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Für Sportmuffel: Bei diesen Disziplinen der Olympischen Winterspiele lachst du dich kaputt

Egal, ob bäuchlings durch den Eiskanal, saltoschlagend durch die Luft oder an der Zielscheibe vorbeischießend, Wintersport kann auch Spaß machen. Zumindest vor dem Fernseher. Eine Glosse

Bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang bringt einen sogar das Sportequipment zum Schmunzeln. © Agence Zoom/Getty Images

Alle vier Jahre kehrt mein persönlicher Endgegner der sportlichen Großevents zurück: die Olympischen Winterspiele. Am Freitag startet die 23. Ausgabe im südkoreanischen Pyeongchang. Ich bin in Tirol aufgewachsen. Gibst du dort zu, dass du den Unterschied zwischen Super-G und Riesentorlauf nicht verstehst, schütteln die Leute den Kopf. Wenn du dann sagst, dass du Wintersport generell gar nicht so spannend findest, schütteln die Leute dich.

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Ich bin inzwischen erwachsen geworden. Und deshalb gebe ich dem Wintersport noch eine Chance. Beim Ansehen vergangener olympischer Wettbewerbe ist mir eines klar geworden: Nicht jeder Sport ist spannend anzusehen. Es folgt deshalb eine Auflistung nach Spaßgrad beim Zusehen – damit ihr wisst, für welche der 15 Disziplinen ihr den Fernseher einschalten solltet, wenn ihr zumindest lachen wollt.

Platz 15: Nordische Kombination

Über die Mischung von Skisprung und Langlauf heißt es: „Die nordische Kombination ist die Königsdisziplin des nordischen Skisports.“ Wenn etwas die Königsdisziplin einer Sportart ist, muss ich immer an Lipizzaner denken. Nur: Es gibt keine Pferde bei der nordischen Kombination. Wisst ihr, was es noch nicht bei dieser olympischen Disziplin gibt? Frauen. Sorry, not sorry, nordische Kombinierer, die Lust auf euren Sport ist mir damit vergangen. Meldet euch 2022 wieder.

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Platz 14: Ski Alpin

Leute fahren einen Hang hinunter. Auf Skiern. Wer am schnellsten unten ist, hat gewonnen. Mir ist gerade das Gesicht eingeschlafen, als ich das geschrieben habe. Bevor Ski-Alpin-Fans jetzt böse E-Mails schreiben: Ja, der Sport ist gefährlich. Ja, es erfordert Können und Kraft, sich einen Abhang runterzustürzen. Aber wisst ihr was auch gefährlich und kräftezehrend ist? Gehirn-OPs. Leider werden diese nicht im Fernsehen übertragen. Schade. Ich würde die nämlich um einiges lieber sehen als Ski-Alpin-Wettkämpfe.

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Platz 13: Langlaufen

Im Prinzip gilt für Langlaufen dasselbe wie für Ski Alpin: Es ist ein anstrengender Sport. Die Athlet*innen trainieren das ganze Jahr intensiv für ihre Wettkämpfe. Das macht das Zuschauen dennoch nicht spannend. Warum ich Langlaufen trotzdem besser finde als Ski Alpin: In meiner Kindheit haben aber nur ältere Damen in schicken Jäckchen dem Sport gefrönt. Dass die muskulösen, ernst dreinblickenden Langläufer*innen im Fernsehen etwas mit den rüstigen Rentnerinnen meiner Kindheit zu tun haben, bringt mich immer wieder zum Lachen. Müsste ich darauf wetten, wer mehr Spaß an seiner sportlichen Betätigung hat, würde ich wohl mein Geld auf die Seniorinnen setzen. Go, Oma Gretel, go!

Platz 12: Bobfahren

Klarstellung Nummer eins: Cool Runnings ist für mich heute noch einer der besten Sportfilme aller Zeiten. Dementsprechend enttäuscht war ich, als sich herausgestellt hat, dass nicht in jedem Bob-Wettkampf überraschend ein Underdog gewinnt. Klarstellung Nummer zwei: Ich habe die Koordinationsfähigkeiten einer Kaulquappe. Die Tatsache, dass in Wettkämpfen mehrere Bobfahrer*innen koordiniert wie eine Uhrwerk in einen Bob gleiten, finde ich deshalb sehr bewundernswert. Hier endet meine Begeisterung aber leider schon. Fährt der Bob erst mal mit über 100 Kilometern pro Stunde durch den Eiskanal, ist das nach einiger Zeit eben so langweilig wie einem Uhrwerk stundenlang zuzusehen. Schaut euch lieber Cool Runnings noch einmal an.

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Platz 11: Rennrodeln

Menschen stürzen sich einen Eiskanal hinunter. Klingt bekannt? Nein, es ist nicht Bobfahren, sondern dessen verrückterer Bruder: Rennrodeln. Hier sitzen die Sportler*innen aber nicht im Bob, sondern legen die eisige Strecke auf einem Rodel zurück. Die einzige Erklärung, warum man das ohne eine Ritterrüstung tun sollte, ist, dass man hackedicht auf einer Party ist und jemand sagt: „Traust dich doch eh nicht!“ Sieht man über den Wagemut der Athlet*innen hinweg, bleibt aber dasselbe Problem wie beim Bobfahren: Hat man eine Abfahrt gesehen, hat man sie alle gesehen.

Platz 10: Skeleton

Alle guten Dinge sind drei: Die letzte und waghalsigste Disziplin der Kategorie „Wir fahren Eiskanäle hinunter. Weil: Warum nicht?“ ist Skeleton. Ein*e Athlet*in fährt bäuchlings und mit dem Kopf voraus einen – richtig erraten – Eiskanal hinunter. Allein der Gedanke, was dabei alles schiefgehen könnte, ist beängstigend. Beängstigend ist aber nicht fesselnd. Auch hier wird einem schnell langweilig. Irgendwann fragt man sich: Hat Skeleton etwas mit Skeletor, dem Bösewicht von He Man zu tun? Und würde Skeletor Skeleton fahren?

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Platz 9: Eisschnellauf

Athlet*innen fahren so schnell sie können auf Eislaufschuhen. Sie fahren aber in Elipsen, nach der Hälfte der Strecke wechseln sie deshalb die Spur: Wer innen gelaufen ist, wechselt nach außen und umgekehrt. Das klingt nebensächlich, verwirrt aber beim Zusehen anfangs. Etwa so, wie wenn kleine Kätzchen von einem Laserpointer verwirrt sind. Ist der Spurwechsel verarbeitet, ist Eisschnelllauf aber etwas eintönig. Platz neun hat der Sport, weil er meine Empathie für Kätzchen gesteigert hat. Und weil die durchtrainierten Athlet*innen demonstrieren, dass niemand, absolut niemand gut aussieht in einem hautengen Anzug.

Platz 8: Sportart: Eishockey

Feedback soll man mit der Sandwich-Technik geben: Im Idealfall sind zwischen zwei stabilen Scheiben Positivität ein paar Scheibchen Negativ-Schinken. Also: Eishockey ist nicht langweilig. Da spielen zwei Teams so rasant, dass ich selbst beim Zusehen Herzrasen bekommen habe. Links, rechts, hin, her: Ich habe mich selbst dabei erwischt, wie ich immer wieder mit meinem Körper den Bewegungen des Pucks folge. Leider bin ich so unsportlich, dass das bloße Zusehen mich erschöpft hat. Nach fünf Minuten musste ich aufhören. Mein Herz hat gerast, aber auch mein Hirn ist überfordert gewesen. Es wimmelt und wuselt zu sehr auf dem Spielfeld. Zum Schluss aber etwas Positives: Weil so vieles gleichzeitig passiert (links ein Tor, rechts prügeln sich zwei Typen) erinnert Eishockey an ein Renaissance-Gemälde. Sag noch einer, Sport habe nichts mit Kunst zu tun.

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Platz 7: Biathlon

Ich war versucht, den Biathlet*innen schon von Anfang an den ersten Platz zu geben. Nicht, weil mich die seltsame Kombination von Langlauf und Schießen so fesselt. Eher weil ich Angst habe, irgendwann in einem Wald von Biathlet*innen gejagt und erschossen zu werden. Aber auch wenn ich diese irrationale Angst vor dieser Art von Kombinationssportler*innen ablege, bleibt eine seltsame Faszination für den Sport selbst. Ich schiebe das darauf, dass mein Millenial-Gehirn nur abwechslungsreiche Informationen verarbeiten kann. Biathlon kommt dieser Konzentrationsschwäche mit dem stetigen Wechsel zwischen Schuss und Langlauf sehr entgegen.

Platz 6: Freestyle-Skiing

Es scheint so, als hätte jemand gedacht: „Diese verrückten Sportarten passen in keine andere Kategorie. Lass sie uns zusammenpacken und Freestyle nennen!“ Die Disziplinen reichen von Wettrennen gegeneinander beim Skicross über Halfpipe-Bewerbe für Skifahrer*innen. Was den Spaß für Zuschauer*innen dämpft: Das Verletzungsrisiko für die Athlet*innen ist zum Teil sehr hoch. So war bei den Olympischen Winterspielen 2014 der Prozentsatz von verletzten Sportler*innen bei den Aerials (Athlet*innen zeigen Kunstsprünge) am höchsten. Freestyle-Skiing ist somit wie eine Wundertüte der Olympischen Winterspiele, in der immer mal wieder gefährliche Teile dabei sind: Lustig, aber auch unnötig gefährlich.

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Platz 5: Shorttrack

Beim Shorttrack gewinnt nicht jene Person, die beim schnellen Eislaufen eine bestimmte Zeit unterschreitet. Gewinner*in ist jene*r, der*die die beste Platzierung in einem Lauf erhält. Die Läufer*innen überholen einander deshalb gefühlt gewiefter als etwa beim Eisschnelllauf. Wegen all der waghalsigen Überholmanöver, deren Kunstfertigkeit selbst für eine Laie wie mich sichtbar ist, hat Shorttrack den Charme von Mario Kart: Es gewinnt auch mal jemand, der einfach seine Ressourcen clever eingesetzt hat.

Platz 4: Snowboarden

Snowboarder*innen sind die coolen Surfer*innen der Olympischen Winterspiele. In der einen Minute hauen sie sich in eine Halfpipe, in der nächsten geben sie gechillt ein Interview. Vielleicht spielen sie diese entspannte Haltung nur. Falls ja, sollten sie zu ihren Medaillen auch Oscars bekommen. Denn dank ihres überzeugend zur Schau gestelltem Chill-Faktors sind die Snowboarder*innen eine erfrischende Abwechslung zu all den anderen verbissen wirkenden Athlet*innen.

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Platz 3: Eiskunstlauf

Eiskunstlauf ist eine der wenigen Sportarten aus dieser Liste, bei denen ich zumindest mal beim Zappen hängen geblieben bin. Als kleines Mädchen haben mich die bunten Kostüme interessiert. Später habe ich dann mit einer morbiden Faszination zugesehen, wie hier Athlet*innen mit Kufen an den Füßen, nur Kostümen am Körper und ordentlich Tempo Tricks vollführen, die ich mich nicht mal trauen würde, wenn ich am ganzen Körper mit Schutzpolstern ausgestattet wäre. Auch heute bin ich noch voll der Bewunderung für Eiskunstläufer*innen, die mich auf die beste Weise an Enten erinnern: Man sieht nur ihre gelassene Schönheit, während sie ihre Anstrengungen, im Falle von Enten unter Wasser, verbergen.

Platz 2: Curling

Beim Curling versuchen Teams ihre Curlingsteine näher an einen Zielkreis zu schubsen. Damit der Stein besser gleitet, wischen Spieler*innen mit kleinen Besen vor der Gleitbahn herum. Klingt nach einem Altherrensport, den man im Park spielt. Und ohne zu tief in die Materie einzutauchen: Die Spiele sind auch beim Zusehen eher gemütlich statt mitreißend (wie etwa Eishockey). Wer sich in das Regelwerk einlesen und zum Hardcore-Fan à la George Clooney und Bruce Springsteen avancieren will, kann das gerne machen. Ich liebe es aber, mit meinem Halbwissen einem Sport zuzusehen, der Taktik, Kraft und Fingerspitzengefühl erfordert. Die Curling-Athlet*innen wirken dabei aber so herrlich unprätentiös, dass ich sie alle gerne zum Sonntagsessen einladen möchte.

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Platz 1: Skisprung

Auf der Plusseite des Skispringens steht: Ich war früher verliebt in Sven Hannawald. Auf der Negativseite steht: Ich verstehe die Physik hinter dem Skisprung nicht. Wie zur Hölle schaffen es Menschen so weit zu fliegen? Das muss Hexenwerk sein. Hexenwerk, das aber erstaunlich lange unterhält: Menschen beim Fliegen zuzusehen hat etwas erstaunlich Beruhigendes an sich, ohne langweilig zu werden. So verwandeln sich Gründe, die eigentlich gegen die Sportart sprechen, auf einmal in Vorteile. Magisch!

Das wäre sie. Die Liste der 15 Disziplinen bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang nach ihrer Langweiligkeit. Spätestens wenn Curling ausgestrahlt wird, werde ich vorm Fernseher sitzen. Außer ich bin zu müde von einem Marathon. Einem Mord-ist-ihr-Hobby-Marathon.

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