Sabine, Naima, Uta: Wieso wolltet ihr ein Tiefdruckgebiet nach euch benennen?

Zwischen 200 und 300 Euro kostet eine Wetterpat*innenschaft beim Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin. Wieso geben Menschen so viel Geld dafür aus, ein Wetterphänomen nach sich benennen zu lassen?

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"Ein Hoch auf Opa!" Bild: Pixabay / Bearbeitung: ze.tt

Zappt man sich dieser Tage durch das Fernsehprogramm, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Sabine. Von Nordwest nach Süd zieht der Name über die animierten Karten der Wetterberichte hinweg. Voraussichtlich nächste Woche wird es dann Tomris sein, die ihre Kreise über die Wetterkarten zieht – danach Uta, Victoria und Wiltrud.

Tiefdruckgebiete werden dieses Jahr mit weiblich konnotierten Vornamen benannt, diese Wetterpat*innenschaft kann man am Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin erwerben. Hochdruckgebieten sind dieses Jahr männlich konnotierten Vornamen vorbehalten, 2021 ist es dann wieder andersherum. Wer ein Tief- oder Hochdruckgebiet nach sich benennen möchte, muss dafür vergleichsweise tief in die Tasche greifen: Zwischen 200 und 300 Euro kostet eine solche Wetterpat*innenschaft.

Seit 1954 kümmert sich das Institut um die Namensvergabe der Druckgebiete. Die Studentin Karla Wege hatte angeregt, den mitteleuropäischen Druckgebieten Namen zu geben. Seit 2002 werden diese nicht mehr etwa nach dem Zufallsprinzip oder nach persönlichen Vorlieben vergeben, sondern im Rahmen einer Pat*innenschaft verkauft. „Hochdruckgebiete sind bei den Paten natürlich beliebter“, sagt Konrad Bucher vom Institut für Meteorologie der FU Berlin im Gespräch mit ze.tt. Das liege zum einen daran, dass sie für gewöhnlich für ein schöneres, sonnigeres Wetter stehen, zum anderen haben Hochdruckgebiete eine deutlich längere Lebensdauer und verbleiben daher auch länger auf den Wetterkarten. Das hat allerdings auch seinen Preis. Während man für ein Tiefdruckgebiet vergleichsweise günstige 199 Euro bezahlt, schlägt ein Hochdruckgebiet mit 299 Euro zu Buche.

Ein Hoch auf Opa!

Aber wieso geben Menschen überhaupt so viel Geld dafür aus, um ein Wetterphänomen nach sich benennen zu lassen? „Die Gründe sind natürlich vielfältig“, sagt Konrad Bucher. Dahinter steckt oft der simple Wunsch, einmal den eigenen Namen auf einer Wetterkarte zu sehen. Häufig dient die Pat*innenschaft auch als kreative Geschenkidee zu unterschiedlichsten Anlässen wie Geburtstagen, Hochzeiten oder Jubiläen.

Eines vorweg: Wir wissen nicht, warum sich Sabine dazu entschieden hat, ein Tiefdruckgebiet nach sich benennen zu lassen. Leider möchte sie sich laut Konrad Bucher nicht gegenüber der Presse dazu äußern. Vielleicht erscheint ihr es schlicht zu nichtig, schließlich gibt es viele verschiedene Gründe, warum sich Menschen dazu entscheiden, einem Wetterphänomen wie Sabine ihren Namen zu schenken.

Bucher gab uns einen Einblick in die Antragsformulare, die jedes Jahr bis September eingegangen sein müssen, damit sie im darauffolgenden berücksichtigt werden können. Neben dem Namensvorschlag können die Antragsteller*innen auf dem Formular freiwillig (und wenn gewünscht, anonym) auch den Grund angeben, warum sie sich dazu entschieden haben, ein Tief- oder Hochdruckgebiet nach sich selbst oder einer anderen Person benennen zu lassen. „Die Patenschaft ist ein Geschenk zum 90. Geburtstag. Ein Hoch auf Opa!“, steht da etwa. Aber auch ernsthaftere Gründe spielen eine Rolle, etwa Sorgen aufgrund des Klimawandels – der übrigens auch am Institut für Meteorologie der FU Berlin erforscht wird. Diese wichtige Forschung wird unter anderem durch die Erlöse aus den Wetterpat*innenschaften finanziert. „Wir als Familie sind gern viel draußen unterwegs. Außerdem interessiert uns die Veränderung des Wetters im Zusammenhang mit der Klimaveränderung“, heißt es auf einem der Formulare. Ein weiterer Wetterpate ist Förster und sorgt sich bei Dürre und Hitze um seinen Wald, daher sei ein Tief, das Regen bringt, in seinen Augen etwas Positives.

Sabrina, 39, Tiefdruckgebiet Naima

Auch wenn das Tief Naima zu Beginn des Februars vor allem für viel Regen in Deutschland und Europa sorgte, machte es eine junge Frau besonders glücklich. Naima, das ist der Name der Nichte von Sabrina Stange aus dem nordrhein-westfälischen Castrop-Rauxel. Zu ihrem Schulabschluss bekam Naima von ihrer Tante ein Tief mit ihrem Namen als außergewöhnliches Geschenk. „Wir wollten ihr einen kleinen Platz in der Geschichte schenken“, sagt Sabrina. Dass die Wahl auf ein Tiefdruckgebiet fiel, ist dabei natürlich nicht als Metapher zu verstehen, sondern lediglich dem Umstand geschuldet, dass Tiefdruckgebiete im Jahr 2020 nun mal weibliche Vornamen tragen. „Naima hat sich riesig darüber gefreut, ihren Namen im Radio zu hören und auf Wetterkarten zu sehen“, sagt Sabrina. „Da hat man immerhin noch an einem Tief seine Freude.“

Ein anderer Käufer einer Patinnenschaft wollte seiner wetterinteressierten Mutter eine eigenes Druckgebiet schenken. Nachdem er sie bereits mit diversen Apps und Geräten ausgestattet hatte, stellte eine Wetterpatinnenschaft für ihn den nächsten logischen Schritt dar. Nun fehle laut ihm eigentlich nur noch eine Möglichkeit, aktiv ins Wetter einzugreifen – mithilfe einer Wettersteuerungsmaschine. Aber das erscheine ihm dann doch etwas zu teuer und sei zudem „mit dem Image eines James-Bond-Bösewichts behaftet“. Dieses Geschenk sei daher eher was für einen runden Geburtstag.

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