des Hambacher Forsts hat begonnen. Foto: Christoph Reichwein/dpa

Seit 12.000 Jahren wachsen Bäume in der Gegend, auf der heute der Hambacher Forst liegt. Seit sechs Jahren protestieren Aktivist*innen gegen die vollständige Abholzung des Waldes. Seit heute morgen um 9.00 Uhr hat die Räumung der Protestcamps im Hambacher Forst, nahe Jülich in Nordrhein-Westfalen, begonnen. So lange lief das Ultimatum der Polizei Aachen an die Protestierenden, den Wald freiwillig zu verlassen.

Auf Twitter hatte sie die Aktivist*innen außerdem dazu aufgefordert, den Anweisungen der Polizei Folge zu leisten und ihre Baumhäuser zu räumen. Die Umweltschützer*innen hatten daraufhin gewaltfreien Widerstand angekündigt. Auf Twitter findet sich Videomaterial mit Szenen der Räumung. Es ist zu sehen, wie eine junge Frau von mehreren Einsatzkräften aus dem Bereich entfernt wird.

Räumung aufgrund von Brandschutzvorschriften

Bereits seit Jahren läuft der Streit um den Fortbestand des Hambacher Forsts. Der Energiekonzern RWE möchte das Waldstück roden, um dort Braunkohle abzubauen. Nach erfolglosen Protesten von Greenpeace-Aktivist*innen und Klagen des Bund für Umwelt und Naturschutz gegen die Rodung, besetzten 2012 Naturschützer*innen den Wald. Laut Angaben der Initiative Hambi bleibt! bieten dort über 30 Baumhäuser insgesamt mehr als 70 Schlafplätze für Aktivist*innen. Die Süddeutsche Zeitung sprach von etwa 60 Baumhäusern, die heute von der Polizei geräumt werden sollten. Die Baumhäuser sind ganzjährig bewohnt und werden durch Solarpanele mit Strom versorgt.

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Entscheidend für den endgültigen Beschluss der Räumung waren nicht eingehaltene Brandschutzvorschriften beim Bau der Baumhäuser. Diese stellten laut der Heimat- und Bauministerin Ina Scharrenbach von der CDU eine nicht tolerierbare Gefahr da. Dadurch, dass sie die Baumhäuser zu „baulichen Anlagen“, also offiziellen Behausungen, erklärte, greifen im Hambacher Forst seit Ende August die Auflagen der Bauordnung. So wurde die Räumung des Waldstückes möglich. Heute rückten mehrere hundert Polizist*innen mit Wasserwerfern und sogenannten schweren Raumgeräten, wie Baggern, an. Prognosen gehen davon aus, dass es sich um den größten Polizeieinsatz der Geschichte Nordrhein-Westfalens handeln könnte.

Ende der jahrelangen Proteste?

Der Hambacher Forst ist einer der letzten sogenannten Bürgewälder Deutschlands, die jahrtausende lang ungestört gewachsen sind und darum eine besonders große Vielfalt an Pflanzen und Tieren beherbergen. Darum sehen ihn viele Umweltschützer*innen als besonders schützenswert und setzen sich mit Protestaktionen für den Erhalt des Waldes ein.

Seit der Bekanntgabe der offiziellen Räumung solidarisieren sich viele Aktivist*innen und Anwohner*innen mit den Protestierenden im Hambacher Forst. So wurde laut Angabe des Twitter-Accounts Oaktown unter anderem eine Menschenkette von 12 katholischen und evangelischen Pfarrer*innen von der Polizei weggetragen, die den Zugang der Einsatzkräfte verhindern wollten.

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Der Protest gegen die Räumungen im Hambacher Forst geht weiter. Für den Nachmittag ist eine Demonstration der Klimaschutzinitiative Buirer für Buir in der gleichnamigen Ortschaft in Nordrhein-Westfalen angesetzt.