Rassismus: Diese Sprüche müssen sich südostasiatisch gelesene Menschen immer wieder anhören

Auf ihrem Instagram-Account @woherkommstduwirklich zeichnet die Künstlerin Le Hong Situationen, die ihr regelmäßig widerfahren.

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Auf ihrem Instagram-Account @woherkommstduwirklich veröffentlicht Le Hong Comics, die zeigen, wie sich Rassismus gegenüber südostasiatisch gelesen Menschen äußert. Illustration: © Le Hong, Bearbeitung: © ze.tt

Le Hong stört die Frage, wo sie herkommt. „Aus Leipzig“, antwortet sie. Doch meist wird diese Antwort vom Gegenüber nicht akzeptiert. „Woher kommst du wirklich?“ Die 26-Jährige versucht in solchen Situationen, höflich zu bleiben. Sie weiß, was die Person hören will: nämlich, dass Les Eltern aus Vietnam kommen.

Die ständige Frage nach dem Woher ist so problematisch, da sie suggeriert, dass die angesprochene Person eben nicht von hier, sondern fremd sei. Dabei kommt Le von hier – aus Leipzig. Lange sprach sie nicht über ihre Erfahrungen mit anti-südostasiatischem Rassismus. Dann las sie das Buch White Fragility: Why It’s So Hard for White People to Talk About Racism von Robin DiAngelo – und das Thema ließ sie nicht mehr los. Das Buch inspirierte Le dazu, ihre Erfahrungen mit der Welt zu teilen.

Im September 2019 startete sie den Instagram-Account @woherkommstduwirklich. Darauf veröffentlicht sie Illustrationen, die Sprüche und Situationen zeigen, die südostasiatisch gelesene Menschen immer wieder hören oder erleben. Eine Darstellung zeigt beispielsweise einen Jungen, der eine als südostasiatisch gelesene Person mit den Worten „Ching Chang Chong“ begrüßt. Die Antwort der Protagonistin: „Dein Hirn ist aus Karton!“

„Alles, was ich bis jetzt gezeichnet habe, sind meine eigenen Erfahrungen“, sagt Le. Nur die Ausgänge der Situationen seien anders als im echten Leben. „Meist sind es Antworten auf Begegnungen, die ich gerne gesagt hätte, mich aber nicht getraut habe zu sagen zu dem Zeitpunkt“, sagt sie.

Heute ist es für Menschen einfacher, ostasiatisch gelesene Menschen offen zu beschimpfen und zu verletzen, weil sie einen Sündenbock für ein globales Problem gefunden haben.

Le Hong

Eine andere Illustration zeigt die schlimmste Situation von anti-südostasiatischem Rassismus, die Le bislang erlebt hat. „Als ich 17 oder 18 Jahre alt war, saß ich einmal in der Straßenbahn gegenüber einem jungen Mann, der lautstark meine Eltern und mich beleidigte. Er meinte, dass wir Abschaum wären. Wir seien wie Pickel, die Deutschland befallen haben und er sei das Clearasil, das das Land wieder reinigt“, erinnert sie sich.

Am schlimmsten für Le war aber gar nicht der Rassist, sondern die Leute um sie herum, die Le nur angestarrt, aber nichts gesagt hätten. Von ihren Comics erhofft sie sich, dass Menschen mehr zuhören, wenn andere von ihren Rassismus-Erfahrungen berichten, kritisch reflektieren und sich der eigenen Privilegien bewusst werden.

Anti-asiatischer Rassismus während der Corona-Pandemie

Neun Monate nach Gründung des Instagram-Accounts ist das Thema anti-asiatischer Rassismus aktueller denn je. Während der Corona-Pandemie stieg die Zahl der Fälle, in denen südostasiatische oder südostasiatisch gelesene Menschen ausgegrenzt, beschimpft oder sogar körperlich attackiert werden. Für ze.tt berichteten vier junge Frauen von ihren Rassismus-Erfahrungen während der Pandemie.

Le Hong würde nicht sagen, dass anti-südostasiatischer Rassismus pauschal zugenommen hätte. „Für mich hat der Rassismus gegenüber ostasiatisch gelesenen Menschen nur in seinem Ausdruck zugenommen“, sagt sie. „Aber das, was die Leute heute so radikal zum Ausdruck bringen, war meiner Meinung nach schon vorher tief in der Gesellschaft verwurzelt. Heute ist es nur einfacher für die Menschen, ostasiatisch gelesene Menschen offen zu beschimpfen und zu verletzen, weil sie nun einen Sündenbock für ein globales Problem gefunden haben.“

Für die Zukunft würde sich die Studentin der Druck- und Medientechnik wünschen, dass Medien das Thema vermehrt aufgreifen und südostasiatisch gelesenen Menschen und BIPoC allgemein eine Stimme geben. Von der Regierung würde sie sich wünschen, dass sie mehr Bewusstsein für Rassismus schaffen und mehr zu dessen Bekämpfung beitragen würde.

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