Red Dead Redemption 2: Diese Referenzen aus Film und Popkultur stecken in dem Meisterwerk

Im Mammut-Videospiel Red Dead Redemption 2, das gerade Millionen Menschen in seinen Bann zieht, stecken etliche Anspielungen auf Kunst, Kultur und seltsame Legenden.

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Die Outlaws Arthur Morgan und Sadie Adler in der Wildnis von Red Dead Redemption 2. Screenshot: © Rockstar Games

Dieser Text ist spoilerfrei, was Haupthandlung und Nebenmissionen des Spiels anbelangt.

Red Dead Redemption 2 wird eine Woche nach seiner Veröffentlichung bereits von Millionen Menschen weltweit gespielt. Zu Recht: Dem Entwickler*innenstudio Rockstar Games ist mit dem Action-Adventure ein Meisterwerk gelungen. Das Western-Epos strotzt vor Details und erzählt eine poetische Geschichte über den Menschen, die Natur und den Verfall. Mit klugen Dialogen zwischen unterschiedlichen Charakteren steht das Spiel den größten Filmen zum Thema in nichts nach und gilt für viele schon jetzt als moderner Klassiker.

Die etwa 2.000 Entwickler*innen – viele davon offenbar absolute Nerds – haben sich in den acht Jahren Entwicklungszeit reichlich an Stoff aus der Popkultur bedient. Die riesige Welt von Red Dead Redemption 2 steckt voller Kuriositäten, Easter Eggs, und Referenzen aus Kunst und Kultur. Wir sammeln hier einige davon:

1. Stimmung? Tarantino, Tarantino, Tarantino!

Schon die Eröffnungssequenz des Spiels zeigt, dass die Entwickler*innen sich für die Atmosphäre und Bildsprache von der Arbeit eines berühmten Regisseurs inspirieren ließen: Quentin Tarantino. Das ist kein Zufall und liegt allein wegen der Westernthematik nahe: Wer zum ersten Mal den Controller in die Hand nimmt, fühlt sich regelrecht, als spiele er*sie gerade eine Szene aus dem eisigen The Hateful Eight.

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Der zwielichtige Charakter Micah in der Eröffnungssequenz des Spiels. Die Inspiration für das Stimmungsbild stammt unverkennbar aus Tarantinos Werk. Screenshot: © Rockstar Games

Im späteren Spielverlauf tauchen Orte und Charaktere auf, die etwa an Django: Unchained erinnern. Auch die atmosphärisch-bedrohlichen Bassläufe und die Gitarrenlieder, welche die Spielszenen begleiten, erinnern an solche, die auch Tarantino für seine Werke verwendet.

2. Filmreferenzen von Zurück in die Zukunft bis zu The Revenant

Auch wenn die Entwickler*innen bei Rockstar kurz vor Release etliche Stunden über die reguläre Arbeitszeit hinaus im Büro verbringen mussten, um das Spiel fertigzustellen, blieb in den acht Jahren der Entwicklung ausreichend Zeit, etliche Filmreferenzen im Spiel zu verstecken. Hier einige davon:

  • Der Herr der Ringe: Wer durch die Wildnis reitet, wird in einer bergigen Region am nordöstlichen Rand der Karte ein Haus mit verdächtig kleiner Tür finden, das in einen Hügel gebaut und von Gras bedeckt ist. Ganz klar: Das ist eine Liebeserklärung an das Haus der Beutlins in Der Herr der Ringe.
  • Das Dschungelbuch: In einer Sumpfgegend im südöstlichen Bereich der Karte wird man ein im Vergleich zu den anderen Schlangen im Spiel übergroßes Exemplar von einem Baum hängen sehen. Auch die Farbe verrät es: Sie soll an Kaa erinnern, die manipulative Schlange aus dem Dschungelbuch.
  • Evil Dead: Ebenfalls in der Sumpfgegend findet sich eine kleine, mit Ketten verbarrikadierte Klohütte mit einem Halbmond als Luftloch in der Tür. Von drinnen hört man eine Frau mit keuchender Stimme darüber sinnieren, wie sie dieser Zelle entkommen kann. Wer einen näheren Blick riskiert, wird ein Gesicht sehen, das an den Dämon aus Evil Dead erinnert.
  • Zurück in die ZukunftFans flehten schon seit Jahren nach einer Referenz zu Zurück in die Zukunft. Es scheint, sie haben jetzt nicht nur eine, sondern zwei bekommen. Wer in einer Postfiliale sein Kopfgeld abbezahlen will, wird von einer Figur im Hintergrund Doc Browns Oneliner „Great, Scott!“ hören, ausgesprochen in feinster Christopher-Lloyd-Manier. Im Bereich Great Ravine auf der Karte findet sich außerdem ein entgleister Zug, der an die Endszene aus Zurück in die Zukunft 3 erinnert.
  • The Revenant: Wenn der Film von 2015 uns eine Sache lehrte, dann: Leg. Dich. Niemals. Mit. Einem. Bären. An! An einer Stelle im Spiel sollen wir Jagd auf einen Bären machen. Er überrascht uns, der folgende Nahkampf geht natürlich schief. Wir können ihn knapp zurückdrängen und überleben den Vorfall. Der Bär verschwindet hinter Felsen. Aber die Botschaft an uns ist wie bei The Revenant klar: Die Natur ist stärker als ein Schießgewehr, also respektiere sie.
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Die Natur ist eine der Hauptrollen im Spiel. Selten wirkte sie so plastisch und greifbar. Screenshot: © Rockstar Games

Neben diesen konkreten Referenzen spürt man den Einfluss von verschiedenen Werken aus der Filmgeschichte – sie stecken in der DNA des Spiels. Von den klassischen Westernfilmen, aus denen sich teilweise Lieder von Ennio Morricone in Red Dead Redemption 2 wiederfinden, bis zu Charakteren, die entfernt an Mafiabosse aus Filmen wie Goodfellas oder The Departed erinnern, ist vieles dabei.

3. Gibt es Ufos und Bigfoot am Ende wirklich?

Der Tag, an dem die Erde stillstand, Unheimliche Begegnung der dritten Art: Wie oft sich in Science-Fiction an mysteriösen Ufos abgearbeitet wurde, die außerirdisches Leben bezeugen sollen, lässt sich mittlerweile nicht mehr zählen. Red Dead Redemption 2 macht sich einen Spaß aus dem Hype: In einer verlassenen Hütte im nordwestlichen Teil der Karte finden sich zunächst Anzeichen auf ein Ritual sowie ein mysteriöser Brief, der besagt: Komm wieder um 2 Uhr in der Nacht. Wer das tut, wird durch die Holzbretter der zerfallenen Hausdecke ein grünes Licht schimmern sehen und kann über sich ein Triebwerk hören…

Ein bis zu drei Meter großer Halbmensch mit gigantischen Füßen: Der Bigfoot ist eine Legende in verschiedenen Ländern der Welt – im Himalayagebiet ist der Glaube an die Existenz des Yetis ein ähnliches Phänomen. Viele Forscher*innen haben versucht, die Existenz der Fabelwesen zu beweisen, gelungen ist es bisher niemandem. Die Kreaturen tauchen dennoch konstant in vielen Filmen und Erzählungen auf. Auch dazu erlaubt sich Rockstar einen Kommentar: Wer in die schneeige Bergregion im Norden der Karte reist, wird auf einem Felskamm ein besonders riesiges Skelett finden, das aussieht, als stamme es von einem Bären – oder Menschen? Der Bigfoot ist, zumindest im Spiel, tot. Ein Statement?

Bis alle Geheimnisse gelüftet sind, könnte es noch eine ganze Weile dauern

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Charles, hier auf der Jagd nach bösen Buben. Spieler*innen hingegen freuen sich auf die Jagd nach den letzten Geheimnissen des Spiels. Screenshot: © Rockstar Games

Es ist nicht das erste Mal, dass Rockstar Games in einem seiner Spiele Anspielungen auf Popkultur und Verrücktes in der Welt hinterlässt. Womöglich ist es zum Hobby für die Entwickler*innen geworden. Für Spieler*innen jedenfalls ist das Wissen darum ein Ansporn, alle Referenzen zu finden. Über die Suche nach Easter Eggs in Rockstar-Spielen gibt es unzählige YouTube-Videos.

Bis alle Mysterien in der gigantischen Welt von Red Dead Redemption 2 gefunden sind, dürfte es allerdings noch eine Weile dauern. Bei Grand Theft Auto 5, dem letzten Titel des Studios, brauchten Fans zweieinhalb Jahre, um das letzte Geheimnis zu lüften: Wer eine sonderbare Blume isst, verwandelt sich in: Bigfoot. Ein Statement!