Richard Grenell: Das ist Trumps Neuer für Deutschland

Heute beginnt Richard Grenell seinen Dienst als US-amerikanischer Botschafter in Deutschland. Welche Dinge er mit Trump gemeinsam hat – und wo die beiden sich unterscheiden.

Mehr Tweets als sein Chef: Richard Grenell © SAUL LOEB/AFP/Getty Images

Mit ein paar Minuten Verspätung ist der neue US-Botschafter um 8:10 Uhr am Flughafen Berlin-Tegel gelandet. Am Nachmittag empfängt ihn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue. Dann wird der 51-Jährige seinen Amtssitz nahe des Brandenburger Tors am Pariser Platz 2 beziehen. Der Posten war 15 Monate vakant gewesen. Besonders die Demokrat*innen hatten Bedenken gegen den Harvard-Absolventen gehabt. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hatten 56 Senator*innen für ihn gestimmt und 42 gegen ihn; er ist also nach wie vor umstritten.

Doch wer ist Grenell? Und wo unterscheidet er sich von seinem obersten Boss Donald Trump?

1. Er twittert noch öfter als sein Chef

Donald Trump ist bekannt dafür, dass er zwischenstaatliche Beziehungen schon mal via Twitter regelt oder gefährdet. Über 37.000 Tweets hat der amtierende US-Präsident bisher abgesetzt. Auch der neue US-Botschafter ist nicht gerade tippfaul: 73.000 Tweets hat Grenell seit November 2009 bereits verschickt. Das sind im Schnitt 20 Tweets pro Tag. Damit lässt er sogar Trump, der seit seit März 2009 durchschnittlich 11 Tweets am Tag versendet, hinter sich.

2. Er ist ultrakonservativ

Grenell ist ein Trump-Unterstützer der ersten Stunde. Der bekennende Christ ist gelernter Politologe, Harvard-Absolvent und hat schon für die republikanischen Politiker Mitt Romney und George W. Bush gearbeitet. Von Trumps America-first-Politik ist er überzeugt. „Er ist ein Typ, der unglaublich gut verhandeln kann“, sagte Grenell in einem Fernsehinterview. Trump sei immer „nett“, aber „unerbittlich“. Mit Grenell kommt nun die America-first-Politik nach Berlin.

3. Er hat eine Krebserkrankung überstanden

2013 wurde bei Grenell ein Non-Hodgkin-Lymphom, eine bösartige Krebserkrankung diagnostiziert. Er besiegte die Krankheit. Danach entwickelte er eine Handy-App, die Patient*innen bei der Bewältigung der Chemotherapie helfen soll. Der Kampf mit der Krankheit prägt immer noch Grenells Leben. In seiner Twitter-Biografie schreibt er: “Nach meinem Krebs bin ich stärker. Mein Hund bestimmt mein Leben. Unvollkommener Anhänger Christi”. 

4. Er ist für die Ehe für alle

Nicht alle innerhalb der republikanischen Partei sind begeisterte Grenell-Fans. In der Vergangenheit wurde er wiederholt scharf kritisiert: Weil er homosexuell ist, mit einem Mann verheiratet ist und offen dazu steht, dass er für die Ehe für alle ist. Damit unterscheidet er sich von Trump, der beim Thema Gleichbehandlung von queeren Menschen in seinen Positionen stark schwankt.

5. Er will, dass Deutschland die USA in militärischen Belangen besser unterstützt

Vor wenigen Wochen flogen die USA gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien Kampfeinsätze in Syrien. Sie reagierten damit auf einen Giftgaseinsatz des syrischen Machthabers Assad. Deutschland beteiligte sich nicht an dem Einsatz – was Grenell auf Twitter kritisierte. Geht es nach ihm, hätte sich Deutschland an dem Angriff beteiligen sollen. Eine der wichtigsten Forderungen Trumps an Deutschland lautet, dass es seine Verteidigungsausgaben erhöhen müsse – Grenell ist der Mann, der nun dafür zuständig ist, diese Forderung durchzusetzen.

6. Er ist ein Fan von Jens Spahn

Als Jens Spahn zum Gesundheitsminister ernannt wurde, gratulierte Grenell ihm auf – klar – Twitter.

7. Er hat einen wahnsinnig süßen Hund

Newark to Berlin #lola

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